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Prüfers Kolumne Kann man auf Nervenzusammenbruch testen?

Viele Arbeitgeber testen die Persönlichkeitsprofile von Bewerbern. Die Tests sind vielfach unwissenschaftlich – aber das muss kein Problem sein.
09.01.2021 - 13:57 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe mich schon öfter gefragt, ob meine Persönlichkeit zu meinem Arbeitgeber passt. Die Psychologie geht davon aus, dass es fünf verschiedene Persönlichkeitsmerkmale gibt. Die Offenheit, die Extraversion, die Gewissenhaftigkeit, die Verträglichkeit und den Neurotizismus. Ich bin irgendwo zwischen verträglich und neurotisch.

Nun wollen Arbeitgeber gern feststellen, welcher Natur ein neuer Mitarbeiter ist. Im Allgemeinen bevorzugt man ja eher verträgliche Mitarbeiter und hat auch lieber solche, die offen für Erfahrungen und dazu gewissenhaft sind. Sehr extravertierte Mitarbeiter sind nicht in allen Berufen gern gesehen. Und der Neurotizismus, also psychische Labilität, wird unter Personalern im Allgemeinen überhaupt nicht geschätzt.

Also versucht man mit allen Mitteln, zu verhindern, dass man einen neuen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin einstellt, der oder die kurz nach Ende der Probezeit einen Nervenzusammenbruch bekommt. Um das zu verhindern, werden die Kandidaten durch allerlei Fragen geleitet, wobei es ziemlich viel anzukreuzen gibt. Ein Problem ist, dass es gar nicht so einfach ist, jemanden dazu zu bringen, in einem Persönlichkeitstest preiszugeben, ob er psychisch labil ist oder zu Großspurigkeit neigt.

In der „Süddeutschen Zeitung habe ich gelesen, dass viele Persönlichkeitstests keine wissenschaftliche Basis haben. So gibt es den Myers-Briggs-Indikator. Er ist fast 80 Jahre alt und heute noch sehr beliebt, weil sich bei ihm alle Persönlichkeitsbeschreibungen irgendwie schmeichelhaft anhören. Auch der oft gebrauchte Test „Golden Profiler of Personality“ beruht nicht auf wissenschaftlich bewiesenen Grundlagen, sondern auf Mutmaßungen des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer darin brilliert, wäre auf jeden Fall vor hundert Jahren ein guter Mitarbeiter gewesen.

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    Doch auch bei wissenschaftlich konzipierten Personaltests neigen viele Kandidaten zur Manipulation. Sie kreuzen stets das an, von dem sie glauben, dass es erwünscht sei. Dies wird mitunter positiv ausgelegt. Schließlich sei es in vielen Berufen durchaus von Vorteil, zu verstehen, was der andere hören will. Und ihm entsprechend etwas vorzumachen. Man wird zumindest ein prima Vertriebsmanager. In diesen Sinne könnte auch ein unbedingtes Einstellungskriterium sein, dass jemand versucht, den Arbeitgeber zu hintergehen.

    Das ist aber noch keine Methode, um erhöhten Neurotizismus festzustellen. Der einzige sichere Weg, herauszufinden, ob jemand wirklich labil ist, ist vermutlich, ihn so lange mit Fragebogenfragen zu löchern, bis er einen Nervenzusammenbruch bekommt – oder eben nicht.

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