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Prüfers Kolumne Kein TikTok für Trump

Das chinesische Social Network wird derzeit verstärkt für politischen Aktivismus genutzt. Dabei will TikTok mit Politik lieber nichts am Hut haben.
18.07.2020 - 13:08 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.


Kellyanne Conway ist berühmt. Sie ist die erste Frau, die in den USA eine erfolgreiche Präsidentschaftskampagne geleitet hat. Seither verteidigt sie als Top-Beraterin aggressiv und unerbittlich Donald Trumps rassistischste und verrückteste Behauptungen.

Kürzlich berichtete ein Reporter der „New York Times“, dass sich auch Conways Tochter mit Trump beschäftigt, allerdings sehr kritisch, bei TikTok. TikTok ist eine Videoplattform, bei der junge Leute Videos einspeisen, die höchstens eine Minute lang sind. Dort hat nun Claudia Conway ihre Follower aufgefordert, Trump-Immobilien im Internet mit nur einem Stern zu bewerten.

In der Antwort auf einen Kommentar zu ihren Clips schrieb sie: „Ob du es glaubst oder nicht, du kannst deine eigene Meinung bilden, indem du dich weiterbildest! Meine Ansichten haben nichts mit denen meiner Mutter zu tun.“ Claudia unterstützt auch die Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter und ruft dazu auf, die Polizisten zu verhaften, die im März die 26-jährige Breonna Taylor bei einer Hausdurchsuchung getötet haben.

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    Nun ist es nicht überraschend, dass Kinder eine andere politische Meinung haben als ihre Eltern. Aber früher hatten Kinder keine Social-Media-Accounts. Und der chinesische Dienst TikTok ist eine so junge Plattform, dass Menschen in Kellyanne Conways Alter oft nicht einmal wissen, dass sie existiert. Man bringt sie höchstens mit Mini-Musikvideos in Verbindung, wo Jugendliche ein paar coole Moves zu ein paar coolen Sounds machen.

    Lip-Sync-Videos und Bastian Short

    Die Einsicht, dass damit Politik gemacht werden kann, setzt sich erst langsam durch. Es gibt zum Beispiel eine junge SPD-Lokalpolitikerin, Helena Schwinghammer, die ihren Kommunalwahlkampf in einem Münchener Bezirk mit TikTok-Videos geführt hat. Sie zeigte meistens ihre zu einem Herz geformten Hände in die Smartphone-Kamera und erhielt dafür schon mal mehr als 10.000 Likes. Das ist schon fast so viel, wie die SPD in Bayern mancherorts an Stimmen bekommt.

    So attraktiv es nun letztlich für die Politik sein könnte, sich auf die neue Plattform als Wahlkampfinstrument zu stürzen – bei TikTok hat man gar keine gesteigerte Lust darauf, als Wahlkampfinstrument zu dienen. Das Unternehmen lässt wissen, dass dies nicht dem Geist der Plattform entspreche.

    Das ist insofern schade, dass wir nun keine Lip-Sync-Videos von Trump werden sehen können, da TikTok nicht als Ausweichmöglichkeit offensteht, nachdem er sich ja so mit Twitter verkracht hat (dafür leihen sich Comedians wie Sarah Cooper auf TikTok gern seine Stimme aus). Vielleicht sollte er es so machen, wie der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Der produziert gar nicht selbst TikTok-Clips, sondern überlässt dies seinen Fans. Zurzeit wird TikTok geflutet von Videos über „Bastian Short“, in denen er als Sexsymbol inszeniert wird.

    Die Tochter von Kellyanne Conway jedenfalls hat mittlerweile mitgeteilt, dass sie gar nicht als Opponentin ihrer Mama verstanden werden möchte. Sie will auch Schaden von ihr abwenden: „Bitte, bitte keinen Hass für meine Mutter oder meinen Vater. Sie sind beide erstaunliche Menschen, und ich liebe sie so sehr.“ Vielleicht sollte Donald Trump seine Kinder mal bitten, auch so etwas über ihn zu veröffentlichen.

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