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Prüfers Kolumne Kleine Alltagsprobleme bleiben auch in der Krise

Auch in Zeiten essenzieller Bedrohungen verschwinden die alltäglichen Widrigkeiten wie Spam-Mails, kaputte Duschtassen und vergessene Gartenlichter nicht.
27.06.2020 - 11:00 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.


Ich weiß, die Welt hat gerade große Probleme. Aber das bedeutet nicht, dass all die kleinen Probleme weggehen. Mir jedenfalls rauben sie den Schlaf. Ich wache etwa nachts auf und bin der festen Überzeugung, dass ich das Licht auf dem Balkon angelassen habe. Ich kann dann nicht mehr einschlafen, bis ich das nachgeprüft habe.

Oder ich stehe morgens in der Dusche, und das Wasser fließt nicht ab. Die Schaumkronen fließen träge wie die Wolga Richtung Abfluss – ständig ist er verstopft.

Mit solchen Mini-Problemen ist man ganz allein. Jeden Tag denke ich: Was habe ich falsch gemacht? Hätte ich damals, als der Handwerker die Dusche einsetzte, auf einer anderen Duschtasse bestehen sollen?

Oft ist es ja so, dass man einen kleinen Fehler macht, eine Nachlässigkeit, die dann für großen Ärger sorgt. Ich habe mich über meine Duschtasse bestimmt schon mehr geärgert als über Donald Trump.

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    Ein anderer Fehler, den ich irgendwann mal gemacht habe, war, aus Versehen einmal auf eine Spam-E-Mail zu reagieren. Seitdem bekomme ich jeden Tag kübelweise unverlangte Post.

    Spam-Mail kommt heute nicht mehr von anonymen Servern, sondern von scheinbar echten Absendern. Sie haben Namen, die ich manchmal erstaunlich finde. Ich bekam etwa eine Mail von „Evert Gärtner“. Oder „Karin Vonnegut“. Oder „Menno Schröter“. Oder „Engel Thomas“.

    Sicher, sie sind alle von Identitäts-Generatoren im Internet zusammengesetzt. Aber wie kommen Generatoren nur auf solche Namen? Ich finde sie besser als die meisten Namen, die sich echte Eltern so ausdenken. Kenne ich jemanden, der Menno heißt?

    Der Vorname Menno, habe ich gelesen, ist eine friesische Kurzform von Meinhard, das bedeutet, „kräftig“ oder „stark“. Besser noch der Vorname Engel: In den Vereinigten Staaten heißen viele Kinder Angel, in Spanien Ángel – aber in Deutschland wird weniger als ein Promille der neugeborenen Kinder Engel genannt. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

    Wenn sich jemand mir vorstellen würde mit: „Guten Tag, mein Name ist Engel Thomas“ – ich wäre sofort neugierig. Wie würde sich Engel Thomas wohl mit Menno Schröter vertragen? Ich weiß es nicht, Engel Thomas – das kann ja ein Mann oder eine Frau sein – ist, so lässt die verschickte Werbe-Mail vermuten, ein Mensch, der eine gemäßigte Umgebung bevorzugt. „Hasst Du Hitze?“ ist der Betreff. Dann folgt die Anpreisung eines tragbaren Luftkühlers fürs Büro.

    Die Betreffzeilen jener Mails sind sehr oft als Fragen formuliert. Menno fragt: „Brennt und juckt Deine Haut oft nach der Dusche?“ Ich finde das sehr persönlich. Aber trotzdem gut, dass sich überhaupt jemand um meine Haut sorgt. Warum fragt mich das sonst niemand?

    Im Allgemeinen finde ich, dass die Fake-Menschen mich ganz gut verstehen. Evert Gärtner etwa fragt: „Bleibt manchmal dein Gartenlicht an?“ Ja, ganz genau! Oder Karin Vonnegut: „Fließt das Wasser kaum aus dem Bad ab?“ Offenbar begreift Karin sehr gut, wie es in mir aussieht. Ich würde ihr so gern schreiben. Warum sind es immer die falschen Menschen, die nicht existieren?

    Mehr: Das alte Konferenzleben wird niemand vermissen. Lesen Sie hier die ganze Kolumne.

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