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Prüfers Kolumne Lost in Homeoffice: Geringe Kosten, geringe Geheimhaltung

Wer hat sich das mit dem Büro überhaupt ausgedacht? In der Krise zeigt sich: Es geht auch raumlos. Das spart Kosten – verkompliziert aber Kontrolle.
09.07.2020 - 19:51 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.


Viele Unternehmen erachten es gerade als hervorragende Idee, im Homeoffice arbeiten zu lassen. Es scheint ja alles bestens zu sein: Im Homeoffice braucht man keinen Schreibtisch. Wer im Homeoffice arbeitet, verschwendet kein Druckerpapier, man muss ihm keinen Kaffeeautomaten aufstellen. Für das Homeoffice muss man keine teuren Büros in der Innenstadt anmieten, also auch keinen Teppichboden verlegen lassen.

Und man kann theoretisch auf der ganzen Welt Mitarbeiter rekrutieren und muss niemanden davon überzeugen, in einen Ort wie Gütersloh oder Aschheim oder Eschborn zu ziehen. Namen von Städten, die man allenfalls kennt, weil jemand dort ein Unternehmen entweder angesiedelt oder ruiniert hat. Man muss keine Grabenkämpfe mehr ausfechten, wer in ein wie großes Büro mit welcher Aussicht zieht und wer Anspruch auf einen Tiefgaragenstellplatz hat.

Und wenn die Mitarbeiter per Zoom-Konferenz zusammenkommen, muss man keine Dienstreisen bezahlen, keine Mineralwasserfläschchen und Snacks bereitstellen. Wer im Homeoffice arbeitet, der produziert viel weniger von dem, was Unternehmen am meisten fürchten: Kosten. Und dazu kann man Mitarbeiter auch besser entsorgen. Es muss kein Büro geräumt werden – man verschickt einfach kein Meeting-Passwort mehr.

Man kann ganze Abteilungen auf diese Weise dichtmachen, ohne dass man irgendwann mal eine Meldung herausschicken müsste, dass Standort X geschlossen werde. Das Homeoffice bietet so viele Vorteile, dass man sich eigentlich dringend fragen muss, wer überhaupt auf die Idee mit diesen Büros gekommen ist. Wenn doch einfach alles ohne Räume zu veranstalten ist.

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    Unfreiwillig geteilte Geheimnisse

    Ein Vorteil von Büros ist zum Beispiel, dass man leichter einen ungefähren Überblick erhält, was die Leute eigentlich den ganzen Tag so machen. Mit wem sie reden. Und wer ihnen dabei zuhört. Vor zwei Jahren wurde in den USA der Berater Peter Cho wegen Insiderhandels angeklagt, weil er Aktien von Virgin America gekauft hatte, nachdem er seine damalige Frau dabei belauscht hatte, wie sie im Homeoffice einen größeren Deal des Unternehmens einfädelte.

    Im Englischen nennt man diese Problematik „pillow talk“: Geheimnisse, die man mit den Menschen teilt, mit denen man ein Bett teilt. In der „Financial Times“ habe ich einen Artikel gelesen, dass gerade Banken und Finanzdienstleister bislang viel Aufwand betrieben haben, ihre Mitarbeiter zu kontrollieren, etwa indem sie alle Konversationen der Telefonanlage aufzeichnen. Leider ist das schwer zu bewerkstelligen, wenn die Mitarbeiter in ihren Privatwohnungen telefonieren. Denn private Telefone abzuhören, das ist immer noch ein Job für Ermittler.

    Üblich war es auch, mit Künstlicher Intelligenz das Kommunikationsverhalten der Mitarbeiter zu beobachten. Ein solcher Algorithmus schlägt Alarm, wenn sich ein Angestellter anormal verhält. Da es aber in der Pandemie kaum Verhaltensweisen gibt, die man zuvor als normal angesehen hätte, ist die Kontrollsoftware außer Gefecht. Wahrscheinlich würde als verdächtig gelten, wenn ein Angestellter jeden Morgen brav ins Büro geht.

    Mehr: Wie sich deutsche Unternehmen auf die Rückkehr ins Büro vorbereiten.

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