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Prüfers Kolumne Mehr Bier trinken – der Umwelt zuliebe

Wer die Welt vor Müllbergen retten will, steigt auf Pfandflaschen um. Viele Getränke kommen dann allerdings nicht mehr in Frage.
30.01.2020 - 14:33 Uhr 1 Kommentar
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

In meinem Haushalt stelle ich alles auf Mehrweg um. Das ist ja ein einfacher Weg, die Welt zu retten. Man vermeidet Müll, indem man die Dinge wieder und wieder verwendet. Ich bin überhaupt ein Mehrweg-Typ. Ich mag es nicht, Sachen wegzuwerfen. In meinem Kleiderschrank sind etliche Klamotten, die andere längst weggeworfen hätten.

Ich aber denke mir: Die sind doch noch gut. Die kann man doch noch anziehen, wenn es mal nicht so wichtig ist, gut auszusehen – vielleicht wenn man den Gartenzaun streicht. Leider haben wir keinen Garten.

Dafür habe ich einen Balkon, der nun voll mit grünen Kisten steht. Die sind nämlich von dem Bio-Lieferdienst, der mir einmal in der Woche eine Kiste mit Gemüse bringt. Eigentlich sollte er jeweils die Kiste der Vorwoche wieder mitnehmen, das klappt aber meistens nicht. Also stapeln sich bei mir die diversen Kisten auf dem Balkon.

Wir trinken nur noch aus Pfandflaschen. Es ist aber nicht so einfach, wie ich geglaubt hatte. Etwa bei der Milch. Im Supermarkt gibt es nämlich nur eine Marke, die Milch in Flaschen bietet, das aber ist keine Biomilch. Wer Milch von glücklichen Kühen in Mehrwegflaschen haben will, muss sie sich bringen lassen. Der Milchlieferdienst lässt auch seine Kisten da. Wie ich aber auf der Rechnung gesehen habe, berechnet er pro Kiste zehn Euro Pfand. Es ist vielleicht ein ganz gutes Geschäft, meinen Balkon mit grünen Kisten zu bestücken.

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    Viele Getränke gibt es gar nicht aus Pfandflaschen. Orangensaft etwa wird entweder in Tetra-Packs oder in Einwegflaschen aus Plastik gereicht. Bier hingegen hat ein beeindruckendes Pfandsystem in Deutschland, deswegen trinke ich nun mehr Bier und weniger Saft. Der Umwelt zuliebe.

    Die junge Generation lebt an der Mehrwegquote vorbei

    Ich musste lernen, dass der Handel auf Kunden wie mich schlecht eingestellt ist. In der „Welt am Sonntag“ las ich, dass die Mehrwegquote in Deutschland gerade mal 42 Prozent beträgt. Bei Erfrischungsgetränken sind es sogar nur 23 Prozent. Selbst so etwas wie Mineralwasser wird nur zu 38 Prozent aus wiederverwertbaren Flaschen getrunken.

    Wer ist schuld an dieser Misere? Ich habe gelesen, vor allem sei dies die junge Generation: Von den 18- bis 29-Jährigen kaufen nämlich nur 59 Prozent zumindest ab und zu ihre Getränke in Mehrwegkisten. Der Rest lebt komplett an der Mehrwegquote vorbei.

    Bei den über 60-Jährigen sind hingegen ganze 86 Prozent Mehrweganhänger. Das vergisst man manchmal, wenn man über die Klimasünden der Babyboomer klagt. Wenn ich also anfange, auf Pfandflaschen umzusteigen, ist dies ein klares Zeichen dafür, dass ich alt werde.

    Ich werde mir wohl irgendwann auch einen Garten zulegen müssen. Zum einen, um im Schuppen die ganzen grünen Kisten stapeln zu können, die sich bei mir ansammeln. Und dann brauche ich einen Zaun, den ich regelmäßig streichen kann, damit ich eine Verwertung für all die alten Klamotten habe, die ich nicht weggeworfen habe. Aber hauptsächlich natürlich, um Bäume zu pflanzen für das Klima.

    Die jungen Leute demonstrieren derweil für niedrigere CO2-Emissionen und schlürfen dabei Club Mate aus der Einwegflasche. Über die werde ich mich in meinem Garten ordentlich aufregen.

    Mehr: Egal, ob es um Umwelt oder Klima geht: Wenn aus Vorschlägen für ökologisch sinnvolles Handeln Dogmen werden, entstehen gefährliche Denkverbote.

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    1 Kommentar zu "Prüfers Kolumne: Mehr Bier trinken – der Umwelt zuliebe"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es gibt Club-Mate in der Einwegflasche?

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