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Prüfers Kolumne Menschen und Affen machen die gleichen Fehler

Menschen halten oft an irrationalen Entscheidungen fest, weil sie bereits viel darin investiert haben. Ärgerlich? Ja. Aber längst nicht nur menschlich.
16.01.2021 - 13:43 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich bin jemand, der nicht so gern aufgibt. Wenn ich etwas angefangen habe, dann bringe ich es auch zu Ende. Wenn sich ein Buch etwa schon nach 30 Seiten als unerträglich dröge herausstellt, lese ich normalerweise trotzdem die restlichen 670 Seiten. Es ist nicht so, dass ich irgendwie eine ungekannte Freude dabei entdecken und dann merken würde, dass es doch ein sehr gutes Buch wäre. Ich lese einfach weiter, weil ich angefangen hatte.

Und je weiter ich gelesen habe, desto schwerer fällt es mir aufzuhören. Weil ich ja schon so weit gekommen bin. Am Ende habe ich das Buch keineswegs genossen. Ich hasse den Autor vielmehr dafür, dass er meine Zeit mit seinem Schinken verschwendet hat. Vermutlich wäre es für mich besser gewesen, ich hätte das Buch gleich weggelegt. Mein Ziel, eine erbauliche Zeit mit einer lohnenden Lektüre zu verbringen, die mich in den entscheidenden Fragen des Lebens weiterbringt, ist ohnehin verfehlt. Wahrscheinlich wäre das für den Autor besser gewesen. Ich würde ihn dann vielleicht nicht so dafür hassen.

Ich habe nun gelesen, dass ich dieses Verhalten nicht nur mit vielen Menschen, sondern auch mit Kapuziner- und Rhesusaffen teile. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert eine Studie der Primatenforscherinnen Julia Watzek und Sarah Brosnan von der Georgia State University in Atlanta. Sie hatten Affen angeleitet, mit einem Joystick einen Punkt auf einem Bildschirm zu fangen. Schafften die Tiere das in der vorgegebenen Zeit, bekamen sie eine Belohnung, schafften sie es nicht, begann eine neue Runde. Es wäre für die Affen also am klügsten gewesen, bei Problemen einfach abzubrechen und eine neue Runde zu starten.

Die Forscherinnen beobachteten aber, dass sich die armen Äffchen mit dem Joystick abmühten, auch wenn sie Probleme hatten, den verdammten Punkt zu fangen. Je mehr sie investiert hatten, desto geneigter waren sie weiterzumachen. Die Forscherinnen haben daraus geschlossen, dass die Neigung zu verdrängen, wie viel Energie man schon unsinnig aufgewendet hat, tief in der Evolution verwurzelt ist. Wenn wir mit stierem Blick einfach immer weitermachen, kommt also der Affe in uns hervor.

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    Für Affen ergibt das vermutlich sogar Sinn. Wenn man keine bessere Idee hat, macht man eben weiter bis bisher. Die Forscherinnen meinen, dass Sturheit das Leben einfacher mache. Auch ganze Volkswirtschaften und Großindustrien funktionieren nach diesem Prinzip. Und warum nicht: Evolutionär gesehen war es ja erfolgreich. Und bestimmt ist auch meine Art zu lesen die beste. Warum, das steht hoffentlich mal am Ende eines nur scheinbar überflüssigen Buches.

    Mehr: Kann man auf Nervenzusammenbruch testen?

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