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Prüfers Kolumne Neue Freunde statt Gehalt: Wie Firmen neuerdings Mitarbeiter anwerben

Millionen Arbeitnehmer in Deutschland haben keine emotionale Bildung an ihren Arbeitgeber. Das liegt auch daran, dass sich Prioritäten geändert haben.
23.01.2020 - 12:24 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Muss Arbeit Spaß machen? Das Forschungsinstitut Gallup bringt jedes Jahr einen „Engagement Index“ heraus. Und jedes Jahr enthält der grauenhafte Zahlen, die dann als Pressemitteilungen herumgeistern: „Jeder sechste Mitarbeiter hat innerlich gekündigt.“

Ganze 16 Prozent haben keinerlei emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber. Das sind fast sechs Millionen Arbeitskräfte. Und nur 15 Prozent geben an, Gefühle für ihren Arbeitgeber zu haben. Ganze 69 Prozent haben allenfalls eine geringe emotionale Bindung. Die Statistik ist damit noch schlimmer als 2018: Damals gaben laut „Engagement Index“ nur 14  Prozent an, nichts für ihren Arbeitgeber zu fühlen.

Dies wird immer wieder als ein Indiz dafür gesehen, was in Deutschland noch alles im Argen liegt. Wie schlecht müssen die Betriebe dieses Landes geführt sein, dass Millionen mit einer inneren Kündigung im Kopf herumlaufen? Wo doch Emotionen das Wichtigste am Arbeitsplatz sind.

Ich habe neulich ein Plakat gesehen, mit dem ein Sofortlieferdienst für Getränke um neue Fahrer warb: Das Plakat pries nicht die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen an, sondern „neue Freunde“, die man finden würde.

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    So funktioniert eben die moderne Arbeitswelt: Menschen machen sich gerne zum Teil des digitalen Prekariats und schleppen anschließend Getränkekisten zu den Wohnungen von Leuten, die gerade online mehr Bier für ihre Party bestellt haben – denn der Lohn dafür sind neue Freunde.

    Damit liegt der Lieferdienst voll im Trend. Freude an der Arbeit löst Freude am Gehalt ab. In der „Süddeutschen Zeitung“ las ich neulich von einer Studie der Jobbörse Indeed und des Marktforschungsinstituts YouGov. Neun von zehn Personen wünschen sich demnach einen Job, der Spaß macht – die Höhe des Gehalts rangiert nur auf Platz zwei. Für ein gutes Betriebsklima halten 59 Prozent der Befragten nette Kollegen für wichtiger als „Gehalt, Prämien oder Bonuszahlungen“.

    Der Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von der Kalaidos-Fachhochschule in Zürich sieht die Ansprüche sogar noch höher. Er sagt, „der Wunsch nach einer Sinnhaftigkeit der Arbeit“ würde zunehmend bedeutender.

    Nun war es bislang so, dass eine Arbeitsstelle ja vor allem für den Arbeitgeber Sinn machte, denn der musste ja sein Geschäft betreiben. Und für den Arbeitnehmer machte sie insofern Sinn, dass er damit seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte – in vollem Bewusstsein, dass das Geldausgeben mehr Spaß macht als das Geldverdienen. Künftig aber soll bei allem eine Mission dabei sein.

    Ich habe mal auf der Recruiting-Seite des Getränkelieferdienstes nachgeschaut. Da stand: „Sei dabei, wenn der Getränkemarkt revolutioniert wird“.

    Yeah, wer hat nicht schon einmal Lust gehabt, bei einer Revolution mitzumachen? Ich fragte mich dann noch kurz, wo denn der Spaß dabei bleiben würde, aber dann las ich von dem Versprechen an die künftigen Getränke-Lieferfahrer.

    Zwischen den Auslieferungen könnte man im Pausenraum mit den Kollegen (also den neuen Freunden) „chillen“ und eine Runde auf der Playstation spielen. Ich hätte mich fast beworben, wäre mir nicht eingefallen, dass ich gar kein Auto fahren kann.

    Mehr: Internetdienste machen es einem bewusst schwer, seine Mitgliedschaft wieder loszuwerden. Manchmal muss man sich mit aller Kraft wehren, meint Tillmann Prüfer.

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