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Prüfers Kolumne Nostalgiker sind die glücklicheren Menschen

Wenn Menschen angeben, nostalgisch veranlagt zu sein, sind sie insgesamt zufriedener. Denn in schönen Erinnerungen schwelgen tut gut.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich denke gern an früher. Dabei lebe ich ganz gern im Heute. Aber manche Sachen des Früher vermisse ich. Zum Beispiel die Langeweile.

Es gab Zeiten, da war einfach nichts los. Man saß zu Hause, und das Telefon klingelte nicht. Heute ist immer etwas los. Selbst wenn die Leute nichts zu tun haben, posten sie auf Instagram, dass sie gerade nichts zu tun haben und wie schön das #Nichtszutunhaben ist. Und dazu schicken sie dann ein Bildchen von ihren hochgelegten Füßen in Wohlfühlsocken.

Die Welt ohne Internet mit Wohlfühlsocken fand ich schöner. Ich mag auch so analogen Kram wie Faxgeräte. Dieses unvergleichlich hohe Pfeifen, mit dem sie sich in der Leitung meldeten, das Knattern, wenn sich das Thermopapier aus dem Gerät spulte. Viele Faxe waren noch handgeschrieben. Das war etwas anderes als eine Slack-Mitteilung. 

Ich bin nostalgisch. Aber ich habe in der „Welt am Sonntag“ gelesen, dass das okay ist. Psychologen von der Universität Southampton haben nämlich herausgefunden: Nostalgiker sind besser dran. Denn weil sie eine Vergangenheit haben, mit der sie sich identifizieren können, haben sie eine stabilere Selbstwahrnehmung.

Wenn Menschen angeben, nostalgisch veranlagt zu sein, sind sie insgesamt glücklicher. Denn in schönen Erinnerungen schwelgen tut gut. Das liegt konträr zur allgemeinen Wahrnehmung des Nostalgikers, den man ja oft als rückwärtsgewandten Menschen beschreibt, der lieber moppert, dass früher alles besser war, anstatt zu sehen, wie aufregend und toll und herausfordernd das Hier und Heute ist. Psychologisch gesehen liegt das Heil nämlich tatsächlich in der Vergangenheit.

Sogar am Arbeitsplatz sind Nostalgiker im Vorteil. Laut dem Verhaltensethiker Marius van Dijke kommen sie besser mit ungerechten Vorgesetzten zurecht, weil sie in ihrer Erinnerung bessere Zeiten im Job heraufbeschwören können. Das sollte man vielleicht mal all den Leuten auf den Bürofluren sagen, die sich als überzeugte Vorwärtsdenker gerieren, die schon fast in der Zukunft leben, auf jeden Fall gar nicht in der Vergangenheit.

Sobald ein neuer Messenger auf den Markt kommt, haben sie schon ein Profil. Und sie wissen immer, was man gerade machen muss. Wenn man gerade einen Instagram-Account eingerichtet hat, haben sie schon einen Youtube-Channel. Sobald man einen Youtube-Channel hat, machen sie schon einen Podcast.

Wenn dann alle Podcasts haben, posten sie schon längst Videos auf Tiktok. Sie sind ständig in Sorge, etwas zu verpassen oder irgendetwas Altem anzuhängen, mit dem man sich in den Augen der kommenden Generation blamiert.

Manchmal frage ich mich, ob diese Menschen tatsächlich immer gierig auf das ganz, ganz Neue sind oder ob sie einfach Angst davor haben, den Anschluss zu verlieren und für zu alt gehalten zu werden. Ich glaube, früher gab es solche Leute nicht.

Ich frage mich, ob die manchmal auch heimlich nostalgische Gefühle haben. Vielleicht haben sie ja einen Röhrenfernseher zu Hause und gucken darauf abends mittels eines VHS-Rekorders alte Bay-Watch-Folgen oder so. Dann könnten sie mich gern mal dazu einladen. Ich bring auch Liebesperlen mit.

Mehr: Experten raten dazu, sich im Internet nicht zu sehr zu vernetzen. Dabei ist es harte Arbeit, sich dort erst einmal ein Netzwerk zu schaffen, meint Tillmann Prüfer.

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