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Prüfers Kolumne Schuldenmacher sind einfach die besseren Menschen

Hohe Zinsen waren historisch gesehen immer ein Zeichen für Umbrüche und Kriege. Da ist die derzeitige Lage eigentlich ein gutes Zeichen.
10.01.2020 - 08:32 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe gelesen, dass die Geschichte der Zinsen zu Ende geht. In der „Welt am Sonntag“ wurde berichtet, dass Franz II., der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, noch immerhin fünf Prozent Zinsen zahlen musste, als er sich 1803 Geld von der Bethmann Bank lieh. Mittlerweile aber liege auf zehnjährigen deutschen Staatsanleihen ein negativer Zinssatz von 0,2 Prozent. Während Geld einmal etwas war, das man sich für entsprechende Zinsen teuer erkaufen musste, wird es einem nun hinterhergeworfen.

Das wird aber nicht einhellig begrüßt. Viele Kommentatoren beklagen, diese Zinsen würden den kleinen, gutmütigen Sparern weggenommen. Nun stehe deren Altersvorsorge auf dem Spiel. Denn das Geld arbeite eben nicht mehr für sie. Es modert auf den Konten dahin und wirft nichts mehr ab.

Laut „Welt am Sonntag“ war das im Mittelalter noch ganz anders. König Eduard III. musste im 14. Jahrhundert noch 35 Prozent Nominalzins zahlen. Allerdings war mit so einem Zins auch eine Menge Risiko verbunden. Immerhin führte der Regent allerlei Kriege. Er kämpfte in Schottland und strengte den Hundertjährigen Krieg an, indem er den französischen Thron für sich beanspruchte.

Dem Monarchen Geld zu leihen bedeutete also, ein hohes Risiko des Zahlungsausfalls einzugehen, schließlich kann so ein Krieg ja auch mal ziemlich danebengehen. Das war in jeder Hinsicht Wagniskapital. Wenn man Leuten wie mir Geld leiht, ist die Chance, dass ich damit gegen Schottland und Frankreich ziehe, ziemlich gering. Leute wie ich bauen davon lieber ein Reihenhaus oder so.

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    Ich habe gelernt, dass der Zinsverlust nicht einfach an den Launen der Europäischen Zentralbanker liegt, sondern historisch bedingt ist. Der Zins ist seit Jahrhunderten auf dem Rückmarsch. Geld bringt nichts mehr ein, Geld kostet eher. Bald wird man es sich gewissermaßen leisten können müssen, Geld auf der Bank zu haben.

    Angeblich ist das aber ein eher gutes Zeichen: In Zeiten, da Umbrüche und Kriege die Welt erschüttern, lässt sich besser damit Geld verdienen, dass man es verleiht. Die größten Schuldner sind die Staaten. Und ein Staat, der gerade einen Krieg gewinnen muss, lässt sich bereitwilliger auf einen hohen Zinssatz ein als eine Nation, die gerade nichts Besonderes vorhat. Frieden ist in dem Sinne also eher schlecht für die private Altersvorsorge.

    Ein anderer Zinsverderber ist offenbar die gestiegene Lebenserwartung. Wir haben mehr Zeit, um uns die Wünsche des Lebens zu erfüllen, wir brauchen nicht alles gleich jetzt. Also muss man uns das Geld hinterherwerfen, damit wir Lust bekommen, uns ein neues Auto zu kaufen oder ein Haus zu bauen.

    Ich finde, das wirft auch ein besonderes Licht auf den Sparer, der ja einhellig als der tugendhafte, selbstverantwortliche Bürger dargestellt wird, der an die Zukunft denkt. Er profitiert mit seiner Altersvorsorge also gewissermaßen davon, dass auf der Welt Kriege geführt werden und dass Menschen fürchten, nicht mehr lange genug zu leben, um sich die entscheidenden Dinge des Lebens leisten zu können.

    Also ist es nur gerecht, dass die Zeit auf der Seite der Schuldenmacher ist. Sie sind einfach die besseren Menschen.

    Mehr: Ein Körper, der nicht den gesellschaftlichen Maßstäben entspricht, ist einfach anders schön. Darum geht es bei Body-Positivity, einem neuen Trend.

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