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Prüfers Kolumne Software wie Slack macht uns zu Bienchen

Dank moderner Kommunikationstools soll uns nichts mehr entgehen. Das ist nicht gut für den Bürofrieden. Wir haben ein Recht darauf, etwas zu übersehen.
10.06.2020 - 15:45 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Wenn E-Mails verschickt werden, kommuniziert jeder irgendwie mit jedem und niemand versteht etwas: Einer hat etwas an den großen Verteiler geschickt, aber er hat es an den Verteiler geschickt, auf dem nicht alle stehen, deswegen hat es einige nicht erreicht, die ratlos der Information hinterherrennen.

Dann bekommen sie endlich die E-Mail weitergeleitet, aber ohne den wichtigen Anhang. Denn der Anhang war dann doch so groß, dass vom Server zurückgewiesen wurde. Eigentlich sollten die Daten sowieso auf dem zentralen Server sein, aber seltsamerweise haben nicht alle die Zugriffsrechte.

Aber ohnehin wird schon längst nicht mehr über das Dokument diskutiert, sondern darüber, warum nicht alle auf dem Verteiler sind. Weil das ja gar nicht sein muss, gibt es Messenger-Programme wie Slack. Mit Slack werden Arbeitsprozesse transparent, man kommuniziert in eigens dafür vorgesehenen Gruppen. Alle Dokumente lassen sich dort prima organisieren

Ich höre immer wieder, dass man ältere und jüngere Mitarbeiter daran unterscheiden kann, ob sie E-Mail nutzen oder Slack. Für die Jungen ist E-Mail so etwas wie für die Älteren ein Fax. Etwas Unpraktisches aus vergangenen Zeiten, dass man aus Nostalgie noch nutzen kann. Wer per E-Mail kommuniziert, ist praktisch schon verstorben.

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    Denn Slack ist effektive Kommunikation, auf Slack geht nichts verloren. Auf Slack wird jeder, den es angeht, erreicht. Eine tolle Sache. Weil Slack so modern und elegant ist, wird die gesamte Zeit auf Slack kommuniziert und alles, was es irgendwie zu sagen gibt, wird per Slack gesagt. Denn wenn man es auf Slack gesagt hat, dann kann niemand sagen, er habe es nicht gesehen.

    Weil alle die ganze Zeit immer auf Slack posten, ist Slack leider eine Nervensäge, die nicht einmal eine Minute lang die Klappe halten kann. Denn auf Slack etwas zu posten heißt: Guckt mal, ich arbeite. Slack zu ignorieren, bedeutet Arbeitsverweigerung. Also starren alle auf Slack, damit sie nichts verpassen und posten gleich zurück.

    Ich habe gelesen, dass Slack besonders für mittelständische Unternehmen attraktiv ist. Schon 100.000 Firmen arbeiten damit, mehr als zehn Millionen nutzen die Plattform täglich. Weil man weiß, dass der Mittelstand misstrauisch wegen der Datensicherheit ist, werden die Daten für Deutschland nicht in China gespeichert, sondern in Frankfurt.

    Nichts gegen Mittelstand und gar nichts gegen Frankfurt. Aber etwas, das so grundsolide sein will, passt nicht zu mir. Ich finde, es gibt bei der Arbeit ein unausgesprochenes Recht darauf, etwas übersehen zu haben. Das Recht auf die wohl nicht erhaltene E.Mail. Das Dokument, das angeblich im Spam gelandet ist. Der Arbeitsprozess ist voller Ausreden.

    Und diese Ausreden sorgen dafür, dass wir uns nicht gegenseitig an die Gurgel gehen. Es kann ja immer etwas verloren gehen. Selbst bei der Post kann man behaupten, man habe das wichtige Schreiben vom Finanzamt nicht etwa ignoriert, sondern einfach nicht erhalten. Wir können fehlbar sein ohne Gesichtsverlust. 

    Software wie Slack aber macht uns zu Bienchen in einem großen, sauberen Prozess. Da ist schon etwas Widerstand erlaubt. Wer mir etwas anderes sagen möchte: Kritik bitte per Mail.

    Mehr: Chatten mit den Kollegen – So nutzen Sie Slack und Co. richtig

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