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Prüfers Kolumne Verknappung bei allem, was überhaupt knapp werden kann

Sind das die wilden 20er-Jahre, die nach der Pandemie losgehen sollten? Aktuell ist immer alles schon belegt, voll oder gerade nicht zu haben.
19.06.2021 - 11:25 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Meine Frau und ich wollten einen Schuppen im Garten bauen, ein Bekannter eine Sauna. Beides geht nicht, denn es gibt Lieferschwierigkeiten mit dem Holz. Der Holzmarkt ist leer. Man prügelt sich quasi um Zahnstocher.

Sogar minderwertiges Fichtenholz soll schon vom Markt sein. Die Amerikaner und Chinesen kaufen angeblich alles auf. Dort gibt es einen Bauboom. Das treibt den Preis hoch.

Ich habe gehört, für die örtlichen Baustellen sei dies nur deswegen nicht so schlimm, weil es ohnehin keine Facharbeiter gebe, die das Holz verbauen könnten. Vermutlich sind die auch nach China verkauft worden.

Ich erinnere mich noch, dass Holz als nachwachsende Ressource gelobt wurde. Nun glaube ich, dass es vielleicht nicht schnell genug nachwächst.

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    Ich habe auf der Website von CNN gelesen, dass man sich schon auf weitere Preiserhöhungen einstellen kann: „Der perfekte Sturm macht alles, was man braucht, teurer.“ Denn die Unternehmen versuchen mit allen Mitteln, nach der Pandemie ihre Lager wieder voll zu bekommen. Die Lieferungen bleiben jedoch aus: zum Teil, weil Corona noch den Welthandel behindert, aber auch, weil es gerade zu wenige Container zum Verschiffen gibt.

    Erinnerung an die Zeit vor dem Mauerfall

    Also kommt es gerade zu einer Verknappung bei allem, was überhaupt knapp werden kann – und zwar überall auf der Welt. Hühner sind knapp, Micro-Chips und Käse. Kürzlich wollte meine Tochter Mehlwürmer kaufen, um den Hamster zu füttern. Es gibt sie gerade nicht, in keinem Tierfutterladen in der Stadt.

    Was soll man machen? Ich wollte ins Museum gehen, aber es gibt für die Ausstellungen leider erst wieder im Juli Tickets. Dann dachte ich, dass ich wenigstens ins Freilicht-Kino gehen könnte, leider gibt es dort auch keine Tickets mehr.

    Das sind also die wilden 20er-Jahre, die einem versprochen wurden, die gleich nach der Pandemie losgehen sollten. Man wollte auf den Straßen feiern. Gerne, aber es ist ja immer alles schon belegt, voll oder gerade nicht zu haben.

    Ich kenne das aus der Zeit vor dem Mauerfall. Damals hieß es, in der damaligen DDR müsse man damit leben, dass es die richtigen, guten Sachen nicht gebe. Theoretisch sei alles für alle gleich billig, aber praktisch leider nicht lieferbar. Und wenn ja, dann steht man dafür eben lange in der Schlange.

    Wenn ich demnächst eine Schlange sehe, die nicht vor einem Corona-Testzentrum steht, werde ich mich sofort anstellen. Zeit habe ich ja, weil man ohnehin nichts unternehmen kann.

    Was es dort gibt, kann ich bestimmt gebrauchen, vielleicht sogar zum Tauschen. Ich habe noch ein bisschen Bauholz im Keller, das werde ich lagern. Ich warte noch ein bisschen. Es kann nicht mehr lange dauern, bis man dafür fast jeden Preis verlangen kann. Irgendwer in China möchte diese Gartenhütte bestimmt dringender als ich.

    Mehr: Was ist das Beste am Reichsein? Das Essen? Kaum. Der Schlaf? Eher nicht. Es geht wohl um das reine Gefühl, schreibt Tillmann Prüfer.

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