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Prüfers Kolumne Vitamin B wie belastend: Warum nicht lieber eine Bewerbung schreiben?

Ein großer Teil an Stellen wird über Beziehungen vergeben. Das hat Vorteile, kann aber auch schnell Druck erzeugen. Ein Plädoyer für die Bewerbung.
22.08.2020 - 10:55 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe in der „Süddeutschen Zeitung“ einen Artikel über das berüchtigte Vitamin B gelesen. Jobvergabe über Beziehungen. Dort wurde eine Zahl des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zitiert: Ein Drittel aller offenen Stellen werde über persönliche Kontakte vergeben. Mehr als über Inserate oder andere offene Kanäle. Am ehesten kommt es also zu einem Arbeitsvertrag, wenn man sich schon kennt.

Nun sei aber mit dem Vitamin B auch eine psychische Bürde verbunden. Komme man über persönliche Kontakte an die entscheidende Position, wisse man nie, ob man wirklich der Beste gewesen sei. Dazu stehe man unter dem Druck, seinen Fürsprechern ewig dankbar sein zu müssen. Man kann sich also gut vorstellen, was das für jemanden wie Jared Kushner für ein Quell von ewigem Selbstzweifel sein muss: War er wirklich der Qualifizierteste unter 300 Millionen Amerikanern, um die Corona-Taskforce im Weißen Haus zu leiten? Oder musste er Schwiegervater Donald Trump dankbar sein?

Allerdings ist diese Job-Politik offenbar kein Garant für Arbeitnehmertreue. Denn auch das ergaben Studien: Wer einen Job über Beziehungen bekommt, bleibt deswegen nicht länger als jemand, der ein Inserat beantwortet hat (Jared Kushner hat noch nicht gekündigt). Jobs über Beziehungen zu vergeben ist nachvollziehbar.

Man möchte nicht von negativen Erkenntnissen über einen Bewerber überrascht werden. Ob jemand wirklich eine Granate ist, möchte man vorher schon wissen. Ist jemand in der Branche bekannt oder wird gar empfohlen, nährt das Hoffnung, dass man sich auf den Neuerwerb verlassen kann. Hinzu kommt Eitelkeit: Man geht doch davon aus, dass man sämtliche relevanten Namen der Branche kennt. Wie könnte es da sein, dass der beste Kandidat erst durch ein Bewerbungsanschreiben auffällt?

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    Das führt dazu, dass die Bewerbung auf klassischem Wege schon als ein Makel gesehen wird. Wäre man wirklich so gut wie in den Unterlagen behauptet, hätte man doch schon von sich reden gemacht, oder? Ich kenne Leute, die damit prahlen, noch nie eine Bewerbung geschrieben zu haben.

    Dabei kann es doch gar nicht schaden, als Aspirant für einen neuen Job ein Motivationsschreiben zu verfassen. Möglicherweise stellt man erst bei dieser Gelegenheit fest, dass man gar keine Lust auf die neue Position hat. Außerdem sollte man nicht jeder Empfehlung trauen. Ein CEO sagte mir mal, wenn er eine schlechte Führungskraft habe, lobte er sie im Gespräch mit anderen immer. In der Hoffnung, dass sich der gute Ruf bald weitertrage – und der Betreffende für die Konkurrenz arbeite.

    Mehr: Hustle Economy, oder – die Leidenschaft zu Geld machen.

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