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Prüfers Kolumne Von Autokorrektur und Herdenlegasthenie

Können Menschen heute noch ohne Rechtschreibkorrektur anständig tippen? Der Auto dieser Kolumne sagt klar: nein. Und liefert den Beweis gleich mit.
17.10.2020 - 11:04 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe den Verdacht, dass ich kaum noch einen Satz ohne Tippfehler schreiben kann, denn leider sknd die Tasten auf det iPhone-Tastatur so klein, dass meine Finger kaum noch die Buchstaben treffen. Wenn ich tippe, dann erwisxhe ich nur mit Not die richtigen Lettern, wahrscheinlich aber tipoe ich daneben. Um das mal zu dokumentieren, habe ixh gerade nal die Rechtschreibhilfe auf meinem Smartphone deaktiviert.

Ich schreibe nämlicj recht viele Texte auf den Smartphone. Ich schreine ebrn viel unterwehs. Aber wenn icj ehrlicj bin, äh schreibe icb sie gar bicht wirklich, sondern hacke auf die Smartphone-Tastatur ein und hoffe, dads mein Telefob schln irgendwie errät, welches Wort ixh gemeinz haben könnzr. Wie gesagt, oft tippe ixh daneben und ein freundlixj gesinntet Algorithmus versucht mich zu retten. Wie Sie sehen: Rechtschreibung ist kein Thema mehr für micj.

Ich habe mein Gehirn dem Computer übergeben. Ich nehme allerdings an, die Allermeisten machen das so. Ich glaube, alle tippen irgendwie auf ihren Displays herum und ricjten sich im Allgemeinen nach den Rechtschreibvorschlägen der Software. Ich nenne das Herdenlegasthenie. Die Chefin den Philologenverbande, Susanne Lin-Klitzing, hat gefordert, es solle möglicj sein, Abiturienten eine gabze Note abziehen zu können, bei schwerwiegenden Verstößeb gegen die Rechtschreibung.

Ick fürchte, das kommt zu spät, laut einer Studie machten Viertklässet 2012 scjon 140 mejr Rechtschreibfehler als 1972. Wenn diese Kinder nächstes Jahr Abitur machen, wissen sie nicjt einmal mejr, was Orthografie ist. Man beschwert sixj ja gabz gerne, dass die Autokorrektur die Dinge schlimmer mache. Aus „Jacke“ werde „Kacke“, aus „Duschgel“ werde „Durchfall“, aus „meditiert“ werde „masturbiert“ .

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    Ein frühes Rechtschreibprogramm hat bei mir immer meinen Vornamen „Tillmann“ gegen „Taliban“ ausgetauscht, was für einige politiscje Verwirrung gesorgt hat. Mittlerweile passiert das nicht meht, wohl auch, weil die Taliban heute nicht mehr so präsent sind. Sie wurden offenbar im Ranking der Rechtsxhreibvorschläge heruntergestuft. Natürlich wäre es auch vorstellbar, dass Mensxhen mit dem Namen Tillmann nun in der öffebtlichen Wahrnehmubg eine größere Rolle spielen, aber dad halte ich für nicht sehr wahrscheinlich.

    Ich nehme an, es sind recht komplizierte Berechnungen, die solche Vorschläge für wahrscheinlich gemeinte Wörter hervorbringen. Trotzdem wird der „Autokorrekturfehler“ immer wieder als Entschuldigung hervorgebracht, wenn man in einer Korrespondenz Unsinn verzapft hat. Man tut so, als würde die Rechtschreibsoftware die Sätze demolieren, aber in Wirklichkeit schreibrn wir alke falsch!

    Die Leute tippen Unsinn. Ohne Autokorrektur wären wir nicjt mehr fähig, eibigermaßeb vernünftige Sätze miteinandet auszutauschen. Wor würden einfach nur Quatsch vertexten. Icj habr natürlicj den Verdacht, dass die Tastenfelder auf meinem Smartphone kleinet sind als früher, deshalb tippe ich mit meinen Fingern ständig daneben, oder? Oder der Tastbildschirm ist extrem sensibel, das könnte aich sein. Dass icj aus altersbedingter Tattrigkeit die Tasten nicht treffe, schließe ich aus. Die Maschine ist schuld.

    Mehr: Entwurzelt im Homeoffice.

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