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Prüfers Kolumne Warum Bauchentscheidungen so wichtig sind

Es ist richtig, dass die essentiellen Entscheidungen nicht im Kopf getroffen werden. Das eigentliche Denken findet nämlich im Verdauungstrakt statt.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Es heißt ja, dass Bauchentscheidungen im Management meist besser seien als Kopfentscheidungen. Der Kopf wägt ab, der Bauch weiß einfach, ob es sich gut anfühlt oder nicht. Man hat ja noch nie gehört, dass ein Geschäftsmann damit gesagt hätte: „Ich hatte ein total schlechtes Gefühl im Bauch, also habe ich nur mit dem Kopf entschieden – und das war total richtig.“

Dagegen erzählen Business-Menschen sehr gerne, dass etwas sich sehr unvernünftig angehört, aber man sofort ein gutes Gefühl im Bauch gehabt habe. Der Bauch führt also. Damit sagen Manager zwar auch, dass sie sich ihre Ausbildung hätten schenken können, weil sie ja ohnehin nach Instinkt entscheiden. Aber immerhin scheinen wir implizit anzunehmen, dass nicht nur unser Kopf ein Denkorgan besitzt.

Heute weiß die Forschung mehr darüber. Man interessiert sich etwa sehr für das sogenannte enterische Nervensystem. Das ist ein Netz von Nervenzellen, das den Verdauungstrakt in seiner ganzen Länge umspannt. Dieses Nervensystem funktioniert unabhängig. Es reguliert die Verdauung, kontrolliert die Immunabwehr im Darm und kann vielleicht noch viel mehr. Ich habe gelesen, dass der Darm evolutionär gesehen das eigentliche Gehirn ist.

Primitive Organismen wie Süßwasserpolypen haben kein Gehirn, wohl aber ein enterisches Nervensystem, das ihnen erlaubt, zu verdauen und sich fortzupflanzen. Ich denke, dies sind auch heute noch die Grundbedürfnisse des Menschen. Die meisten Leute verlangen gar nicht mehr vom Leben. So gesehen ist unser Gehirn also nur ein Darmfortsatz.

Es sind aber nicht nur diese Nervenzellen, die denken. Die Darmflora hat auch ihren Anteil daran. Zur Darmflora gehören sehr viele Mikroorganismen, die in unserem Gedärm leben. Genauer gesagt sind es rund 100.000 Milliarden Bakterien mit einem Gewicht von gut 1,5 Kilogramm. Sie umfassen fast zehnmal mehr Zellen, als unser Körper menschliche Zellen hat. Sie sind uns also in gewisser Weise überlegen.

Die Forschung meint heute, dass die Darmflora eine wichtige Rolle bei der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn spielt. Ein Experiment zeigte etwa, dass nicht-depressive Mäuse Depressionssymptome entwickelten, nachdem ihnen Darmbakterien von depressiven Mäusen eingeführt worden waren.

Darmbakterien können demnach die Hirnfunktion beeinflussen. Wir fühlen uns nicht besser als dieser große Zellhaufen, der in uns vor sich hingärt. Das bedeutet wohl auch, dass man seiner Hirnfunktion schaden kann, wenn man die Darmflora nicht pflegt, etwa, weil man die falschen Sachen isst. Viele Nahrungsmittel haben zu wenige Ballaststoffe. Darmbakterien brauchen aber Ballaststoffe.

Möglicherweise können also Leute, die Vollkornbrot essen und damit langfristig ihre Darmflora stärken, letztlich auch besser denken, weil sie damit die schlauen Bakterien aufbauen. Allerdings weiß man noch nicht so recht, welche Bakterien schlau sind und welche eher doof, man müsste wohl eine entsprechende Umfrage im Bauch starten, aber das ist schwer.

Sicher ist derweil: Wenn Manager für ihre großartigen Leistungen entlohnt werden, sollte man sich immer auch fragen, ob man damit nicht eigentlich ihren Darminhalt alimentiert.

Mehr: Es ist zu bezweifeln, dass Unternehmen Führungskräfte benötigen. Am Ende muss doch eh alles der Chef entscheiden.

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