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Prüfers Kolumne Warum die alte Bürowelt inzwischen fast schon obszön anmutet

Zuhause zu arbeiten ist für viele Menschen genauso normal geworden, wie es der Gang ins Büro war. Das ist gut so – denn Heimarbeit ist sauber, klimaschonend und günstig.
14.05.2020 - 13:50 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Das Homeoffice hat sich offenbar als die neue natürliche Arbeitsumgebung durchgesetzt. Es ist für viele Menschen genauso normal geworden, wie es einmal war, ins Büro zu gehen. Wenn man im Internet Folgen von „The Office“ oder „Stromberg“ guckt, dann hat es schon historischen Wert.

So wie wenn man sich einen Schwarz-Weiß-Film anguckt: Man betrachtet die Szenerie, aber es ist schon kaum mehr möglich, sich da einzufühlen. Ein vertraulicher Plausch an der Kaffeemaschine, allgegenwärtiges Händeschütteln. All das kommt einem fern, fast obszön vor.

Und man denke nur an all das, was es ja auch gegeben haben soll: Liebe im Büro, Knutscherei im Kopierraum. Widerlich. Wie kommen Menschen dazu, wild mit anderen Viren auszutauschen? Man wird das Büro in der Rückschau möglicherweise als einen hygienisch ähnlich bedenklichen Ort sehen wie bislang einen Schlachthof in Chittagong.

Das hat nicht nur Nachteile. Viele Dinge, die im Büro ohnehin nicht so schön waren, sind nun ausgeschaltet. Es gibt keine Kollegen mehr, die neben einem im Großraum laut die Fußballergebnisse vom Wochenende bequatschen. Weil es ja kein Großraumbüro mehr gibt (und bislang ja auch keine Fußballergebnisse).

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    Es gibt keine unangemessenen Männerblicke auf dem Flur mehr und auch keine anzüglichen Sprüche im Fahrstuhl. Überhaupt hätte man sich wohl die Hälfte der #MeToo-Debatte sparen können, hätte das Arbeitsleben schon immer zwischen Bildschirmen stattgefunden.

    Heimarbeit ist sauber, klimaschonend und kostengünstig. Es ist, als wäre der Traum all der Globalisierer wahr geworden, die schon immer fanden, Deutschland sei zu wenig durchdigitalisiert.

    Leider aber scheint es alles noch nicht genug zu sein. Auf „Zeit Online“ habe ich gelesen, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung habe erfragt, dass 40 Prozent der neuen Heimarbeiter zu Hause weniger effizient arbeiteten. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert eine Studie der Uni Konstanz, wonach sogar 55 Prozent über mangelnde Effektivität klagten. Da muss also dringend etwas passieren.

    Wenn die Menschen zu Hause nicht so gut arbeiten, dann mag das daran liegen, dass sie sich leichter ablenken lassen. Die „New York Times“ berichtete, dass US-Firmen zunehmend Gebrauch von Mitarbeiter-Beobachtungs-Software wie Hubstaff machen. Damit lässt sich die Zeit messen, die der Angestellte auf die Tastatur einhackt oder die Maus bewegt.

    Die Software macht auch Screenshots, damit sichtbar wird, auf welchen Social-Media-Seiten man zwischendrin so unterwegs ist. Wenn jemand sich also zu sehr daheim ablenken lässt, kann der Vorgesetzte direkt mitschneiden.

    Allerdings ist es ja nicht so ganz einfach, all die ablenkenden Dinge in der Wohnung auszuschalten. Da sind etwa Lebenspartner und dann auch noch oft Kinder, die ständig während der Videokonferenz auf den Schoß springen. Es ist erschütternd, mit wie vielen Menschen so ein Wohnraum oft kontaminiert ist, die mit der Arbeit nichts zu tun haben.

    Man sollte sie zumindest zwischen 8 und 17 Uhr dringend wegschicken. Fürs Erste könnte man sie ja locker woanders unterbringen – etwa in all den leer stehenden Büroräumen.

    Mehr: Horrorfilme und Videokonferenzen bringen innere Unruhe.

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