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Prüfers Kolumne Warum jetzt Hunde das Internet erobern

Dass Hundebilder in sozialen Netzwerken mittlerweile mehr Aufmerksamkeit bekommen, macht Hoffnung: Das Internet wird dadurch weniger ichbezogen.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

In der Zeitung habe ich gelesen, dass im Internet der Cat-Content rückläufig sei und stattdessen die Hunde auf dem Vormarsch seien. Es gibt leider keine sehr konkreten Zahlen, aber Indizien. Der Zwergspitz Boo hat zum Beispiel doppelt so viele Likes auf Facebook sammeln können wie die legendär schlecht gelaunte Katze Grumpy Cat. Das Suchvolumen bei Google für „Cute Dogs“ soll laut BBC schon doppelt so groß sein wie „Funny Cats“.

Es gibt verschiedene Theorien darüber: Eine ist, dass sich der Charakter des Internets verändert habe. Einst sei es eine Spielwiese der Nerds und Nonkonformisten gewesen – und nun spiegele es eben die Vorlieben der Mehrheit wider. Und die fänden eben süße Hunde noch toller als Katzen.

Die Katze, so sagt etwa die US-Internet-Forscherin Elyse Graham, stehe für die anarchische Zeit des Internets, als in den verschiedenen Foren massenhaft Katzenbilder getauscht wurden. Die „Washington Post“ bezeichnete die Katze sogar als das „Totemtier“ des Internets.

Viele Internetnutzer wollten gern ein bisschen wie Katzen sein. Eigenwillig, hedonistisch, unangepasst und trotzdem irgendwie sehr niedlich. Und natürlich schätzte man den ironischen Blick auf irgendwie alles. Hunde sind natürlich auch irgendwie niedlich – aber Hunde lieben nicht nur sich selbst, sondern sind auch ihrem Besitzer sehr zugetan. Hunde lieben es, Befehle auszuführen, und können sich für jeden Unsinn begeistern. Es sind keine Nonkonformisten. Heißt das nun, das Internet wird angepasster?

Ich habe nie so ganz verstanden, warum Katzen als etwas Besonderes gelten, nur weil sie ihren Besitzer vor allem als Quelle für Streicheleinheiten und als Futterspender begreifen. Für mich ist Egoismus eigentlich keine besondere Auszeichnung. Es gibt auch viele andere Tiere, die Menschen vor allem als Nahrungsquelle sehen, zum Beispiel Blutegel. Deswegen gibt es im Internet allerdings noch lange nicht Millionen Blutegel-Videos. Auch kann ich mir schwer vorstellen, dass Katzenhalter vornehmlich Individualisten sind. Es gibt neun Millionen Katzenbesitzer in Deutschland. Die können nicht alle anarchistische Individualisten sein.

Es gibt noch eine andere Theorie über Katzen im Netz. Katzen interessieren sich nicht für Kameras und haben eine relativ ausdrucksarme Mimik. Man kann also sehr gut alles Mögliche in sie hineininterpretieren. Demnach wäre gar nicht die Katze, sondern der Mensch der Egoist, der rücksichtslos seine eigenen Empfindungen auf sein Haustier projiziert. Und dabei manchmal auch noch kräftig kassiert.

Eine der bekanntesten Internetkatzen, Maru, eine Katze, die sich vorbildlich in alle möglichen Schachteln falten kann und im „Guinness-Buch der Rekorde“ als meistangeschautes Tier auf Youtube steht, hat ihrem Besitzer im Jahr 2017 etwa 75.000 Dollar eingebracht.

Die Deutschen sind die größten Katzenliebhaber Europas, hier leben fast 15 Millionen dieser Tiere. Ihre Besitzer müssen keine Steuern zahlen, obwohl Katzen einen erheblichen ökologischen Schaden anrichten, etwa, indem sie Singvögel jagen. Es geht also eigentlich nicht egoistischer. Wenn nun der Hund die Katze im Netz verdrängt, ist dies vielleicht ein Zeichen, dass das Internet ein bisschen weniger ichbezogen wird.

Mehr: Nirgendwo in Europa gibt es so viele Haustiere wie in Deutschland. Was Halter nicht wissen: Ein Versicherungsschutz ist oftmals ratsam oder sogar Pflicht.

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