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Prüfers Kolumne Warum sich Eltern keine Sorgen machen müssen, dass ihre Kinder vorm Fernseher verblöden

Die Mehrheit der Menschen nutzt ihr Smartphone, während sie Fernsehen gucken. Die Art des TV-Konsums ist vermutlich stressiger – schützt aber den Geist.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich habe gelesen, dass der Durchschnittsamerikaner sich am Tag zehn Stunden und 24 Minuten mit verschiedenen Medien beschäftigt. Das fand ich eine enorme Zahl. Wenn der Durchschnittsamerikaner nun auch noch acht Stunden schläft, dachte ich, dann bleiben ihm nicht einmal sechs Stunden, an dem er all das andere im Leben bewerkstelligen soll.

Arbeiten, einkaufen, essen, Sex – man muss schon sehr gut organisiert sei, um das alles in der kurzen Zeit hinzubekommen. Ich meinte: Wenn die Amerikaner tatsächlich das gesamte soziale Leben und dann auch noch die Wertschöpfung in weniger als sechs Stunden hinbekommen, dann ist es kein Wunder, dass Amerika die führende Nation der Welt ist. Die Zahlen sind die neuesten des Marktforschungsinstituts Nielsen.

Es wird allerdings angemerkt, dass die Werte möglicherweise einen übertriebenen Eindruck machen. Denn viele Mediennutzer würden mehrere Medien gleichzeitig nutzen. Sie sitzen also vor dem Fernseher und hängen derweil an ihrem Smartphone. Genauer gesagt, machen das die meisten. Ganze 81 Prozent benutzen ihr Smartphone, während sie Fernsehen gucken.

Wenn das Medienverhalten der Amerikaner irgendwie repräsentativ für die Welt ist, bedeutet das: Eltern müssen sich keine Sorgen machen, dass ihre Kinder vor dem Fernseher verblöden, denn schließlich bekommen sie vom Fernsehen kaum etwas mit. Außer den 41 Prozent, die – laut Nielsen –, während sie Fernsehen schauen, Textmessages über den Inhalt des Fernsehprogramms austauschen.

Ich habe noch nie vor dem Fernseher irgendetwas gepostet. Ich wüsste nicht einmal genau, wozu. Würde man die Krawatte des „Tagesschau“-Sprechers kommentieren? Soll man über den Wetterbericht posten? Oder über „Anne Will“ und darüber, welche Krawatten die Leute dort tragen? Mich würde das wohl überlasten.

Ich könnte mich wahrscheinlich überhaupt nicht auf die jeweilige Sendung, etwa eine Talkshow, konzentrieren, wüsste ich, dass ich sie gleich kommentieren muss. Weil andere sie ja auch kommentieren und mein Posting den Kommentaren, die all die anderen machen, mindestens ebenbürtig sein muss.

Ich glaube, ich würde mich ähnlich nervös fühlen wie die Leute, die in der Talkshow sitzen. Ich frage mich, warum man eigentlich Fernsehen guckt, wenn das derart anstrengend ist. Nielsen sagt, diese neue Art, Fernsehen zu schauen, gebe viele neue „Kontaktpunkte“ für die Industrie.

Während also der Rezipient auf alles das reagieren muss, was sich im Fernsehen so bietet, und darauf reagieren muss, wie andere auf die Reaktionen reagieren – in dieser Situation soll er auch noch Aufmerksamkeit für Produktempfehlungen haben.

Wahrscheinlich ist das für die neue Generation von Medienkonsumenten kein Problem. Nur für mich. Die neuen Medienmenschen aber sitzen vor dem Fernseher, während sie das Programm kommentieren und auch noch die Einkäufe erledigen und natürlich ihre Jobprojekte verfolgen und auf Kickstarter ein neues Unternehmen gründen und dann auch noch potenzielle Dates klarmachen ...

Und dann, wenn sie mit allem fertig sind, hat der Tag immer noch mehr als verdammte sechs Stunden, und sie wissen nicht, was sie bloß damit anfangen sollen.

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