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Prüfers Kolumne Warum wir uns so gern gegen Verbote auflehnen

Immer mehr Verbote und Regeln prägen unser Alltagsleben. Doch gerade deshalb macht es Spaß, sich den zahlreichen Vorschriften zu widersetzen.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich bin jemand, der mit Verboten schlecht umgehen kann. Wenn etwas verboten wird, dann kann ich das auf einer sachlichen Ebene oft nachvollziehen. Aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich dagegen aufbegehren muss. Denn ein Verbot hat ja auch etwas Demütigendes.

Es gibt jemanden, der kann es erlassen – und jemanden, der muss es befolgen. Je größer das Machtgefälle ist, desto leichter fällt es, Verbote auszusprechen. Sich an ein Verbot halten zu müssen heißt, dass man unten in der Hackordnung steht, sich an etwas halten muss, das einem andere vorgeben.

Wenn man sich also einem Verbot entzieht und es umgeht, verschafft man sich ein persönliches Upgrade. Ich fürchte, ich habe viele Dinge nur getan, weil sie verboten waren. In der Schule habe ich in der Oberstufe mit anderen Jungs heimlich Bacardi-Cola getrunken. Ich mochte zwar gar keinen Rum und wollte auch gar nicht in den Mittagsstunden schon betrunken sein. Aber es war andererseits ein großartiges Gefühl, sich so frech gegen ein erlassenes Verbot aufzulehnen.

Ich finde, wir leben heute in einer Zeit, in der viel verboten und reguliert wird. Man nehme nur die Bestimmungen bei Flugzeugen. Früher war es noch okay, an Bord zu rauchen. Heute ist es nicht mal mehr okay, eine Flasche Wasser mit ins Flugzeug zu nehmen.

Ich weiß, dass es gute Gründe dafür gibt, aber es hört ja mit den Bestimmungen gar nicht mehr auf. Viele Airlines nehmen heute Extragebühren für Gepäck. Gleichzeitig verbieten sie, dass die Passagiere, um Zeit und Geld zu sparen, ihr Gepäck in Trolleys mit in die Kabine nehmen.

Es gibt nun bei manchen Fluggesellschaften Bestimmungen, dass man nur ein Handgepäckstück mit in die Kabine nehmen darf. Wer einen kleinen Koffer und eine Handtasche dabeihat, muss eines von beiden aufgeben. Dagegen begehren manche auf.

Eine Kollegin hat mir verraten, dass sie dies umgeht, indem sie ihre Handtasche einfach in eine Tüte vom Duty-free-Shop steckt. Denn Duty-free-Tüten darf man weiterhin an Bord nehmen. Man soll ja etwa Olivenöl im Travel-Value-Shop kaufen können.

Es passiert auch, dass einem das Personal am Gate verbietet, den Trolley mit an Bord zu nehmen, weil schon zu viel Handgepäck in der Kabine ist. Die Mitarbeiter machen dann einen Gepäckaufkleber dran und sagen, man solle das Gepäck beim Einsteigen am Flugzeug abgeben. Meine Kollegin sagt, man könne auf dem Weg zum Flugzeug einfach den Gepäckaufkleber wieder entfernen, und schon werde aus der Tasche wieder Kabinengepäck.

In der Kabine selbst ist es oft verboten, beim Start Laptops am Platz zu haben. Die müssen in den Gepäckfächern untergebracht werden. Ich habe Geschäftsmänner gesehen, die sich deswegen unauffällig auf ihre Laptops setzen, damit das Kabinenpersonal sie nicht sehen kann. Sobald das Flugzeug gestartet ist, ziehen sie die Laptops unter dem Hintern hervor.

Ich glaube, es macht ihnen einfach Spaß, sich gegen Vorschriften aufzulehnen. Soweit ich weiß, ist bei fast allen Airlines Alkohol an Bord noch erlaubt. Ich denke, wenn das einmal verboten werden würde, würde es nicht lange dauern, bis Manager heimlich Bacardi-Cola an Bord schaffen. Vielleicht in einer Olivenölflasche in der Duty-free-Tüte.

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