Prüfers Kolumne Warum wir weiter die Zeit umstellen sollten

Die Zeitumstellung soll abgeschafft werden. Das würde unserem Alltag wieder ein bisschen Anarchie rauben. Ziviler Widerstand ist angesagt.
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Da hat mal eine Sache europaweit funktioniert, schon wird sie wieder aufgehoben. Quelle: imago/Christian Ohde
Ende der Sommerzeit

Da hat mal eine Sache europaweit funktioniert, schon wird sie wieder aufgehoben.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Nun wollen sie also die Sommerzeit abschaffen. Sie haben eine Umfrage gemacht. Man konnte sich im Internet dazu äußern. Die meisten mochten wohl die Zeitumstellung nicht sehr. Das Ergebnis stand noch nicht fest, da sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schon, die Sommerzeit komme weg. Da sage doch einer mal, die EU sei so bürokratisch und komme zu keinen Ergebnissen.

Wahrscheinlich ist Juncker froh, dass er endlich einmal eine EU-Maßnahme verkünden kann, die auf allgemeine Zustimmung trifft. Zeitumstelllungen werden immer wieder mal an- und wieder abgeschafft. Die Sommerzeit wurde im Deutschen Reich erstmals 1916 eingeführt, um Energie einzusparen für den großen Krieg.

Das Gleiche 1940, auch da wollte man Energie für den Weltkrieg aufheben. 1980 brachte uns die Energiekrise der 70er die Sommerzeit wieder. 1996 wurde die Sommerzeit endlich einheitlich europäisch geregelt. Eigentlich schade: Da hat mal eine Sache europaweit funktioniert, schon wird sie einkassiert.

Während es vor hundert Jahren noch sinnvoll gewesen sein könnte, die Tageslicht-Periode zu verlängern, hat man heute nicht mehr so viel davon. Das Uhrenzurückstellen ist wohl eine ziemlich überflüssige Handlung. Aber warum sollte das denn ein Problem sein? Ich finde, es gibt viele überflüssige Handlungen, die man dennoch nicht aufgibt.

Ich lese immer wieder, dass Mülltrennung sinnlos ist und dass man auch die Umwelt nicht schützt, wenn man auf der Toilette die Wasserspartaste drückt. Trotzdem werde ich das nicht aufgeben. Es ist ja gerade ein Privileg und ein Luxus, Sachen machen zu können, die nicht vernünftig sind.

Und deswegen habe ich auch immer ganz gerne an der Uhr gedreht. Es wird einem ja sonst nie so recht gewahr, dass Zeit etwas Relatives ist, eine bloße Vorstellung. Wenn alle gemeinsam an der Uhr drehen, ist es plötzlich eine Stunde früher. Ich fand, dass die Zeitumstellung stets wie eine große Performance war. Wir hätten uns einigen können, die Zeit 350.000 Stunden zurückzudrehen, und würden alle wieder in den 70ern leben!

Irgendwie war der Tag der Zeitumstellung auch immer ein kleines Erlebnis, weil er merkwürdig verschoben war. Manche Kollegen kamen eine Stunde zu spät, weil sie vergessen hatten, auf Sommerzeit umzustellen. Es war ein kleiner Riss im Kontinuum, ein bisschen Anarchie. Die soll es nun laut Juncker nicht mehr geben.

Aber ich mach‘ da nicht mit. Ich lasse mir von EU-Bürokraten nicht vorschreiben, in welcher Zeit ich zu leben habe. Ich werde einfach in meiner eigenen Zeitzone bleiben. Zeitumstellungsverweigerung als ziviler Widerstand! Es mag Menschen geben, die eine besondere Nahrungsdiät verfolgen. Ich lebe hingegen in einer besonderen Zeit weiter, indem ich weiter im März und Oktober vor- und zurückstelle.

Liebe Bürger der künftigen EU-Normzeitzone, bitte Termine mit mir im Sommer stets eine Stunde nach hinten legen. Sonst verpassen wir uns. Oder man folgt mir einfach in die Protest-Zeit. Sorry, jetzt ist Widerstand angesagt. Ich habe mir schon die Mark wegnehmen lassen. Die Sommerzeit bleibt bei mir.

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