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Prüfers Kolumne Welche Freude im Büro bleibt eigentlich noch?

Früher war es in deutschen Büros üblich, zu rauchen und zu trinken. Heute sind nicht einmal E-Zigaretten erlaubt. Wo bleibt da der Genuss?
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Vaper sind die neuen Hass-Kollegen im Büro. Vaper nennt man jene Leute, die Verdampfungsgeräte nutzen und damit nikotinhaltige Flüssigkeiten inhalieren. In der „Washington Post“ habe ich gelesen, dass sogar Juul, ein Start-up aus San Francisco, das solche E-Zigaretten herstellt, seinen Mitarbeitern nun in einer Rund-Mail erklärt hat, dass Dampfen im Büro untersagt ist. Damit folgt man einer Gesetzgebung, die es in Kalifornien schon seit 2016 gibt: keinen Tabakdampf am Arbeitsplatz.

In Deutschland gibt es ein solches Gesetz noch nicht. In Gegenteil: Hier darf man das Inhalieren am Arbeitsplatz nicht generell verbieten. Da es nicht nachweislich gesundheitsschädlich ist und kein Tabak dabei verbrannt wird, ist es Privatsache des Arbeitnehmers.

Wenn ein Chef also untersagt, im Büro Verdampfer zu nutzen, kann man sich als Arbeitnehmer auf sein Selbstbestimmungsrecht berufen. Dafür ist einst die Arbeiterbewegung auf die Straße gegangen, dass wir heute nach Herzenslust Nikotin- und Aromalösungen einatmen dürfen.

Mittlerweile gilt das Verdampfen von E-Zigaretten aber als ähnlich unstatthaft wie einst das Rauchen. Ich meine, dies liegt auch daran, dass der Genuss am Arbeitsplatz in den letzten Jahren eine komplette Neudefinition erfahren hat. Als ich angefangen hatte, meine ersten Praktika zu machen, war es im Büro nicht nur üblich zu rauchen, sondern auch zu trinken.

Ich erinnere mich an Kollegen, die eigentlich immer ein Glas Bier auf dem Schreibtisch hatten. Sie kamen mir damals nicht als Alkoholiker vor, obgleich sie das vermutlich waren. Geraucht aber wurde die ganze Zeit, es gehörte irgendwie zum guten Ton.

Wer nicht rauchte, der hatte offenbar keinen Stress, und wer keinen Stress hatte, der war nicht wichtig. Irgendwann kamen dann immer mehr Kollegen an, die verlangten, es solle nicht mehr geraucht werden, weil es gesundheitsschädlich sei, passiv zu rauchen. Die Raucher empfanden das als mimosenhaftes Geheule, was sollte am Passivrauchen schon schlimm sein?

Um den Genuss im Büro ist es schade

Trotzdem wurden sie immer weiter zurückgedrängt. Erst gab es getrennte Raucherräume, dann gab es ein grundsätzliches Rauchverbot. Für die Raucher wurde eine kleine Kammer mit kräftigem Abzug bereitgestellt. Das war dann so etwas wie ein Spritzenraum für Heroinabhängige. Rauchen war damit nicht mehr cool, sondern eine zerstörerische Sucht.

Für mich war das damals der Zeitpunkt, aufzuhören. Ich denke, das ist auch das, was es den Dampfern oder Vapern, wie sie sich gerne selbst nennen, heute so schwermacht. Vapern ist keine lässige Lebenshaltung mehr. Verdampfer sind einfach Leute, die sich nicht im Griff haben. In den Augen der Kollegen müssen sie die Jämmerlichkeit, in der Öffentlichkeit ihrer Sucht nachzugehen, sogar noch am Arbeitsplatz demonstrieren.

Es tut mir nicht so sehr leid um die Drogen am Arbeitsplatz. Aber schon um den Genuss im Büro. Was hat ihn eigentlich ersetzt? Hoffentlich nicht die Ansicht, dass das Arbeiten selbst ein totaler Genuss ist. Denn das wäre eine noch größere Lebenslüge als das Märchen des Alkoholikers, er könne jederzeit aufhören.

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