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Prüfers Kolumne Wie Konsum froh macht

Einfach etwas bestellen, sich unglaublich darauf freuen und dann kurz vor Lieferung wieder abbestellen: Das ist die neue Glücksformel junger Menschen.
14.11.2019 - 16:32 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich frage mich manchmal, was im Leben wirklich glücklich macht. Es könnte zum Beispiel glücklich machen, sich viele Dinge zu kaufen. Wenn das kein kleines bisschen glücklich machen würde, gäbe es ja wohl nicht so viele Dinge. Da kann man mir hundertmal erzählen, dass Konsum nicht froh mache. Die Realität lehrt das Gegenteil. Warum sonst kaufen so viele Menschen wie verrückt ein?

Würde das keinen Spaß machen, würden Leute vielleicht weniger Zeit in Shoppingmalls verbringen und mehr ihre Häuser streichen oder so. Wenn Konsum unglücklich machen würde, sähen wir leere Shoppingcenter, und die Straßen stünden voll von Dingen, die die Leute nicht mehr im Haus haben wollten: Fernseher, Playstations und Thermomixe, und niemand würde den Kram mitnehmen wollen, weil niemand sich das Unglück in die Bude holen wollen würde. Man müsste dafür bezahlt werden, etwas im Kaufhaus aus dem Regal zu nehmen.

Nun will eine Studie der Universität Arizona Entscheidendes zum Thema Konsumglück herausgefunden haben: Man befragte fast 1000 junge Menschen zu bestimmten Zeitpunkten über Jahre hinweg zu ihrer Lebenszufriedenheit und verglich das mit ihrem jeweiligen Konsumverhalten.

Dabei fanden die Forscher heraus: Ändert man die Kaufvorlieben etwa von konventionellen Produkten auf Ökoprodukte, man nennt das „green buying“, führt das noch nicht zu einem höheren seelischen Wohlbefinden.

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    Falls man aber ganz generell Verzicht übt, ist man hernach zufriedener mit seinem Leben. Die Wissenschaftler werteten dies in der Weise, dass jemand, der seinen Materialismus mit Ökoprodukten zu befriedigen versucht, immer noch durch allerlei Zeug in seinem Alltag belastet werde. Erst wer weniger Dinge zu verwalten habe, werde auch weniger dadurch belastet. Die Glücksformel wäre also: weniger Kram = mehr Glück.

    Ich halte diese Studie allerdings für angreifbar. Es kommt vielleicht auch auf das jeweilige Ökoprodukt an, wie sehr es zum Glück beiträgt. Ich zum Beispiel habe das einmal mit einem Shampoo erlebt. Auf der Suche nach einem möglichst umweltfreundlichen Produkt fand ich eines, das versprach, die Haare nicht auf chemischem Wege, sondern physisch mit Waschpartikeln zu reinigen.

    Ob das mit dem Reinigen funktioniert hatte, vermochte ich nicht festzustellen, allerdings sahen meine Haare danach aus, als hätte ich die in Butter geschwenkt. Wären die 1000 Probanden der Studie aus Arizona nun zufällig alle Kunden jener Shampoofirma, könnte ich verstehen, warum ihre Lebensfreude durch „green buying“ nicht stieg.

    Wissenschaftler der University of British Columbia, aus Harvard und der University of Virginia wollen derweil herausgefunden haben, dass Konsum vor allem unter bestimmten Voraussetzungen glücklich macht. Zum Beispiel, wenn man Produkte bestellt und sich dann darauf freut, dass sie geliefert werden. Vorfreude sei nämlich noch wirksamer als Freude über etwas, das man besitzt.

    Vielleicht ist das die Strategie: einfach etwas bestellen, sich unglaublich darauf freuen und dann kurz vor Lieferung wieder abbestellen. Dann hat man Vorfreude und Konsumverzicht gleichzeitig. Dazu noch nicht so viel Haare waschen – und das Glück ist perfekt.

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