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Prüfers Kolumne Wie lebt es sich so als Superreicher?

Was ist das Beste am Reichsein? Das Essen? Kaum. Der Schlaf? Eher nicht. Es geht wohl um das reine Gefühl. Die Superreichen sind also abhängig von den Ärmeren.
19.06.2021 - 11:25 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe jüngst in einer Studie gelesen, dass die Menschen auf der Welt so reich sind wie noch nie. Allein das private Finanzvermögen ist im vergangenen Jahr um mehr als acht Prozent gestiegen. Insgesamt beläuft sich das Niveau nun auf 205 Billionen Euro. Enthalten sind auch Grundbesitz und Goldschätze.

Ausschlaggebend sind offenbar die gestiegenen Börsenkurse. Wer ordentlich an den Aktienmärkten investiert, der hat jetzt gut lachen. Ich zähle ja leider nicht dazu, denn ich bin in all den Jahren, in denen Geld durch meine Hände floss, noch nicht dazu gekommen, auch nur in eine einzige Aktie zu investieren. Deswegen, und nur deswegen, gehöre ich noch immer nicht zu den Superreichen.

Mein ganzes Leben ist eine Abfolge verpasster Investmentgelegenheiten. Es begann damit, dass ich in den 90er-Jahren keine Aktien von Internet-Start-ups gekauft habe. Ich hatte natürlich auch kein Geld. Hätte ich aber welches gehabt, so fehlte mir noch immer die Kenntnis darüber, wie man Vermögen in Aktien anlegt. Ein Depot bei meiner Bank war sogar mal eingerichtet. Ich hätte nur loslegen müssen. Doch es kam nicht dazu.

Natürlich habe ich auch viele Gelegenheiten verpasst, viel Geld zu verlieren. Und als Anfang der 2000er der Neue Markt in Frankfurt zusammenbrach, da sagte ich altklug, man könne ja an diesem Beispiel sehen, dass man sein Geld doch besser durch ehrliche Arbeit verdienen sollte.

Ich arbeite immer noch ehrlich, aber etliche Börsenbooms sind an mir vorbeigezogen – und der Boom bei Kryptowährungen gleich mit. Ich hätte wahrscheinlich nur irgendwann einen einzigen Euro in Amazon investieren sollen, dann wäre ich jetzt auch Superreicher.

Häme ist an dieser Stelle unangebracht

Ich investiere aber noch immer nichts. Warum? Nun, ich müsste mir dann eingestehen, dass ich in den vergangenen 30 Jahren alles falsch gemacht habe. Dieses Schamgefühl ist es ja, das gemeinhin alle Innovationen verhindert. Ich versuche, mein Schicksal mit Würde zu tragen. Häme ist unangebracht, denn ich bin ja der alleinige Leidtragende. Alle anderen sind offensichtlich superreich.

Ich frage mich dennoch, was man als Superreicher die ganze Zeit so macht. Vielleicht hat man ja gar keine Lust auf Beluga-Kaviar und mag auch gern Tiefkühlpizza. Schmeckt denn eine Tiefkühlpizza anders, wenn man superreich ist? Schließlich müssen Superreiche ja auch schlafen. Ich glaube, ein Superreichenschlaf unterscheidet sich gar nicht so sehr vom Normalbürgerschlaf.

Das Beste am Reichsein, stelle ich mir vor, ist das Reichsein selbst. Das reine Gefühl. Damit man das haben kann, muss es aber auch Ärmere geben. Es ist also wichtig, dass es Menschen wie mich gibt, auf die die Superreichen herabschauen können. Deshalb kaufe ich auch weiterhin keine Aktie und keinen Bitcoin. Die Superreichen brauchen mich.

Mehr: Ohne Kakteen ist weder ein veganes Restaurant noch ein Co-Working-Space sinnvoll zu bewirtschaften, weiß Tillmann Prüfer.

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