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Prüfers Kolumne Wir sollten der Wirtschaft dankbar dafür sein, dass sie anziehend für Fieslinge ist

Narzissten, Machiavellisten und Psychopaten zieht es meist in die Unternehmenswelt. Glücklicherweise bleiben sie so anderen Bereichen der Gesellschaft fern.
27.02.2020 - 14:27 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe neulich darüber gelesen, dass bestimmte charakterliche Defizite die Eignung für manche Berufe erhöhen. Zum Teil ist mir das einleuchtend. Zum Beispiel hilft es sicher, nicht zu zart besaitet zu sein, wenn man in einem Schlachtbetrieb arbeiten möchte. Obgleich es vielleicht dort besonders hilfreich wäre, mit nachsichtigen, freundlichen Menschen in Kontakt zu sein.

Man möchte es auf der Arbeit ja überhaupt mit freundlichen Menschen zu tun haben. Aber wahr ist auch: Je liebenswürdiger man ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, im Betrieb auf Menschen zu treffen, die eben diese Liebenswürdigkeit auszunutzen wissen. Das sind nämlich jene mit den schlechten Charaktereigenschaften. Etwa solche Leute mit narzisstischen, machiavellistischen und psychopathischen Zügen.

Jene drei Charaktereigenschaften werden in ihrem Zusammenspiel von Psychologen als „Dunkle Triade“ bezeichnet. Die Vertreter eines solchen Dreiklanges der negativen Merkmale kann man wohl getrost als „nicht so nett“ bezeichnen.

Neulich berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ über eine Studie, die die Wissenschaftler Camerion Kay und Gerard Saucier der University of Oregon im Fachmagazin „Personality and Individual Differences“ veröffentlicht haben. Demnach werden Personen mit ausgeprägten narzisstischen, machiavellistischen und psychopathischen Zügen als besonders geeignet eingeschätzt, bestimmte Tätigkeiten auszuführen. Etwa als Musiker.

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    Narzissten halten sich für per se höherstehend als andere und finden, dass ihnen die Bewunderung des Umfeldes zusteht. Machiavellisten setzten kaltblütig ihre Interessen durch. Und Psychopathen können sich nicht in die Lage derer versetzen, die durch die Folgen ihres Handelns in Mitleidenschaft gezogen werden.

    Man kann als Vertreter der Charakterprägung „Dunkle Triade“ also problemlos über Leichen gehen und finden, dass andere einen dafür bewundern sollten. Das prädestiniert einen vielleicht dazu, es in einer Partei der bürgerlichen Mitte nach ganz oben zu bringen. Tatsächlich möchten solche Menschen aber offenbar lieber in die Wirtschaft. Jedenfalls, so die Forscher, ziehen Studiengänge wie Betriebswirtschaft oder Management überproportional Menschen mit derlei düsterer Prägung an.

    Besonders gut sollen es dabei ausgeprägte Narzissten in der Wirtschaft haben. Als Narzisst gelangt man wegen seines selbstgewissen Auftretens leichter in eine Führungsposition. Man hat auch ein besseres Gehalt und wird eher befördert als die weniger selbstgewisse Konkurrenz.

    Wer hingegen eher machiavellistisch drauf ist, bringt laut der Studie eher seine Untergebenen gegen sich auf. Machiavellisten wie auch Psychopathen wälzen nämlich gerne Arbeit auf andere ab. Es lassen sich allerdings keine Beweise dafür finden, dass solch miese Charaktereigenschaften auch für gute Arbeitsergebnisse sorgen.

    Man kann also nicht davon ausgehen, dass die Wirtschaft wirklich davon profitiert, dass sie besonders anziehend für Fieslinge ist. Allerdings kann man sicherlich dankbar sein, dass die Wirtschaft dafür sorgt, dass diese Menschen dann den anderen Bereichen der Gesellschaft fernbleiben. Besonders schön ist, wenn sie keine Musik machen.

    Mehr: Menschen mit Dialekt sollten bevorzugt eingestellt werden, meint Tillmann Prüfer.

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