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Prüfers Kolumne Wo der Ärger über die Roboter herrührt

Gegen die Roboterfahrzeuge des Unternehmens Waymo richtet sich eine Menge Wut. Scheinbar ist das aber nur der Fall, weil die Technologie sichtbar ist.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich habe gelesen, dass das Unternehmen Waymo, das Roboterfahrzeuge für Google testet, Probleme mit der Wut der Bürger hat. Bürger werfen Steine durch Autofenster, setzen sich den fahrenden Robotern in den Weg, gefährden sie durch riskante Manöver. Sogar mit einer Pistole soll einer der Beifahrer, die aus Sicherheitsgründen in den Testautos sitzen, bedroht worden sein. Es heißt, Google hänge das nicht an die große Glocke, damit nicht zu viel Aufmerksamkeit auf die Fälle gelenkt werde.

Es wurde schon viel darüber gesprochen, dass Roboterfahrzeuge Menschen verletzen können. Es scheint aber ebenso wahrscheinlich, dass Menschen Roboterfahrzeuge verletzen. Für die Konstrukteure macht es das alles schwieriger. Sie müssen künftig vielleicht ihren Fahrzeugen beibringen, vor einem wütenden Mob zu fliehen oder einem Steinwurf auszuweichen.

Laut „New York Times“ sind die Motive der Angreifer vielfältig. Manche haben Angst um ihre Jobs als Kurierfahrer oder Taxifahrer, andere sind einfach nur genervt von den weißen Vans, die den ganzen Tag um den Block kurven. Interessanterweise scheint sich Wut gegen Technologie immer dann zu entladen, wenn die Maschinen für uns sichtbar sind.

Wir haben uns längst daran gewöhnt, am Telefon den Anweisungen von Servicerobotern zu folgen, die uns befehlen, diese oder jene Taste zu drücken. Und wir haben auch offenkundig wenig Probleme, wenn uns Facebook und Google von Computern auskundschaften zu lassen, und hinterlassen mit unseren Smartphones Datenspuren, mit denen wir leichter zu überwachen sind, als jeder DDR-Bürger es durch die Stasi je war. Sobald man aber auf einen seelenlos durch die Straßen kurvenden Apparat stößt, dreht man durch.

Es ist offenbar nicht so einfach, sich von einer rollenden Maschine vorgemacht zu bekommen, dass man möglicherweise bald überflüssig im Verkehr ist. Wenn man so einem Roboterfahrzeug gegenübersteht, wird einem ziemlich deutlich, dass diese Geräte uns bald überlegen sein könnten. Sie sind auf dem Weg in die Zukunft, und nur wegen einer passantenfreundlichen Programmierung überfahren sie einen nicht – noch nicht.

Dazu kommt, dass niemand ein schlechtes Gewissen hat, eine Maschine anzugreifen. Im Gegenteil, unsere gesamte Popkultur ist geprägt davon. Von Matrix bis Terminator: Weiche, verletzliche Menschen, die gegen kalte Roboter kämpfen, sind immer die Helden. Aus Sicht von den Robotern muss das gesamte US-Kino extrem rassistisch erscheinen. Sie werden dort meist entweder als servile Sklaven oder aber als böse Vernichter dargestellt.

Die Botschaft: Wenn ein Roboter nicht das tut, was du möchtest, musst du ihn umbringen, bevor er dich umbringt. Vielleicht sollte man gerade im Interesse von Google ein paar roboterfreundliche Serien im Fernsehen anstrengen. Oder sich bei der Uno für Roboterschutz-Resolutionen einsetzen. Kurzfristig könnte das für weniger Blechschäden sorgen.

Auf lange Sicht gesehen würde es verhindern, dass die Roboter einmal extrem schlecht auf uns zu sprechen sein werden, nachdem sie tatsächlich die Macht übernommen haben.

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