Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Prüfers Kolumne Wohin das Bargeld verschwindet

Viele Münzen verschwinden aus dem Zahlungsverkehr – ein Ärgernis für die Münzprägeanstalten. Doch es gibt einen Ort, wo das Kleingeld am Ende landet.
1 Kommentar
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich habe gelesen, dass Bargeld ein schnelleres Bezahlmittel ist als Karten. Man hat das tatsächlich gemessen. In einer Studie für die Bundesbank wurde die Zeit gestoppt, die es dauert, von dem Moment, in dem der Kunde den Preis erfährt, bis zu dem Zeitpunkt, da er den Kassenbon erhält.

Bei Barzahlung im Schnitt 22,3 Sekunden. Bei der Kartenzahlung an der Kasse, etwa der eines Supermarktes, muss der Kunde hingegen erst mal den Schlitz am Gerät finden und sich dann an die Geheimzahl erinnern und dann die Karte wieder herausziehen und im Portemonnaie verstauen, das dauert durchschnittlich 29,4 Sekunden. Am längsten dauert es, wenn man auf dem Kassenzettel unterschreiben muss. Das schlägt mit 38,6 Sekunden zu Buche.

Da geht die gute alte Bargeldzahlung deutlich schneller. Außer bei mir. Ich brauche sehr lange Zeit, um den geforderten Betrag hervorzukramen. Wenn ich etwa einen Betrag von 36,08 Euro zahlen muss, dann zücke ich zuerst zwei Zwanziger und sage: „Hier bitte!“ Dann sage ich aber: „Ach, vielleicht habe ich es ja sogar passend.“ Also lasse ich dann einen Zwanziger liegen, nehme den anderen wieder an mich und stecke ihn irgendwo ein.

Dann versuche ich, die restlichen 16,08 Euro in Münzen zusammenzukratzen, schaffe es aber nicht und suche deswegen wieder nach meinem Zwanzig-Euro-Schein, finde ihn aber erst nach langem Kramen in der letzten Hosentasche. Ich habe irgendwie die fixe Idee, alle Kassierer würden sich freuen, wenn man es passend hat. Sie würden das mir Anerkennung quittieren, wenn jemand professionell den genau passenden Betrag bereithält. Vielleicht ist das den Kassierern aber auch ganz egal.

Ich habe aber noch ein weiteres Motiv: Ich will unbedingt verhindern, dass ich Wechselgeld bekomme. Ich hasse Wechselgeld. Wechselgeld klimpert in den Taschen und beult die Hosen. Und mit kleinen Münzen kann man nichts anfangen. Früher gab es tatsächlich Brausebonbons, die zwei Pfennige, also umgerechnet einen Cent kosteten. Heute aber gibt es nichts mehr, was man für kleines Geld kaufen kann. Kleine Münzen braucht man nur, um Dinge für 19,99 Euro anbieten zu können – und um Wechselgeld geben zu können.

Wie ich mich auch bemühe, ich bekomme ständig Wechselgeld. Besonders Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Ich finde sie furchtbar. Sie sammeln sich bei mir zu Hause, und ich bekomme sie nicht los. Jeden Tag nehme ich neue Cent-Münzen mit nach Hause.

Wie ein Räuber schleppe ich immer neue Säcke von Kupfergeld an, das ich in Supermärkten als Wechselgeld bekomme. Ich habe mir überlegt, dafür einen Geldspeicher zu bauen und wie Dagobert Duck in den Münzen zu schwimmen. Ich könnte wohl jetzt schon ein paar Badewannen mit Kleingeld füllen.

Ich habe auch gelesen, dass die Münzprägeanstalten viel damit zu tun haben, Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu produzieren. Denn viele Münzen würden aus dem Zahlungsverkehr verschwinden. Ich fürchte, sie sind alle bei mir. Die zitierte Studie ergab auch, dass Barzahlung umso länger dauert, je größer die geforderten Beträge sind. Daran bin wohl auch ich schuld. Es dauert eben, wenn ich versuche, einen hohen zweistelligen Betrag in Kupfergeld zu zahlen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Prüfers Kolumne - Wohin das Bargeld verschwindet

1 Kommentar zu "Prüfers Kolumne: Wohin das Bargeld verschwindet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum lassen Sie das Kupfergeld nicht als Trinkgeld beim Kassierer? Ist es Geiz oder Sammelwut?