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Prüfers Kolumne Zwischen Tele-Vision und Homeoffice

Das, was wir gemeinhin als Homeoffice bezeichnen, ist arbeitsrechtlich Telearbeit. Das klingt nostalgisch, ist aber die Zukunft – samt aller Probleme.
24.10.2020 - 12:46 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe gar nicht gewusst, dass Homeoffice nicht gleich Homeoffice ist. Es gibt Unterschiede. Homeoffice ist, wenn ich meinen Laptop mit nach Hause nehme und dort meine E-Mails bearbeite, während ich auf meiner Couch die Füße hochlege. Im Unterschied dazu gibt es Telearbeit. Ich finde, Tele ist ein seltsames Wort. Es klingt nach Telegrafenamt und Telefunken.

Wenn man etwas in den 50ern als modern erscheinen lassen wollte, schraubte man „Tele“ davor. Tele heißt ja „fern“ auf Griechisch. Die Post nannte es Telebrief, wenn ein Schreiben per Fax übermittelt wurde. Wenn bei „Wetten, dass ...?“ die Zuschauer per Telefon abstimmen konnten, hieß das „Ted“ – „Tele-Dialog“.

Das alles hat etwas Nostalgisches, es kommt aus einer Zeit, als „fern“ etwas war, was Sehnsüchte auslöste. Heute verbindet man mit „fern“ eher Social Distancing. Und dass man mit jemanden zusammenarbeitet, der sich weit, weit weg befindet, ist heute eher die Regel. Wenn ich mir nun also einen „Telearbeitsplatz“ vorstelle, denke ich an einen Tisch mit großem Röhrenbildschirm, aus dem dicke Kabel quellen, vielleicht enden sie in einem Modem mit Akustik-Koppler. Und doch ist „Tele“ jetzt wieder Zukunft.

Aber Telearbeit unterscheidet in Wirklichkeit etwas ganz anderes vom Homeoffice. Nämlich, dass ein Telearbeitsplatz sich in einem abgeschlossenen Raum befindet und quasi wie eine Dependance des Büros funktioniert. An einem Telearbeitsplatz gilt die Arbeitsstättenverordung und der Arbeitsschutz.

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    Der Arbeitnehmer verbringt dort eine vertraglich festgelegte Zeit. Und damit der Arbeitgeber sichergehen kann, dass dieser Arbeitsplatz zum Wohle des Arbeitnehmers eingerichtet ist, muss er selbst Zugang zum Telearbeitsplatz haben. Der Arbeitnehmer darf sich nun auch nicht einfach zum Arbeiten auf das Sofa zurückziehen, jedenfalls wird er dann seinem Tele-Vertrag nicht gerecht.

    Das Homeoffice ist derweil gesetzlich nicht genau geregelt, was die Sache gleichzeitig kompliziert macht. Denn was passiert, wenn ich mir beim Starren auf den Laptop auf der Couch den Nacken versteife? Der Arbeitgeber würde womöglich keinen Cent für die Behandlung zahlen wollen. Auch sind Arbeitsunfälle eine schwierige Angelegenheit. Dazu gab es schon Rechtsstreitigkeiten.

    Als Arbeitsunfall hat nur zu gelten, was unmittelbar mit der Arbeit zusammenhängt. Wenn ich zum Beispiel auf dem Weg zum Drucker umknicke. Passiert dasselbe auf dem Weg zur Kaffeemaschine, ist man schutzlos. Auch für Lärmbelästigung ist der Arbeitgeber nicht zuständig. Und wenn man sich von den eigenen Kindern, die wollen, dass man endlich Platz auf dem Sofa macht, gemobbt fühlt, kann der Betriebsrat nichts für einen tun.

    Mehr: Entwurzelt im Homeoffice.

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