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Qualmende Schornsteine

Blockheizkraftwerkes in Schönefeld, in Brandenburg. Die Landesregierung will schärferen Emissionshandel verhindern.

(Foto: dpa)

Spieltheorie-Kolumne Verbreitet Zertifikate statt Ideologien!

Wie kann das Klima schnell und wirksam geschützt werden? Besser als Verbote und Ideologien funktioniert der Handel mit CO2-Zertifikaten.
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MünchenDie Zukunft Deutschlands liegt in Jamaika heißt es, aber das ginge ja nicht, wegen des Klimaschutzes, da kämen Grün und Gelb nicht zusammen. Denn Herr Lindner redet davon, dass er die Ziele mit marktwirtschaftlichen Methoden, einem Emissionshandel, erreichen will. Das klingt für viele, insbesondere bei den Grünen, nach Wirtschaftsnähe.

Ich, Ökonom und Spieltheoretiker, oute mich vorweg als Umwelt-Outcast. Ich fahre einen SUV, noch dazu einen Diesel und habe dabei überhaupt kein schlechtes Gewissen. Erstens habe ich vier Kinder und das Auto ist für eine sechsköpfige Familie eher zu klein als zu groß. Für meinen Arbeitsweg nehme ich das Fahrrad und - sofern nicht als Kindertaxi unterwegs - fahre ich praktisch nur außerhalb der Stadt.

Da die Produktion eines alternativen Gefährts bei meinem Nutzungsverhalten mehr CO2 verursacht als es bei meiner Fahrleistung einspart, und da das Fahren und nicht der Besitz eines Autos die Emissionen verursacht, ist mein CO2-Fußabdruck ziemlich gut. Es ist daher schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, mein Mobilitätsverhalten objektiv als Klimasünde einzustufen. Aber selbst wenn man wollte, wie will man diese Situation als Gesetzgeber in Gebote und Verbote fassen?

Wer eine gute Ökonomievorlesung besucht hat, weiß, dass ein perfekter Markt ein genialer Anreiz- und Informationsmechanismus ist, der für optimalen Ressourceneinsatz sorgt. Im Falle vom angesprochenen Emissionshandel und Deutschlands Klimaschutzambitionen hieße das: Wie kann ich mit einer Investition von x Milliarden Euro die maximale CO2-Einsparung erzielen oder das gesteckte Klimaziel mit minimalem Wohlstandverlust erreichen. Hier kommt die Idee des Emissionshandels ins Spiel – einer Art Marktplatz für das Recht, CO2 zu emittieren, der für alle Bürger und Unternehmeng offen und bindend wäre.

Marcus Schreiber ist Gründungspartner und Chief Executive Officer bei TWS Partners. Quelle: TWS Partners
Marcus Schreiber

Marcus Schreiber ist Gründungspartner und Chief Executive Officer bei TWS Partners.

(Foto: TWS Partners)

Bei so einem Emissionshandel wäre eine der spannendsten umwelt-, wirtschafts- und sozialpolitischen Herausforderungen, wie das Design eines funktionierenden Marktes für CO2- Emissionsrechte ausgestaltet sein soll, das sogenannte Marktdesign. Der Staat wird festlegen müssen, wie viele Rechte er selber und jeder Bürger bekommt, wie die Unternehmen an Rechte kommen und wer die Einnahmen daraus erhält.

Beim Kontingentieren solcher Zertifikate werden Klimaziele per definitionem erreicht, da genau so viele CO2-Zertifikate ausgegebenen werden, wie der Staat zur Verfügung hätte, um seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen. Wenn die Emissionsrechte gerecht auf die Bevölkerung verteilt werden, dann hat der CO2-Emissionshandel im Vergleich zur CO2- Steuer auch noch ein enormes soziales Potenzial. Zum Beispiel tun sich Städter leichter beim Einsparen von CO2, können nicht benötigte Emissionsrechte verkaufen und werden so indirekt für die höheren Mieten kompensiert.

Transfer von reich zu arm

Funktionierende Märkte sind darüber hinaus ur-basisdemokratisch. Wer weniger CO2 verursacht, kann entscheiden, ob er seine Rechte verkauft, spart oder vernichtet. Wer mehr verbraucht, muss Rechte zukaufen, also jemanden finden, der für ihn CO2 spart. Da Wohlhabendere mehr CO2 verbrauchen, wird hier ein Transfer von reich zu arm stattfinden. Und wenn jemand glaubt, dass Rechte zu billig wären, dann kann er diese kaufen und vom Markt nehmen.

Auch für Unternehmen bietet diese Herangehensweise jede Menge Vorteile: Statt den Menschen und Unternehmen per Gebot oder Verbot vorzuschreiben, wie ihre Klimaziele erreicht werden, müsste der Staat lediglich die Integrität des Emissionshandels schützen. Die einen werden ihre Ziele mehr über Verhaltensanpassungen erreichen, die anderen durch Technologie. Jedenfalls würde ein solches System enorme Anreize für Kreativität und Innovationen schaffen, die es in einem Verbotssystem nicht gäbe.

Für Ökonomen und Spieltheoretiker, die sich auf dem Feld des Marktdesigns tummeln, ist dies eine extreme überzeugende Lösung, aber weder in der Politik noch der öffentlichen Diskussion bekommt der Emissionshandel Rückenwind. Das bestehende System, das bisher für Energie- und Industrieunternehmen gilt, entfalte ja auch nicht seine Steuerungswirkung, rufen Kritiker von den Rängen. Der Preis pro Tonne CO2 fällt seit Jahren, was Marktdesigner jedoch nicht wundert.

Zertifikate wurden kostenlos an Unternehmen in spezifischen Branchen vergeben, andere Sektoren, ganze Industriezweige oder auch die Bürger hingegen ausgenommen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise senkte dann eher die Gesamtmenge an Emissionen, womit es gar nicht erst zu einer Verknappung und damit zu einem Kosten- und Innovationsdruck in Unternehmen kam. Ein suboptimales Marktdesign also kann kein Referenzpunkt sein.

Herrn Lindner möchte man raten, sich für eine Verschärfung der Klimaziele auszusprechen, so lange der Rechtehandel das einzige Steuerungsinstrument ist. Das käme immer noch billiger als jede andere Form wie etwas eine CO2-Steuer.

Für die Grünen wäre es ein Lackmustest, ob ihnen der Weg oder das Ergebnis wichtiger ist. Sie müssten aber ertragen, dass sich jemand ein CO2- neutrales Haus baut, einen Wald pflanzt und dann mit einem Sprit-schluckenden Porsche zur Arbeit fährt.

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