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Urheberrecht Die digitale Bananenrepublik

Dauerdemokratisch sollen Entscheidungen im Internet herbeigeführt werden. Was als Vision dargestellt wird, schließt Teile der Bevölkerung aus: Was machen all jene, die keine Digital Natives sind und wer hat so viel Zeit?
  • Sandro Gaycken
22 Kommentare
Die Bewegung, der sich auch die Piraten anschließen, ist gegen Acta. Musik und Video sollen frei zugänglich sein. Große Teile der Bewegung sind Programmierer. Ihre Software wollen sie nicht kostenlos zur Verfügung stellen. Das ist selbstgerecht und heuchlerisch, meint der Autor. Quelle: dapd

Die Bewegung, der sich auch die Piraten anschließen, ist gegen Acta. Musik und Video sollen frei zugänglich sein. Große Teile der Bewegung sind Programmierer. Ihre Software wollen sie nicht kostenlos zur Verfügung stellen. Das ist selbstgerecht und heuchlerisch, meint der Autor.

(Foto: dapd)

BerlinDie Demokratie ist gerettet. Endlich. Die Piraten machen es uns vor. Sascha Lobo, der Buchautor und bekannte Blogger, verordnet allen diese Einsicht. Das Parteienregime mit seinen unflexiblen Wahlzyklen ist am Ende, das Volk mischt jetzt live mit. Dauerlive erleben wir die „prozessuale Demokratie mit digitalen Mitteln“. Doch Vorsicht ist geboten bei solcher Anpreisung. Denn wir haben etwas zu verlieren: ein hart errungenes, funktionierendes Demokratiemodell.

Der Autor ist Experte für Internet-Sicherheitsfragen an der FU-Berlin.   Quelle: Pressebild

Der Autor ist Experte für Internet-Sicherheitsfragen an der FU-Berlin. 

(Foto: Pressebild)

Anders als allenthalben behauptet hat die Netzdemokratie nichts mit einem Abstimmungsprozess gemein. Sie ist allenfalls eine Diskursform. Und ob sie als solche wirklich besser ist als die hergebrachte, nur weil jeder nunmehr „dauerdemokratisch“ mitreden kann, darf bezweifelt werden. Schon um die gleichberechtigte Partizipation steht es nicht gut. Zum einen hat das Medium technische Einstiegshürden. Technikagnostische Menschen sind systematisch unterprivilegiert. Beherrschung der Technik führt zu besserer Sichtbarkeit, zu mehr Partizipation.

Zweite undemokratische Hürde: das Zeitbudget. Wie schnell muss man reagieren können, will man mitreden? Wie viel Zeit muss man investieren, um teilzuhaben? Auch hier führt mehr verfügbare Zeit zu mehr Wissen und mehr Meinungspräsenz. Wer viel arbeitet – insbesondere offline – und eine Familie hat, ist automatisch benachteiligt.

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22 Kommentare zu "Urheberrecht: Die digitale Bananenrepublik "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein wunderbarer Artikel Herr Gaycken,

    superklar und mutig geschrieben und gegen den Mainstream dieser Technik-Enthusiasten und Online-Szene. Tut gut so etwas zu lesen.

  • Danke für den Artikel - viel Wahres dran und schon unopportunistisch...

  • Sandro Gaycken scheint ja ein wahrer Verfechter der Demokratie zu sein. Nachdem wir über Jahrzehnte ein Demokratiedefizit auf Bundes- und Landesebene erdulden mussten, kommt jetzt dieser Internet-Sicherheitsexperte daher und erklärt uns, dass es wirkliche Demokratie nicht geben kann, weil das "Zeitbudget" zu klein ist.
    Lieber Herr Gaycken: Einen Shitstorm bekommt, wer Shit redet!

  • "Es maßgeblich zum Nachteil der Künstler zu ändern ist in etwa so utopisch, wie das bedingungslose Grundeinkommen oder die Ersetzung der repräsentativen Demokratie durch tägliche Internetabstimmungen der Bürger."

    Setzen Sie sich mal mit den Themen auseinander. Sie haben offensichtlich keine Ahnung. Man will nicht die Künstler benachteiligen. Es geht darum, dass alles fair bleibt. Musiker und Schauspieler kaufen sich Yachten, Flugzeuge und eigene Inseln. Der Musikindustrie geht es prächtig. Labels machen Milliardengewinne - bei JETZIGEM Anti-Piracy-Recht. Man will 99% der Bevölkerung kriminalisieren, damit sich die Musikindustrie die Taschen vollmachen kann. Das verstehen wir, dass verstehen auch Künstler. Deshalb unterstützen KÜNSTLER zu Tausenden die Piraten:

    http://torrentfreak.com/5000-artists-line-up-for-a-pirate-bay-promotion-120405/

  • @Slackstick

    Ihnen ist hoffentlich klar, dass der Schutz der Urheberrechte eine Forderung der Aufklärung war. In der Paulskirchenverfassung bekam dieses Recht daher den Rang eines Grundrechtes mit Verfassungsrang. Daher ist der von ihnen verlinkte Artikel nicht sehr kompetent. Vergleicht er doch die Piraten von heute mit den hehren Zielen der Revolution von 1848.

  • Die 13% für die Piraten zeigen deutlich, dass unser funktionierendes Demokratiemodell nach Meinung vieler gar nicht so gut funktioniert, wie der Autor denken mag. Ist es nicht so, dass seit zwei Jahren eine überwältigende Mehrheit unserer Abgeordneten eine Politik betreibt, die 70% der Bevölkerung ablehnen? War es in diesem funktionierenden Demokratiemodell nicht möglich, eine völkerrechtlich festgeschriebene No-Bailout-Regel nicht zu beachten, ohne dass irgendjemand das für die Auslegung dieser Regel allein zuständige Gericht hätte anrufen können, um die Rechtmäßigkeit dieser Auslegung zur faktischen Abschaffung prüfen zu lassen?

    In unserem Demokratiemodell besteht zwischen Bürgern und Politikern zwischenzeitlich soviel Misstrauen, dass jede nicht genau erläuterte Diskussion über Änderungen im Grundgesetz sofort zu Befürchtungen führt, die Politiker wollten die Klagerechte der Bürger oder Wahlweise die Entscheidungskompetenzen des Bundesverfassungsgerichtes handstreichartig außer Kraft setzen.

    Nein die Piraten haben keine funktionierenden Alternativen. Eine Netzdemokratie wäre keine Demokratie. Da hat der Autor Recht. Aber die Piraten setzen ein Fragezeichen hinter das bestehende System. Das reicht vielen aus, ihnen die Stimme zu geben.

    Hätten die Piraten praktisch durchsetzbare Vorschläge, die Partei läge bis zur NRW-Wahl nicht bei 13 sondern bei 30%. Die derzeitige Bundesregierung wäre dann im Sommer Geschichte.

    Und schließlich. Die Vorschläge der Piraten zum Urheberrecht sind vollkommener Blödsinn. Nur ist das Urheberrecht eines der am besten durch Grundrechte, Menschenrechte und sonstige internationale Vereinbarungen geschützten Rechte, die unser Land kennt. Es maßgeblich zum Nachteil der Künstler zu ändern ist in etwa so utopisch, wie das bedingungslose Grundeinkommen oder die Ersetzung der repräsentativen Demokratie durch tägliche Internetabstimmungen der Bürger.

  • "Denn wir haben etwas zu verlieren: ein hart errungenes, funktionierendes Demokratiemodell."

    Das hart errungene und funktionierende Demokratiemodell haben wir längst verloren. Deshalb sehnen sich die Menschen nach anderen Parteien. Sie wissen, dass es sich längst nur noch um eine Scheindemokratie handelt. Woher kommen denn die 13% mögliche Wähler für die Piratenpartei? Wenn unsere Demokratie so rosig wäre, dann wären doch alle glücklich. Niemand käme auf die Idee Piraten zu wählen. Aber schuld sind ja immer die Anderen. Die Selbstbelügung geht dem Ende zu. Erich Honecker hatte es erleben dürfen und Merkel wird es genauso zu spüren bekommen. Wer Wählerstimmen einsammelt und dann die Wähler hinterher wie Dreck behandelt, der kann das für sich selbst weiterhin Demokratie nennen. Das hat aber dann nichts mehr mit der Realität und dem Empfinden zu tun. Die DDR nannte sich bekanntlich auch selbst Deutsche Demokratische Republik. Und war sie demokratisch?? Nur weil sie sich so nannte??

  • Ich würde gern noch Einiges mehr zu diesem oberflächlichen Bericht schreiben, aber ich muss jetzt zur Arbeit.
    Man sollte solche Berichte an Feiertagen veröffentlichen, dann hätten Leute wie ich mehr Zeit sie zu kommentieren.

  • HEUCHELEI 2
    „Wie repräsentativ sind Meinungsäußerungen im Netz? Nicht zu erkennende Mehrfachäußerungen ....“

    Wie repräsentativ sind denn Meinungsäußerungen der Printmedien heutzutage. Bei bestimmten Themen ist es mittlerweile fast egal, welche Zeitung ich lese. Die einzelnen Beiträge sind dann oft fast identisch. Was ist mit den Verlagen die verschiedene Zeitungen veröffentlichen, dort werden immer öfter gleiche Beiträge in verschiedenen Zeitungen mit gleichem oder zumindest sehr ähnlichem Inhalt veröffentlicht.
    „Solcherart Selbstgerechtigkeit grenzt an Heuchelei“
    Der Autor hat vollkommen recht, seine Selbstgerechtigkeit grenzt nicht nur an Heuchelei sie ist es bereits.

  • HEUCHELEI 1


    Meines Erachtens scheinheiliges Argument. So müsste man den Meinung bildenden Effekt der Medien als undemokratisch ablehnen, mit dem Argument, s gäbe zu viele Analphabeten auf der Welt, die weder lesen noch schreiben könnten.
    „Zweite undemokratische Hürde: das Zeitbudget.“ „Auch hier führt mehr verfügbare Zeit zu mehr Wissen und mehr Meinungspräsenz. Wer viel arbeitet – insbesondere offline – und eine Familie hat, ist automatisch benachteiligt.“
    Aha, das Gleiche gilt auch hier wieder für die Printmedien. Wer es sich finanziell leisten kann 6 verschiedene Tageszeitungen zu abonnieren und einen halben Tag Zeit hat diese zu studieren ist auch hier klar im Vorteil, gegenüber der arbeitenden Bevölkerung.
    „Wer sich gegen den Netz-Mainstream stellt, bekommt einen Shitstorm ab.“
    Wer sich gegen den Mainstream der Printmedien stellt, wird heute immer mehr zensiert bzw. erst gar nicht veröffentlicht.
    „Das diskursive Für und Wider ist sowieso die Ausnahme. Das Medium fördert den Meinungsisolationismus, da viele Nutzer vor allem die Blogs und Foren besuchen, in denen sich alle einig sind.“
    Völlig an den Haaren herbeigezogen; das würde ja bedeuten, dass ich das Handelsblatt und dessen Foren nur, deshalb lese und konsultiere weil dort meine Meinung vertreten wird. Dem ist nicht im Entferntesten so, im Gegenteil es werden Themen aufgegriffen, die wichtig und diskussionswürdig sind, allein weil sie bedauerlicherweise zu oft in den Printmedien zu einseitig oder zum Teil sogar falsch dargestellt werden; wie dieser Beitrag ja zeigt.

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