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Verbraucherschutz Der entmündigte Anleger

Verbraucherschutz ist gut gemeint, aber oft nicht gut gemacht. Viele Anleger bezahlen für die Fürsorge einen hohen Preis, schreibt Marc Tüngler für Handelsblatt Online. Tüngler ist Chef der Anlegerschutzvereinigung DSW.
10.09.2012 - 07:09 Uhr 10 Kommentare
Handelssaal in Frankfurt. Vielen Anleger wird der Weg an die Börse erschwert. Quelle: dapd

Handelssaal in Frankfurt. Vielen Anleger wird der Weg an die Börse erschwert.

(Foto: dapd)

Frankfurt Der Verbraucherschutz scheint heutzutage vor allem von zwei Dingen geprägt zu sein: Auf der einen Seite steht ein massives Misstrauen gegen die Industrie und auf der anderen Seite das mangelnde Vertrauen in die Lernfähigkeit und Intelligenz der Bürgerinnen und Bürger. Anders ist die große Zahl gesetzlicher Regelungen, die teilweise ausgesprochen tief in das Alltagsleben eingreifen, kaum zu erklären.

Die Spanne reicht vom Rauchverbot in Gaststätten bis zur Abschaffung der guten alten Glühbirne. Sicher lässt sich darüber diskutieren, welche der Regelungen nun sinnvoll ist und welche nicht. Bedenklich ist allerdings, dass in letzter Zeit auch im Bereich der Geldanlage der Verbraucherschutz immer mehr in den Vordergrund tritt.

Ziel des Verbraucherschutzes ist es, vor unüberlegten, nicht rationalen Entscheidungen und unangemessenen Vertragsgestaltungen zu schützen. Das aber zieht bewusst eine Einschränkung der Vertragsfreiheit nach sich, die im Anlagebereich so nicht akzeptabel ist. Nicht umsonst ist der Schutz vor unüberlegten oder irrationalen Entscheidungen dem Anlegerschutz bisher fremd gewesen.

Dies schon deshalb, weil sich in der Kapitalanlage eine zunächst irrational erscheinende Entscheidung relativ schnell als genau die richtige herausstellen kann. Wer wollte auch ernsthaft behaupten, im Vorfeld festlegen zu können, ob es irrational ist, sich mit einer Anlage gegen den Markt zu stellen? Niemand. Anlegerschutz soll daher auch vielmehr Informationslücken schließen und daraus resultierende Nachteile vermeiden.

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    Ziel jeglicher Regulierung müsste es daher sein, Privatanleger in die Lage zu versetzen, ihre Entscheidungen auf der Grundlage unkomplizierter, frei zugänglicher sowie fundierter Fakten und Daten zu treffen. Mit der stärkeren Betonung des Verbraucherschutzes ist das aber sicher nicht zu leisten. Eines ist klar: Wenn die Politik auf diesem Pfad weitergeht, wird die Konsequenz eine Entmündigung des Anlegers sein.

    Was dies für Blüten treibt, ist bereits heute zu besichtigen. So darf eine Anlageberatung nur noch solche Produkte umfassen, für die sogenannte „PIBs“ (Produktinformationsblätter) vorliegen. Ein Berater, der seinem Kunden beispielsweise die Aktie des Chemiekonzerns BASF empfehlen will, kann dies nur dann, wenn ihm seitens der Bank ein entsprechendes PIB zur Verfügung gestellt wurde. Doch wer entscheidet, für welche Produkte PIBs in der Bank erstellt werden oder vorgehalten werden? Das ist letztendlich die Risikoabteilung der beratenden Bank und nicht der Anleger. Eine allein an den Interessen des Kunden ausgerichtete Beratung ist unter solchen Voraussetzungen nur schwer bis gar nicht vorstellbar.

    Anleger werden in renditearme Produkte getrieben
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    10 Kommentare zu "Verbraucherschutz: Der entmündigte Anleger"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sehr geehrter Herr Tüngler,
      Sie haben wohltuend recht mit Ihrem Artikel. Es ist dringend eine opt-out Regelung notwendig. Es ist einem Berater in der Bank kaum noch möglich, sich "gefahrlos" mit einem Kunden zu unterhalten, obwohl gerade die Kunden dies in diesen Zeiten sehr wünschen. Es gibt nämlich sehr viel mehr Leute, die auf einen Rat oder Hinweis angewiesen sind, als Leute, die soviel Zeit haben, ihre Anlagen selbst zu managen.
      Es fast schon Ihre Pflicht, sehr geehrter Herr Tüngler, die eigenen Möglchkeiten auszuloten, um in den entsprechenden Politiketagen dieser vollkommen überregulierten Verbraucherschutz-Posse entgegenzuwirken. Ich bin aus der Praxis. Das sind unmögliche Zustände, die beiden Seiten, Kunde und Bank, eine Zusammenarbeit fast verbieten. Das ist kein Schutz, daß ist bürokratischer Irrsinn.

    • Also die Zinseszinsrechnung war schon immer ein Problem, hat mein Mathelehrer in der Realschule 1969 schon so gesagt. Mathem. Formelsammlungen kann man recherchieren oder kaufen, aber verstehen/anwenden muß man sie sie schon können.
      Der Endkunde sollte sich immer darüber klar sein, das sein "Berater" ein Verkäufer ist.
      Wenn ich ein Wertpapier in Deutschland nicht bekomme kaufe ich es mir im Ausland!
      Selbstdenken ist gefragt!
      Wen vor wem Frau Aigner schützt ist mir nicht klar!
      Es gibt keine risikolose Anlagen! Es differieren lediglich die Risikofaktoren.

    • D.h. Die Bänker werden Jahrelang tagtäglich als Abzocker hingestellt und sind die Bonitätsjäger (Zitat Handelsblatt) und jetzt machen wir wieder alles falsch und vernichten Kaptial auf höchstem Niveau -
      Leute euch kann man es nicht recht machen!

    • Ich verstehe Herrn Tünglers Klage nicht ganz. Als mündiger Anleger gehe ich zum Onlinebroker und kaufe, was ich will. Das ist mein Opt-Out. Herrn Tünglers Argumente scheinen mir eher die Entmündigung des Bankberaters (Verkäufers) als die des Anlegers zu betreffen. Der Bankberater darf keine Papier mehr anraten, für die er keine Dokumentation vorweisen kann. Aber je mündiger der Anleger, desto weniger benötigt er überhaupt Beratung durch seine Bank.

    • Jedes Objekt in einer dreidimensionalen Welt hat mehrere Seiten.
      In der eigenen Familie habe ich erlebt, wie es ist, wenn die Beratung der Bank sich vorwiegend an der Rendite orientiert, an der der Bank versteht sich...
      Bei den folgenden juristischen Auseinandersetzungen habe ich dann gelernt, wie schwierig es ist einen Anspruch, so berechtigt er auch erscheinen mag, duchzusetzen. Mangels Beweisen, da fehlende Dokumentation. Und die wird in diesem Fall eben nicht dem Bankberater angelastet. Würde ein Arzt seine Aufklärung in gleicher Qualität dokumentieren, würde er durch Beweislastumkehr schadenersatzpflichtig.
      Die Bankbranche darf sich über zukünftige Restriktionen im Verkauf von Anlageprodukten in keiner Weise wundern. Viel Zu viele unbedarfte Anleger sind von "seriösen" Bankberatern, die in Wirklichkeit Verkäufer sind, schlicht und ergreifend abgezockt worden.
      Man möge das nicht falsch verstehen. Ich selbst bin gar nicht betroffen, denn ich manage mein Aktiendepot seit mehr als 20 Jahren selbst. Bereut habe ich das nicht.
      Dass die Deutschen von irrationalen Ängsten getriebene Versager in Sachen Geldanlage sind, daran kann wenig Zweifel bestehen. Daran, dass deutsche Regierungen in den vergangenen 20 Jahren die Aktienkultur in Deutschland nachhaltig beschädigt haben, eigentlich auch nicht. Insofern bekommt die aktuelle politische Debatte um die Zusatzrente für mich da noch mal eine ganz eigene Qualität.

    • Genau so stellt es sich dar. Frau Aigner und Konsorten entmündigen die Bürger, nicht zum Schutz vor dem "Teufelszeug" der Banken, sondern vor deren (vermeintlicher) eigener Dummheit!! Ein hausgemachtes Problem, bei der die Medienlandschaft und die Politik ein wesentlicher Auslöser sind. Und dazu gehört auch, den Menschen zu sagen, dass es nix geschenkt gibt und Gier nun mal Hirn friesst. Oder wie sagte es meine Mutter ... "wer nicht hören will, muss fühlen" und so ist es auch bei der Geldanlage. Wie weit darf eigentlich Verbraucherschutz gehen? Mir scheint es eher so, dass sich mit all den Schnellschüssen, sowohl die Politiker, als auch die Verbraucherzentralen selbst, profilieren wollen. Oder warum "dürfen" unsere älteren Mitbürger noch immer zu Kaffeefahrtsausflügen mit 1000%iger Gewinnchance ausrücken und für 4.000,00 EUR+ Heilwunderdecken erwerben ... Verbraucherschutz? Fehlanzeige. Liebe Politiker, wenn ihr es mal schafft, durch die dunklen Scheiben eurer Limousinen einen klaren Blick zu erhaschen, kümmert euch bitte um die, die es wirklich nötig haben!

    • Hm, da frage ich mich nach dem Artikel doch zweierlei:
      a) Ist es am Ende von Politik und Wirtschaft gewollt, dass Bürger unmündig werden und verarmen?
      b) Wer geht eigentlich noch zum Anlageberater? Dafür gibt es für mündige Bürger Bücher: Max Otte, Dirk Müller etc. Jeder kennt schließlich mindestens einen, der von der Alageberatung der Bank getrickst wurde...

    • Liebes Handelsblatt,

      die Zinsrechnung musst Du noch üben. Du behauptest z.B. beim Festgeld, dass bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent in 10 Jahren aus 1.000 Euro 1.192 Euro werden. Das ist blanker Unsinn.

      Deine falsche Rechnung:
      Anfangskapital * Zinssatz * Anzahl Jahre = Endkapital
      also 1.000 * (1 + (0,0192 * 10)) = 1.192

      Die richtige Zinsrechnung geht aber anders:
      Anfangskapital * Zinssatz hoch Anzahl Jahre = Endkapital
      also 1.000 * (1 + 0,0192) ^ 10 = 1.209

      Alle anderen Zinsrechnungen sind in dem Artikel natürlich ebenso falsch. Ziemlich enttäuschende Leistung für ein renommiertes Wirtschaftsblatt.

    • Verbraucherschutz ist in Deutschland inzwischen derart ausgeufert, dass man als Verbraucher sich nicht geschützt, sondern als geistig minderbemitteltes, unbedarftes Wesen fühlen muss. Das nicht nur bei Geldanlegen!

    • Anlageberatung: da sitzen zwei Woelfe und ein Schaf und diskutieren, was es zum Mittagessen gibt.

      Wer eine Anlageberatung ohne Nachzudenken in Anspruch nimmt, der hat sein Geld wohl mit Glueck erwirtschaftet. Man kann letztlich niemanden vertrauen ausser sich selbst - was natuerlich auch kein Garant fuer den Anlageerfolg ist - aber es macht die Schuldzuweisung klarer, wenn auch nicht einfacher.

      Sicherlich gibt es Ausnahmen bei Anlageberatern. Aber wenn man an die falsche Adresse geraet, dann kann man viel verlieren. So mein Bruder - nach drei Jahren wurde ihm von der sehr renommierten privaten Schweizer Bank durch einen Textbaustein mitgeteilt, dass kein Vermoegen mehr vorhanden ist.

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