Warum Coca-Cola zu Aldi passt Zwei auf Augenhöhe

Der Discounter Aldi, der seit Jahren Geld mit No-Name-Produkten macht, verkauft jetzt Coca-Cola - eine der wertvollsten Getränkemarken der Welt. Durch die Branche geht ein Aufschrei. Warum eigentlich? Ein Gastbeitrag
  • Felix Stöckle
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Felix Stöckle, Managing Director bei Landor Associates; eine weltweite Markenberatung für Strategie, Design und Kommunikation aus Hamburg. (Foto: Landor Associates)

Felix Stöckle, Managing Director bei Landor Associates; eine weltweite Markenberatung für Strategie, Design und Kommunikation aus Hamburg. (Foto: Landor Associates)

HamburgAldi verkauft ab heute Coca-Cola und ein Aufschrei geht durch die Branche. Warum eigentlich? In aufgeregten Diskussionen und Beiträgen wird debattiert, dass Aldi sein eigenes Geschäftsmodell zu Grabe trägt, das über Jahrzehnte durch einen Fokus auf Eigenmarken und eine Aversion auf Markenprodukte geprägt war.

Das stimmt zwar, aber muss dieses Geschäftsmodell deshalb immer noch jenes sein, das Aldi auch in Zukunft erfolgreich macht? Wahrscheinlich sind diejenigen, die am lautesten schreien auch diejenigen, die nie verstanden haben, warum Menschen eigentlich zu Aldi gehen und dort kaufen.

Angefangen hat alles mit der freiwilligen Selbstbeschränkung von Aldi auf ein sehr beschränktes Sortiment mit Artikeln des täglichen Bedarfs. Ganze 400 Artikel waren es zu Beginn. Keine Kühltheke, keine frischen, schnell verderblichen Produkte. Alles möglichst einfach und simpel zu handhaben.

Daraus sind heute 900 Artikel geworden, mehr als doppelt so viele. Warum? Weil der Kunde es so wollte! Weil er nicht jedes Mal auch noch zu einem anderen Einzelhändler gehen wollte. Aldi hat das verstanden und sein Angebot sukzessive ausgedehnt, und ist sich dabei trotzdem treu geblieben. Geschadet hat es sicher nicht. Die Frage ist eher, ob es Aldi heute noch gäbe, wenn man es nicht getan hätte.

Ein weiteres großes Vorurteil ist, dass Aldi ein „Hart-Discounter“ ist. Wer das behauptet, hat den Unterschied zwischen „billig“ und „preiswert“ nicht begriffen. Denn: Bei Aldi ging es nie um den billigsten Preis, sondern um das beste Preisleistungsverhältnis. Aldi hat bei seinen Produkten immer höchsten Wert auf Qualität gelegt. Und das wurde zur Überraschung der Zweifler auch immer wieder von der Stiftung Warentest bestätigt. Gerne erinnern wir uns in diesem Kontext an das berühmte Olivenöl, das sogar Testsieger wurde. Oder an den hervorragenden Champagner Veuve Durand.

Oder glaubt irgendwer tatsächlich, dass es in den 90er Jahren cool geworden wäre, mit dem Porsche zu Aldi zu fahren, wenn Aldi nicht diese Strategie verfolgt hätte? Der einzige Grund dafür war, dass man sich einfach ziemlich smart fühlen konnte, für ein exzellentes Produkt deutlich weniger zu zahlen als irgendwo anders. Aldi hat uns also eine neue Konsumentenpsychologie gegeben: Wer preisgünstig einkauft, muss kein armer Mensch sein, sondern ist einfach nur schlau. Als Billigheimer mit Ramschware hätte das nie funktioniert.

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11 Kommentare zu "Warum Coca-Cola zu Aldi passt: Zwei auf Augenhöhe"

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  • "Aber wer bitte geht zu Aldi, weil er dort nur Eigenmarken findet? Niemand!"
    -> Doch! Ich!

  • ah, als ob den Händlern darum geht, "gesunde" Lebensmitteln & Getränke zu verkaufen!
    Es geht NUR ums Geschäft, Phosphor-Säure hin und her, Monopolismus hin und her. Die Händler versuchen nur eins: deren Position auf dem Markt zu festigen, zu stabilisieren und zu erweitern, Cola ist nur ein Produkt unter anderen. Das ist alles.

  • Hallo, meinert!
    Ich möchte hier nicht als "Klugscheisser" auftreten, aber selbst die homöopatischen Dosen der kombinierten Säuren (Phosporsäure im Cola und der vom Magen selbst produzierten Salzsäure)erzeugen durch die Bildung von Nitrosylchlorid und naszierendem Chlor eine nicht zu unterschätzende aggressive Oxidationskraft, die den Magenschleimhäuten nicht unbedingt gut tut.
    (In höheren Konzentrationen nennt man die Säurekombi Phosporsäure/Salzsäure übrigens "Königswasser". Dies hat die Fähigkeit, neben Gold, Palladium und Ruthenium, sogar Platin aufzulösen!).
    Deshalb viel Spaß mit der nächsten (Phosphor-Säure)-Cola,
    - egal aus welchem Chemie-Labor...

  • Was mich daran stört ist, dass hiermit der Monopolisierung weiter vorschub geleistet wird. Wenn andere Limonadenhersteller nicht mehr schaffen ihre Waren in die Läden zu bekommen, dann bleibt am ende einfach nur Coca Cola übrig. Vollkommen unabhängig davon, ob deren Produkt nun besser oder schlechter ist. und genau deshalb will coca Cola den Deal mit ALDI.

  • wieviele Idioten gibt es auf dem Planeten?
    Sie tun so, als ob Aldi Coca Cola erfunden hat!
    MarketingFuzzies? Ein Spinner, Cola gibt es überall zu kaufen und, übrigens, brauchen Sie nichts zu kaufen, was Ihnen nicht gefällt / schmeckt

    CO, München

  • Herr Gaffel,
    die Phosphorsäure finden Sie bei Aldi schon seit Jahrzehnten in der River Cola. Und bei Coca Cola, Pepsi Cola oder Afri Cola liegt die Dosis auf vergleichsweise homöophatischen Niveau. Und fangen Sie jetzt bloss nicht noch an, etwas über die Kohlensäure zu orakeln. Deren Dosis ist im ach so gesunden Mineralwaser noch höher als in Cola.

  • Was haben Scannerkassen mit Coca Cola zu tun?

    Ersteres ist eine Form der technischen Modernisierung.
    Letzteres ist der Versuch nach dem Ende der Wachstumsphase Aldi zu höherpreisigen Artikel zu lotsen.

    Natürlich wird es Kunden geben, die gern Coca Cola bei Aldi kaufen wollen. Die Frage ist wieviele Kunden letztlich abwandern wenn die Preisstruktur anzieht.

    Hier versuchen Marketingfuzzies und BWL'ler wieder mal den Kunden irgendetwas anzudrehen was diese gar nicht haben wollen.
    So etwas funktioniert letztlich nicht dauerhaft, siehe z.B. Airberlin, oder Telekom oder HP. Aber die MarketingFuzzies versuchen es halt immer wieder. So sind sie halt.

    Viel Spass beim Untergang.

  • Es ist bedauerlich, daß ALDI einen Artikel in sein Sortiment aufnimmt, der als einziges "Lebensmittel" Phosphorsäure enthält.
    Damit läßt sich zwar ein Motorblock von Ölverschmutzungen reinigen (-was US-Trucker tatsächlich tun), aber als LEBENSMITTEL taugt diese Brühe nicht.
    Schade, ALDI.

  • Coca-Cola, die demokratische Volksmarke - so sympathisch, weil stets liberal und fair.

    Genau - Heil Coca-Cola!

  • Danke für einen qualifizierten, fundierten und gut geschriebenen Artikel!

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