Zehn Jahre Euro-Bargeld „Ein Zerfall der Euro-Zone wäre äußerst schmerzhaft“

Als Europa den Euro einführte, wurden ökonomische Probleme verdrängt. Jetzt muss die Therapie rasch beginnen, damit Europa genesen kann. Denn es steht viel auf dem Spiel. Ein Gastbeitrag von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt
  • Thomas Mayer
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Thomas Mayer ist Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Quelle: dpa

Thomas Mayer ist Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

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Was für ein Wechselbad der Gefühle: Vor zehn Jahren haben wir „Euro Starterkits“ unter die Christbäume gelegt und uns darauf gefreut, ohne lästiges Geldwechseln in Europa reisen und Geschäfte machen zu können. Wir haben einen historischen Moment erlebt, der unser Leben verändert hat: Der 1. Januar 2002 brachte uns nach einer gigantischen Umtauschaktion neue Münzen und Scheine – und löste in zunächst elf Ländern die nationalen Währungen ab. Europa hatte gemeinsames Geld – und wurde damit enger verbunden als je zuvor. Inzwischen nennen rund 330 Millionen Menschen in 17 europäischen Staaten den Euro ihr Geld, plus San Marino, Vatikan und Monaco. Zehn Jahre später ist der Euro gerade für junge Europäer nicht mehr wegzudenken.

Und doch ist das Jubiläum überschattet. Heute müssen wir um das Überleben der gemeinsamen Währung kämpfen. Wie konnte es dazu kommen? Bei nüchterner Betrachtung müssen wir leider feststellen: Der Euro kam mit erheblichen Geburtsfehlern auf die Welt, und als diese Fehler zum Vorschein kamen, wurden sie nicht richtig diagnostiziert – und daher mangelhaft therapiert. Notwendig sind jetzt Maßnahmen, die an den Wurzeln der Probleme ansetzen. Nur so werden uns die Vorzüge eines gemeinsamen Geldes erhalten bleiben.

Der schwerwiegendste Geburtsfehler des Euro war, dass seine Gründerväter die Lehren aus der Theorie der optimalen Währungsräume ignoriert haben. Schon in den 60er-Jahren haben Robert Mundell und Peter Kenen darauf hingewiesen, dass in einem gemeinsamen Währungsraum ein hoher Grad an Mobilität der Arbeitskräfte oder zumindest an Flexibilität der Löhne bestehen sollte. Mangelt es daran, so sind interregionale Fiskaltransfers nötig, um die Stabilität des Währungsraums zu sichern.

Nichts davon wurde bei den Aufnahmekriterien zur Europäischen Währungsunion (EWU) berücksichtigt. Das Augenmerk lag auf der Angleichung von Inflation und Zinsen sowie auf der Stabilität der Wechselkurse und der Einhaltung von Höchstgrenzen für staatliche Budgetdefizite und Schulden. Vielleicht wäre ja eine nachhaltige Erfüllung dieser Kriterien mit den Voraussetzungen für einen gemeinsamen Währungsraum einhergegangen. Jedoch wurde darauf nicht geprüft. Es reichte eine näherungsweise Erfüllung im Stichjahr, und auch diese wurde teilweise nur oberflächlich festgestellt.

Billiger Kredit hielt den Euro in den ersten Jahren zusammen
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  • Dieses sture Festhalten an der Pseudowährung Euro ist schon mehr als eine Verzweiflungstat. Seit der Einführung dieser Währung sind die Preise geradezu explosionsartig angestiegen. Der Großteil der Menschen muß mit finanziellen Einbußen leben. Milchmädchenrechnungen von "Experten" versuchen dieses zu widerlegen (z.B. daß Silvesterböller günstiger wären als zu DM-Zeiten).Was soll dieser Schwachsinn, wie oft kauft man Silvesterböller?
    Die Bürger sollen auch für dumm verkauft werden, mit der Suggestion, daß mit der DM der Export leiden würde. Japan hat den Yen und dieser ist zur Zeit eine sehr stabile Währung und der Export boomt. Und das Schlimmste: Der Eurobond wird uns mit in den Abgrund ziehen.

  • Der Euro ist nur für die Eurokraten von Wichtigkeit, Futternapf und Ruhekissen von Politiker, Bankster, verkommender Justiz und derren Rechtsverdreher.

    Selbstversorgende Parasiten die sich ohne Gegenleistung am Volk bereichern, dieses unter dem Deckmantel der Justiz ausplündern.

    Diese fetten Maden gehören an den Pranger, sind überflüssig wie ein Kropf am Hals.

    Herr Wulf ist weder besser noch schlechter, spiegelt die Klasse der Volksvertreter eindrucksvoll wieder!

    Wenn das Volk nicht handelt, diese Parasiten JETZT nicht deziemiert, hat es nichts besseres verdient, ist mit der Versklavung einverstanden!

  • @ Rapid,
    wishful thinking, unrealistisch.
    Ich kann mir nur wiederholen. Wir müssen vom heutigen Standpunkt aus nach einer realistischen Lösung suchen.
    Die Verträge wurden so geschmiedet dass eine geregelte Abwicklung der Eurozone praktisch unmöglich ist. Der Wunsch vielen Deutschen und auch Franzosen nach einer Rückkehr zur Nationalwährung hat mit Nationalnostalgie zu tun. Wirtschaftlich kann der Euro nur Vorteile bringen wenn man die Gemeinschaftsinteresse vor den Interessen der einzelnen stellt.
    Leider und wegen der deutsch-französische Achse ist das z.Z. nicht der Fall.
    Eine geregelte Insolvenz der Währungsunion ist einfach unvorstellbar. Nur deren Zusammenbruch ist vorstellbar, so schrecklich wie das auch klingeln mag.

  • @ forenfux,

    wir Deutsche haben immer unseren Kultur aus dem Süden bezogen, manchmal über den Umweg über Frankreich.
    Wulffosconi ist das beste Beispiel dafür wie schnaell wir lernen können.

  • @ Adolf,
    einfach auf diesen Artikel im HB von heute hinweisen:

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/brasilien-stellt-neuen-export-rekord-auf/6013826.html

  • @ Island,
    man neigt dazu alle negative wirtschaftliche Entwicklungen dem Euro zuzuschreiben.
    Wir übersehen dabei dass die Entwicklung China, Indien, Südamerika und manche neue Ankömmlinge mit dem Euro nicht zu tun haben.
    Diese Änderungen bedeuten für die ehemalige Industriemonopolisten wie Europa und die USA ein Verlust an Einfluss.
    Viele behaupten dass ohne Euro wir noch schlechter da stehen würden als jetzt.
    Der Meinung bin ich auch. Die Welt ist im Wandel und es ist gut so, in Asien und Süd-Amerika haben die Menschen den gleichen Anspruch auf Wohlstand wie wir.
    Wir müssen Teilen lernen. Das werden wir auch, hoffe ich, mit Afrika auch bald tun müssen, nicht zuletzt danke der Chinesen und Inder die bezahlbare Produkte erstellen.
    Wir haben heute einen Käufermarkt für Industrieprodukte nachdem wir einen Vorkäufermarkt gehabt hatten.
    Das hat mit dem Euro nicht zu tun.
    Und glauben Sie mir, es wird für Europa noch schlimmer, ob Euro oder nicht Euro. Die erste Ratten versuchen schon das sinkende Schiff zu verlassen (Nord-Euro), wenn das kein Zeichen ist!

  • @ Island,
    Eine stabile Währung haben wir jetzt, so stabil wie der Euro ist die DM nie gewesen.
    Was ich nicht verstehe ist warum Sie unbedingt andere Euro-Länder mit in dieses "Projekt Nord Euro" mit reinziehen wollen. Wir habe 40 Jahren gebraucht um das zu schaffen was wir schon erreicht haben, wir müssen nur weiter machen.
    Führen Sie einfach die DM in Deutschland wieder ein und so haben Sie Ihre angebliche stabile Währung wieder. Und lassen Sie die andere einfach das sein was sie sein wollen!
    Also wenn die Mehrheit der Deutschen es wollen, Deutschland raus aus dem Euro und aus der EU, wir haben wirklich die Nase voll von solchen idiotischen und unrealistische, weltfremde Vorschläge.
    And the sooner the better!

  • hallo ihr lieben,
    es ist unerheblich was vor 10 jahren war . die preise haben sich vedoppelt ( 1 pfundb brot kostet heute umgerechnet 6 - 8 DM ) das zu der nicht vorhandenen preissteigerung wie unsere frau murksel immer behauptet . klar sind fernseher und elektronik vll. billiger geworden , doch die grundlegenden sachen , wie lebenmittel, benzin, diesel heizöl sind erheblich gestiegen .
    die löhne haben sich halbiert . jeder der das gegenteil behauptet ist dumm .
    murksel und der rollstuhlfahrer werden niemals zulassen , dass der euro scheitert . die industrie ( die wohl denen 2 schmiergelder bezahlt - sarkasmus !!! ) will den € , diel poltitoik will ihn .
    das volk ( das die deppen übrigens wählt !!!! ) leidet und zahlt .
    es ist so ( so denke ich ) wir werden belügt verarscht und für dumm verkauft .
    solange wir solche politiker wählen wie im moment an der macht sind und uns aussaugen wie die vampiere , die uns ab und zu ein paar brotkrumen ind form von steuersenkungen in den dreck schmeissen , das wir dann ganz toll finden und die politiker dann noch toller finden , nur dass diese gleichzeitig und im geheimen irgendwie hintenrum was erhöhen was wir dann nicht merken ....
    das ganze system gehört verändert und erneuert , mit feuer und schwert und nicht mit stammtischgerede , auf eine brutale art und weise . leider kommt mir da nur eine möglichkeit in den sinn und der ist ein krieg .
    ich denke sonst verändert sich nichts mehr in europa .

    gruss an alle und eine schönes neues jahr 2012

  • Ach, nicht immer so pessimistisch. Der Euro ist ganz toll; er wird die 17 Eurostaaten einen, ganz sicher!

    Bald ist Deutschland dann genauso korrupt wie GR, oder warum sollten wir ehrlich sein, wenn's die anderen auch nicht sind?
    Schöner Wettlauf in den Abgrund, mal schauen ob wir den "gewinnen"...

  • Herr Meyer spricht natürlich hier das Wort seiner Herren und Master, den Banken. Die fundamentalen Probleme werden übergangen:

    Nämlich daß unser Geldsystem selbstzerstörerisch angelegt und konzipiert ist und alle 2-3 Generationen die ahnungslosen Völker in den Ruin treibt. Denn der Zins- und ZinsesZins wächst exponentiell und führt zwangsläufig zu gigantischen Umverteilungen mit obszönen Bereicherungen von wenigen hunderten auf Kosten der ekelhaften Verarmung und Verelendung aller anderen.

    Die Epoche des zinsfreien Geldes in Deutschland ging einher mit der Zeit der größten Entwicklungsperiode der deutschen Geschichte während der Blüte der Gotik zwischen 1130 und 1430. Denn nur wenige wissen: "Damals waren die sozialen Unterschiede so ausgeglichen wie nie mehr im historischen Verlauf. Wer viel hatte, erwarb den Wohlstand durch Arbeit, nicht durch leistungslose Zinsen. Das Minimum der arbeitsfreien Tage pro Jahr lag bei 90, oftmals sogar bei über 150. Sehr bald wurde auch der Montag als arbeitsfrei eingeführt, damit mußten die Handwerker nur vier Tage in der Woche arbeiten... Wie gewaltig dieser wirtschaftliche Aufschwung gewesen sein muß, zeigt die Entwicklung der Städte in Deutschland (höchste Anzahl von Städtegründungen in der Geschichte! einzigartige Dom-, Kathedralen- und Sozialbauprogramme)." G Hannich

    Wie möglich? Im System heute sind Waren und Arbeit dem Geldkapital unterlegen, und zwar duch Verfall der ersteren und Wachstum des letzteren durch Zinsgewinn. Im zinslosen Geldsystem wird die Dominanz des Kapitals durch Wiederherstellung von Geld als reines Tauschmittel aufgehoben und der Arbeit und der Ware gleichgestellt. Durch Verfall von Geld (Brakteatengeld in der Hochgotik) bzw durch Nichtverwendungsgebühren (Silvio Gesell, Freigeld) wird dieses Geld nicht mehr gehortet, sondern wieder in die Wirtschaft eingebracht, und zwar unverzinst!, und führt zu starken investiven Tätigkeien, Wachstum, fallender Arbeitslosigkeit und steigendem Lebensstandard.

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