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Gastbeitrag – „Homo oeconomicus“ Der Berichterstattung über Vermögen- und Erbschaftsteuern fehlt es an Tiefe und Intensität

Die Bandbreite der Meinungen zu diesen Abgaben wird in den Medien nicht in ihrer existierenden Vielfalt abgebildet. Das behindert einen differenzierten öffentlichen Diskurs.
09.12.2020 - 10:14 Uhr Kommentieren
Andrea Grisold ist Direktorin des Instituts für Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien. Quelle: Pamela Rußmann
Die Autorin

Andrea Grisold ist Direktorin des Instituts für Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien.

(Foto: Pamela Rußmann)

Die Fronten sind verhärtet: Während die eine Seite eine Wiedereinführung von Vermögensteuern zur Mitfinanzierung der Corona-Maßnahmen fordert, darunter die Linke in Deutschland oder Vizekanzler Werner Kogler in Österreich, begegnen die meinungsrelevanten Medien einem solchen Begehren mehrheitlich mit Skepsis, tun es auch schnell einmal als „sozialistische Fantasie“ ab.

Die Frage, wie Zeitungen in Deutschland über Vermögen- und Erbschaftsteuern berichten, war Ausgangspunkt meiner Studie mit Hendrik Theine im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung, deren Ergebnisse wir kürzlich unter dem Titel „Streitfall Vermögensteuer: Defizite in der Medienberichterstattung“ veröffentlicht haben.

Dafür wurden rund 10.000 Artikel in sieben Qualitätszeitungen und -zeitschriften der vergangenen 20 Jahre ausgewertet. Wir stellten Defizite in der Medienberichterstattung in drei Bereichen fest: der Intensität, der inhaltlichen Ausrichtung und der zu Wort kommenden Akteure.

Vermögen- und Erbschaftsteuern stellen ein relativ selten thematisiertes Feld in deutschen Printmedien dar. Nur durchschnittlich 0,2 bis 0,6 Promille aller Artikel behandeln die Thematik, wobei es zu bestimmten Zeitpunkten zu kurzfristigen Häufungen in der Medienpräsenz des Themas kommt. Der Fokus der Berichterstattung liegt dabei auf der politischen Ebene und dort großteils auf entsprechenden Kontroversen.

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    Im Gegensatz dazu wird die ökonomische Ebene äußerst wenig thematisiert; diesbezügliche Expertisen stützen sich in der Regel auf Akteure aus dem politiknahen Bereich, wie zum Beispiel Stiftungen, sowie der engeren Wissenschaftsdisziplin.

    Ablehnende Haltung kommt überwiegend zu Wort

    Beide Bereiche sind jedoch miteinander und auch mit dem politischen Feld verwoben. Es lassen sich Cluster identifizieren, die sich anhand ihrer Pro- oder Kontra-Haltung zur Vermögens- und Erbschaftsbesteuerung gruppieren.

    Über alle Bereiche hinweg gilt, dass Akteure, die einer Wiedereinführung der Vermögensbesteuerung oder einer Erhöhung der Erbschaftsteuer ablehnend gegenüberstehen, in beinahe allen untersuchten Medien deutlich überproportional zu Wort kommen.

    Geht es um wissenschaftliche Expertise, ist diese Dominanz in den meisten der untersuchten Zeitungen mit einem Überhang an ordoliberalen und mainstreamökonomischen Positionen verknüpft. Eine Vielfalt in der Darstellung des volkswirtschaftlichen Expertenwissens über verschiedene ökonomische Herangehensweisen hinweg ist nur sehr eingeschränkt gegeben.

    Das Fazit unserer Untersuchung lautet: Die Bandbreite der Meinungen zur Vermögens- und Erbschaftsbesteuerung wird in den Qualitätsmedien nicht in ihrer existierenden Vielfalt abgebildet. Der Berichterstattung zu den vielerlei Möglichkeiten der Ausgestaltung solcher Besteuerungsarten fehlt es sowohl an Tiefe als auch an Intensität.

    Für einen differenzierten und gut fundierten öffentlichen Diskurs wäre es sehr hilfreich, wenn diese Defizite schnell behoben würden.

    Mehr: Linke will Corona-Schulden von den reichsten Deutschen begleichen lassen.

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