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Gastbeitrag – Homo oeconomicus Die Lehren des Blackouts in Texas dürfen nicht im politischen Lärm untergehen

Das marktorientierte System unterstützt den Ausbau erneuerbarer Energieträger. Diese Lehre sollte nicht falschen Schuldzuweisungen nach dem Blackout zum Opfer fallen, mahnt Christof Rühl.
10.03.2021 - 15:02 Uhr 2 Kommentare
Texas gehört zu den größten Energieproduzenten der Welt. Quelle: AFP
Houston

Texas gehört zu den größten Energieproduzenten der Welt.

(Foto: AFP)

Texas steht für konservatives Regieren, ein enthusiastisches Verhältnis zum Kapitalismus und eine lange Tradition der Distanz zu Washington. Aber der Staat mit dem einzelnen Stern ist auch der größte Energieerzeuger der USA. Wäre Texas ein unabhängiges Land, dann wäre es der sechstgrößte Energieproduzent der Welt. Darauf ist man stolz. Wie sich das gehört für einen großen Erzeuger, hat Texas auch den höchsten Energieverbrauch aller Bundesstaaten.

Als nach einem beispiellosen Kälteeinbruch die Stromversorgung zusammenbrach, die Lichter und vor allem die Heizungen ausgingen und Menschen starben, war der Schock groß. Auf politischer Ebene allerdings waren es nicht Trauer oder eine nüchterne Bestandsaufnahme, die die Schlagzeilen bestimmten. Die Vereinigten Staaten sind politisch inzwischen so polarisiert, dass auch größere Katastrophen kaum Raum zum Innehalten geben. Es ging sofort um Schuldzuweisung.

Den Anfang machte der Gouverneur persönlich. Noch während der Stromausfälle war für ihn klar, was der Grund für die Katastrophe war: erneuerbare Energien. Für den Schlachtruf „Die Windräder sind zugefroren“ verlieh die „Washington Post“ ihm zu Recht vier Pinocchios – eine Auszeichnung, die zuvor meistens den Tweets des damaligen Präsidenten Donald Trump vorbehalten war. Die „New York Times“ versuchte zu Unrecht, den Schwarzen Peter an fossile Energieträger weiterzureichen.

Schnell war klar, dass die Kälte alle Energieträger sowie die Netzinfrastruktur schwer beschädigt hatte. Über Naturkatastrophen lässt sich nicht streiten – eigentlich. Doch nun witterten die Kritiker einer marktorientierten Energiepolitik Morgenluft.

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    Größter Windproduzent der USA

    Texas hat vor 20 Jahren seinen Strommarkt reformiert. Seitdem stehen Stromproduzenten im Wettbewerb miteinander; Abweichungen zwischen ihrem Angebot und der Nachfrage der Stromkunden werden über flexible Preise ausgeglichen.

    Diese Art der Deregulierung ist heute weit verbreitet. Die Liberalisierung in Texas aber ging in einer Hinsicht weiter als anderswo: Es gibt in diesem Model keine externe Instanz mehr, etwa einen Regulator, der die Reservekapazität des Systems festlegt. Freie Kapazitäten werden über den Preismechanismus bestimmt: Die bei jeder Angebotsknappheit steigenden Preise bringen Stromproduzenten dazu, in ausreichendem Maß freie Kapazitäten zu halten, da ihnen sonst mögliche Extragewinne entgehen.

    Christof Rühl ist Senior Visiting Scholar, CEPA, Columbia University, und Senior Fellow, Harvard Kennedy School. Quelle: privat
    Der Autor

    Christof Rühl ist Senior Visiting Scholar, CEPA, Columbia University, und Senior Fellow, Harvard Kennedy School.

    (Foto: privat)

    Gleichzeitig begrenzen sie aber aus Kostengründen die Kapazitätsreserve auf das notwendige Maß. Unter dem Strich hat dieses System zu einer dauerhaft niedrigeren Kapazitätsreserve geführt und damit zu Kostenersparnissen und niedrigeren Strompreisen beigetragen. Es hat so gut funktioniert, dass es zunehmend als Vorbild diskutiert wurde.

    In jüngster Zeit galt dies vor allem als Modell für den Ausbau erneuerbarer Energien: Wind- und Solarenergie brauchen flexible Kapazitäten. Je höher ihr Anteil am Strommarkt, desto größer die Kostenvorteile des texanischen Models. Auch aus diesem Grund ist Texas nicht nur wegen seiner Geografie der größte Windenergieproduzent der USA.

    Im Lärm politischer Schuldzuweisungen droht eine wichtige Erkenntnis unterzugehen: Vernünftige Deregulierung hilft, den Anteil erneuerbarer Energien dauerhaft zu steigern.

    Mehr: Schlappe für Windbranche: EuGH bestärkt Vogelschutz.

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    Mehr zu: Gastbeitrag – Homo oeconomicus - Die Lehren des Blackouts in Texas dürfen nicht im politischen Lärm untergehen
    2 Kommentare zu "Gastbeitrag – Homo oeconomicus: Die Lehren des Blackouts in Texas dürfen nicht im politischen Lärm untergehen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Personenbeschreibung des Autors auf der Seite des World Economic Forums:
      https://www.weforum.org/people/christof-ruhl

    • Ich stimme den Aussagen weitgehend zu. Trotzdem ist für Texas typisch, dae aus meiner Sicht ideologisch geprägte Hang zur Autonomie. Mir ist es als Elektro-Ingenieur nicht erklärlich, warum man nicht dem Nordamerikanischen Stromverbundnetz beitreten will, dem 48 andere US Staaten angehören (Hawai fehlt auch aber das ist ein anderer Fall). Die Angstman könne in irgendweiner Weise gezwungen sein zentrale Regulierungen über sich ergehen zu lassen, kann zur fixen Idee werden. Ich denke gerade weil durch den Klimawandel reginoale Katastrophen an Häufigkeit zunehmen, sollte ein Verbundnetz, auch wenn es Unabhängigkeit kostet, kein Tabu sein.

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