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Gastbeitrag – Homo oeconomicus Europa sollte nicht versuchen, seine eigenen Tech-Champions aufzubauen

Um künftig erfolgreich zu sein, müssen wir nicht danach streben, die besten Technologien zu entwickeln. Europa muss sie nur bestmöglich einsetzen, meint Lena Sellgren.
01.03.2021 - 11:45 Uhr 2 Kommentare
Lena Sellgren ist Chefvolkswirtin von Business Sweden. Quelle: Business Sweden
Lena Sellgren

Lena Sellgren ist Chefvolkswirtin von Business Sweden.

(Foto: Business Sweden)

Verliert Europa im Technologie-Rennen mit den Supermächten USA und China den Anschluss? Die Antwort lautet zweifelsohne: Ja. Der alte Kontinent hat heute nur noch begrenzten Einfluss auf die zwei größten Volkswirtschaften der Welt – die Brutstätten von Google, Tesla und Tencent.

Zwar haben es sieben europäische Länder in die Top-Ten-Liste des Global Innovation Index 2020 von Cornell University, Insead und der Weltorganisation für geistiges Eigentum geschafft. Aber Europa kann sich nicht rühmen, auch nur ein einziges globales Plattformunternehmen hervorgebracht zu haben. Dabei haben viele europäische Firmen dazu beigetragen, die Technologien und Innovationen voranzutreiben, die für die Bewältigung der globalen Herausforderungen von zentraler Bedeutung sein werden.

Aber im aktuellen Wettlauf sollte sich Europas Strategie auf die Anwendung neuer Technologien konzentrieren – und nicht auf deren Erfindung. Denn darin besteht unsere Stärke.

Europa hatte eine andere Ausgangsposition als die USA und China mit deren Mischung aus Sprachen, Kulturen, kleinen Märkten und ehrgeizigen Zielen für die gesellschaftliche Entwicklung. Große Tech-Firmen innerhalb der eigenen Grenzen zu haben ist sicherlich ein Grund für nationalen Stolz, aber es lohnt sich, daran zu denken, dass neue Arbeitsplätze und Einkommensströme auf viele Arten generiert werden können.

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    Außerdem sind innovative Technologien heute zu einer globalen Ware geworden, die jedem zur Verfügung steht, der bereit ist, dafür zu zahlen. Von anderen zu lernen und die eigenen Methoden zu verfeinern ist ein lohnendes Ziel. Das soll nicht heißen, dass Europa sich zurückziehen und die USA und China die ganze Arbeit machen lassen sollte. Aber es macht wenig Sinn, zu versuchen, unsere eigenen Tech-Champions aufzubauen.

    Was Europa stattdessen tun kann: Technologien besser einsetzen

    Stattdessen sollte Europa die Voraussetzungen für die Anwendung schaffen: das künftige Angebot an Fachkräften sichern, Vorschriften und Standards harmonisieren, um die Digitalisierung zu unterstützen, und nicht zuletzt den Zugang zu sauberer Energie sichern, um den grünen Wandel zu erleichtern.

    Technologien, die in Europa, den USA und China – oder auch anderswo – entwickelt werden, werden Europa helfen, seinen Wettbewerbsvorteil auszubauen und die Gesellschaften zu schaffen, die sich die Europäer wünschen. Man muss nicht danach streben, die besten Technologien zu entwickeln, man muss sie nur bestmöglich einsetzen.
    Europa muss sich vielleicht mit einer Bronzemedaille in der Technologieentwicklung begnügen – aber wir sollten der Star in unserem eigenen Rennen sein. Um ein Gleichnis aus der Welt des Sports zu verwenden: Es ist nicht die Ausrüstung, die einem die Goldmedaille einbringt, sondern die Art und Weise, wie man sie verwendet.

    Mehr: Biden stellt die Weichen neu: Globale Lieferketten sollen unabhängiger von China werden

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    2 Kommentare zu "Gastbeitrag – Homo oeconomicus: Europa sollte nicht versuchen, seine eigenen Tech-Champions aufzubauen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Außerdem sind innovative Technologien heute zu einer globalen Ware geworden, die jedem zur Verfügung steht, der bereit ist, dafür zu zahlen."
      Huawei und Nordstream 2 lassen es reichlich naiv erscheinen, zu glauben, dass China und die USA Schlüsseltechnologien nicht beliebig als Druckmittel einsetzen werden. Edward Snowden hat uns gezeigt, wie die Wirklichkeit technologischer Abhängigkeit (selbst unter 'Freunden') aussieht. Diesen Umstand haben sie nicht adressiert.

      "Aber im aktuellen Wettlauf sollte sich Europas Strategie auf die Anwendung neuer Technologien konzentrieren – und nicht auf deren Erfindung. Denn darin besteht unsere Stärke."
      Die beschämende Bilanz beim Breitbandausbau, die verweigerte Digitalisierung in den Behörden, Politiker vom Format einer von der Leyen und eines Herrn Söders: Die Wirklichkeit sieht sehr anders aus.

      Europas technologisches Unvermögen liegt nicht an seiner Vielfalt, das halte ich für eine schwache Ausflucht. Dass Deutschland beim Breitbandausbau 30 Jahre hinter hängt ist ganz alleine unser Versagen. Dieses Versagen jetzt als Strategie umzudeklarieren und in die Zukunft fortzuschreiben kommt einer digitalen Kapitaulation gleich und untermauert nur das technologische Unvermögen der Europäischen Eliten - Und wir Millenials sind zu wenige, um bei Wahlen daran etwas zu ändern. Wenn wir uns Gehör verschaffen, werden wir als Bots abgetan.
      Als Volkswirtin nehmen sie eine volkswirtschaftliche Perspektive ein, doch - und ich meine das nicht respektlos - ist das nicht die sachkundige Perspektive zu Technologie, die wir in Europa und besonders Deutschland so dringend benötigen. Tech ist Vernetzung, Analyse, KI, Blockchain, Big Data. Ohne Tech kein BioTech, kein AgroTech, kein FinTech. Alles das wollen sie aufgeben. Hätten sie ihren Kommentar als Informatikerin geschrieben, er läse sich wahrscheinlich ganz anders.

      Ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

    • .... ein extrem schwacher Kommentar - irgendwie wurde vergessen, dass Deutschland ein Land der Dichter und Denker ist und eben auch Erfinder.
      Einiges wurde hier erfunden - selbst der Computer (Conrad Zuse) oder mRNA Impfung (BioNtech) und natürlich das Auto, der Fernseher....
      Auch technologisch wäre Deutschland und Europa führend, gäbe es eine Steuerharmonisierung in der EU:
      Wenn man Gewinne steuerfrei über Niederlande, Irland oder Malta in Steueroasen ganz legal transferieren kann, dann wird kein Investor in Technologien investieren, die Leistungen vermitteln und mit üppigen Provisionen hervorragende Gewinne erzielen, die dann steuerfrei und unkompliziert und legal transferiert werden können.
      Europa hat hervorragende Entwickler und Erfinder - aber keine Investoren. Diese investieren dort, wo Gewinne steuerfrei vereinnahmt werden können und wenig Bürokratie vorherrscht.

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