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Gastkommentar – Homo Oeconomicus Bei Plug-in-Dienstwagen sollte der Arbeitgeber nur noch die Stromkosten erstatten

Plug-in-Hybride werden als Dienstwagen vor allem nichtelektrisch gefahren – und trotzdem staatlich hoch gefördert. Das widerspricht dem Umweltschutzkonzept, kritisiert Lorenz Jarass.
10.02.2021 - 11:08 Uhr 3 Kommentare
Lorenz Jarass arbeitet im Bereich erneuerbare Energien und Stromnetze für Regierungen, Netzbetreiber und Kommunen. Seine aktuelle Buchveröffentlichung: „Überdimensionierter Netzausbau behindert die Energiewende“.
Lorenz Jarass

Lorenz Jarass arbeitet im Bereich erneuerbare Energien und Stromnetze für Regierungen, Netzbetreiber und Kommunen. Seine aktuelle Buchveröffentlichung: „Überdimensionierter Netzausbau behindert die Energiewende“.

Anfang 2020 wurde der zu versteuernde geldwerte Vorteil für viele privat genutzte Elektro-Firmenfahrzeuge halbiert, seit Juli gibt es verdoppelte staatliche Zuschüsse für Elektrofahrzeuge. Die Neuzulassungen von reinen Elektroautos verdreifachten sich zwar gegenüber 2019, Plug-in-Elektroautos, also normale Verbrennerautos mit einem elektrischen Zusatzmotor, stiegen jedoch – von bereits deutlich höherem Niveau – um mehr als das Vierfache.

Kurze Strecken rein elektrisch fahren, längere zusätzlich mit Verbrennungsmotor: Das ist die Idee der staatlichen Förderung von Plug-in-Elektroautos. Aber das tägliche Laden ist lästig und unbequem. Zu verlockend ist es für den Plug-in-Fahrer, speziell im Dienstwagenbereich, auf das Laden einfach zu verzichten. Das von der Bundesregierung einberufenen Expertengremium Zukunft der Mobilität erläutert in seinen Empfehlungen zum optimierten Nutzungsgrad von Plug-in-Fahrzeugen, dass zwar bei Privatfahrzeugen ein elektrischer Fahranteil von 43 Prozent erreicht wird, aber bei privat genutzten Plug-in-Firmenfahrzeugen nur 18 Prozent und damit der niedrigste Anteil von allen untersuchten Ländern.

Für Plug-in-Firmenfahrzeuge gibt es in Deutschland bis zu 4750 Euro staatlichen Zuschuss. Als monatlicher geldwerter Vorteil muss nur 0,5 statt 1,0 Prozent des Kaufpreises versteuert werden. Aber ganz überwiegend werden sie mit konventionellem Treibstoff gefahren.
Wenn sich ein gut verdienender Manager für einen Porsche Panamera Plug-in entscheidet und 30 Kilometer von seinem Arbeitsplatz entfernt wohnt, spart er durch den halbierten geldwerten Vorteil rund 5000 Euro pro Jahr. Dafür muss er lediglich bei Übergabe des Fahrzeugs zusätzlich ein Ladekabel entgegennehmen und es sicher verstauen. Nutzen muss er es nicht.

Staatliche Subventionen sind nicht gerechtfertigt

Laut dem Expertengremium der Bundesregierung ist eine staatliche Förderung von Plug-in-Elektroautos nur bei einer elektrischen Nutzung von über 50 Prozent gerechtfertigt, weil sie sonst keinen Umweltnutzen haben. Das wird bei Privatfahrzeugen fast erreicht, aber bei privat genutzten Firmenfahrzeugen weit unterschritten. Staatliche Subventionen sind also nicht gerechtfertigt.

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    Für Mitarbeiter, die beruflich längere Strecken fahren müssen, sind Plug-in-Elektroautos mit ihren kurzen elektrischen Reichweiten ohnehin ungeeignet. Für die anderen gibt es einen einfachen Weg zur dringend erforderlichen Erhöhung der elektrischen Nutzung des Elektroantriebs, der ohne die vom Expertengremium angedachten Kontrollen auskommt: Der Arbeitgeber darf für subventionierte Fahrzeuge nur noch die Kosten für Strom vollständig erstatten, für Benzin oder Diesel aber nur noch höchstens zur Hälfte.

    Zukünftig wird dann der Plug-in-Fahrer in seinem eigenen Interesse weniger an der Tankstelle tanken und stattdessen vermehrt an der Steckdose laden, weil er dadurch Geld spart. Wer auch zukünftig wie beim Normalfahrzeug alle Kosten erstattet haben will, muss den geldwerten Vorteil wie beim Normalfahrzeug versteuern.

    Mehr: So werden elektrische Dienstwagen vom Staat gefördert.

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    3 Kommentare zu "Gastkommentar – Homo Oeconomicus: Bei Plug-in-Dienstwagen sollte der Arbeitgeber nur noch die Stromkosten erstatten "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr LJ hat bedingt recht, die Frage ist nur ob der Käufer eines solchen Fahrzeugs oder die Bundesregierung Schuld an der Situation hat. Die Ladeinfrastruktur ist extrem schlecht und somit ist das erreichen von 50% Elektroanteil nahezu unmöglich. Das Beispiel Panamera ist lächerlich, da dieses Fahrzeug gar keine Förderung erhält. Vielleicht sollte LJ sich hier zuerst mal genauer informieren.

    • @Herr Norbert Flossmann:
      Der Arbeitgeber kennt seine Mitarbeiter und weiß, wieviel ein Mitarbeiter rein elektrisch fahren könnte. Man könnte prinzipiell mit dem Mitarbeiter auch ein Stromquote vereinbaren. Nur die Stromkosten zu erstatten halte ich gerade bei Vertriebsmitarbeitern für falsch, da sie täglich extrem viele km zurücklegen. Zeit fürs Laden werden diese Mitarbeiter auch nicht unbedingt haben, dann wäre wohl schon eher ein Diesel vielleicht irgendwann mit biologisch erzeugtem Treibstoff sinnvoll?
      Insgesamt denken unsere Politiker zu wenig nach. Das Ergebnis sind ewig viele Regeln, die viel kosten und nichts bringen.

    • Und ein Mitarbeiter der tatsächlich im Rahmen seiner/ihrer Aufgaben regelmäßig längere Strecken zurücklegen muss ist gekniffen wenn er die gewünschte Elektroquote nicht erreicht.
      Ist denn ein Panamera überhaupt förderfähig?
      Die Preisliste für die Hybridmodelle startet bei >110kEUR

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