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Gastkommentar - Homo oeconomicus Dateneigentum ist eine dumme Idee

Das Konzept „Geld für Privatheit“ sollte beerdigt werden. Denn das Eigentum an Daten ist nicht vernünftig zuordenbar, stellt Cory Doctorow fest.
24.03.2021 - 14:04 Uhr Kommentieren
Cory Doctorow ist Science-Fiction-Autor und Journalist. 2019 erschien von ihm „Wie man einen Toaster überlistet“. Quelle: imago/Christian Mang
Cory Doctorow

Cory Doctorow ist Science-Fiction-Autor und Journalist. 2019 erschien von ihm „Wie man einen Toaster überlistet“.

(Foto: imago/Christian Mang)

Wenn man nur die Orthodoxie des Marktes kennt, sieht jedes Problem nach Marktversagen aus. Nehmen wir die Privatsphäre: Riesige, raffgierige Unternehmen haben die digitale und physische Welt so instrumentiert, dass sie uns ständig ausspionieren, weshalb einige Leute meinen, sie sollten uns für unsere Daten bezahlen.

Aber Informationen über uns sind ein schlechtes „Eigentum“, weil sie mehreren, sich überschneidenden Parteien „gehören“, die sich in der Regel nicht einig sind, wann und mit wem sie sie teilen sollen. Wenn Sie und ich ein Gespräch führen, gehört uns beiden die Tatsache, dass das Gespräch stattgefunden hat.

Was passiert, wenn ich nicht verkaufen will, Sie aber schon? Technologieunternehmen sind gut darin, den billigsten Verkäufer zu finden. Wenn Sie die Webseite einer Zeitung besuchen, gibt es eine Echtzeit-Auktion um das Recht, Ihnen dort Anzeigen zu zeigen. Angenommen, es gibt 13 Bieter. Einer bekommt das Recht, aber die anderen zwölf bekommen Ihre eindeutige Kennung und erfahren, dass Sie, sagen wir, die „New York Times" lesen.

Diese Information wird dann an Anbieter weiterverkauft, deren Angebot an Werbetreibende lautet: „Ich kann Ihre Anzeigen den Lesern der ,New York Times' zu 15 Prozent des Preises zeigen, den die ,Times' verlangt.“

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    Selbst wenn wir Eigentumsrechte an Privatsphäre zum Funktionieren bringen könnten (was wir nicht können), würden wir nur die Privatsphäre in ein Luxusgut verwandeln, bei dem arme Leute gezwungen werden, ihre Daten für Cents zu verkaufen.

    Eine Datendividende setzt auch voraus, dass jemand den Preis für die Daten festlegt, und die Chancen stehen gut, dass dieser Preis von einem die Privatsphäre verletzenden Tech-Unternehmen oder einer ihnen hörigen Regulierungsbehörde festgelegt wird.

    Die wertvollsten Dinge sind kein Eigentum

    Es ist noch nicht zu spät, das Konzept „Geld für Privatheit“ zu beerdigen, denn Verhaltensdaten veralten - Unternehmen brauchen immer mehr davon. Das bedeutet, dass wir immer noch zurückschlagen können.

    Wir müssen uns bewusst sein, dass Privatheit nicht deswegen weniger wertvoll ist, nur weil sie kein gutes Eigentum darstellt. Ganz im Gegenteil: Die wertvollsten Dinge, die wir kennen, Menschen zum Beispiel, sind gerade deshalb kein Eigentum, weil es sie entwerten würde, sie als Eigentum zu behandeln. Wir Menschen sind so wertvoll, dass wir ein komplexes Regelwerk nur für uns haben.

    Meine Tochter ist nicht mein Eigentum, aber ich habe ein berechtigtes Interesse an ihr. Genauso wie meine Frau, ihre Großeltern, ihre Lehrer, der Schulbezirk und das Jugendamt ... und sie auch. Dieses „Interessen“-basierte Rechtesystem erkennt das komplexe Netz von sich überschneidenden Ansprüchen an. All diese Punkte und mehr werden in „Why data ownership is the wrong approach to protecting privacy“ erklärt, einem 2019 erschienenen Papier des Brookings Institute von Cameron Kerry und John Morris.

    Ein Zitat daraus zum Abschluss: „Ein eigentumsbasiertes System vernachlässigt die Interessen, die Individuen, abseits des Eigentums daran, an persönlichen Daten haben.“

    Mehr: Personenbezogene Daten dürfen keine Ware werden.

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