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Gastkommentar – Homo oeconomicus Die Debatte über Einfamilienhäuser war überfällig

Frei stehende Häuser sind eine Fehlentwicklung des zu Ende gehenden Öl- und Konsumzeitalters. Die bestehenden sollten reichen, meint Ulrich Kriese.
23.02.2021 - 13:38 Uhr 9 Kommentare
Ulrich Kriese ist Sprecher für Bau- und Siedlungspolitik des Naturschutzbunds (Nabu) und Mitbegründer der Reforminitiative „Grundsteuer: Zeitgemäß!“.
Der Autor

Ulrich Kriese ist Sprecher für Bau- und Siedlungspolitik des Naturschutzbunds (Nabu) und Mitbegründer der Reforminitiative „Grundsteuer: Zeitgemäß!“.

Die von Anton Hofreiter, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, ausgelöste Debatte über das Einfamilienhaus ist überfällig. Das Einfamilienhaus, frei stehend und unter seinesgleichen, ist ein Auslaufmodell, das daran geknüpfte Gleichheitsversprechen eine Mythenerzählung.

Eine Einfamilienhaus-Gesellschaft wird sich auch nicht an die nötige ökologische Transformation heranwagen, geschweige denn sie bewältigen. Pflicht der Politik wäre es, die Menschen nicht länger in falscher Sicherheit zu wiegen.

Einfamilienhausgebiete sind ein junges Phänomen in der Geschichte der Menschheit, eng verbunden mit der vor rund 70 Jahren stark ausgeweiteten Automobilisierung und industriellen Massenproduktion. Sie tragen überproportional stark zum Naturverlust, zu den Kosten der Infrastruktur, zur Überhitzung unseres Planeten und zur sozialen Spaltung bei - eine Fehlentwicklung des zu Ende gehenden Öl- und Konsumzeitalters und eine schwere Hypothek für unsere Gesellschaft.

Einfamilienhäuser und die damit verbundene Lebensweise verbrauchen zu viel Platz, Material und Energie. Passivhäuser auf der grünen Wiese sind nicht die Lösung. Bauen wir so weiter, wird der Traum vieler Häuslebauer für unsere Umwelt und für uns alle, auch für viele, die sich vorläufig im Glück wähnen, zum Albtraum.

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    Es gibt kein Anrecht auf ein bestimmtes Baurecht an einem bestimmten Ort. In den meisten Kommunen gibt es mehr als genug Einfamilienhäuser, die erworben, modernisiert und umgebaut werden können – und müssen. Wer neu bauen möchte, aber am gewünschten Ort keinen Bauplatz findet, wird anderswo fündig – oder muss umdenken.

    Konservative machen Eigenheimpolitik

    Der Wandel in den Köpfen und die notwendige Konzentration auf Ertüchtigung, Verdichtung, Umbau und (Um-)Nutzung des angehäuften Häuserparks werden uns einiges abverlangen – mental, sozial, politisch, Überforderung nicht ausgeschlossen. Es ist an der Zeit, die Vorzüge von Nähe und Begegnung, Vielfalt und Gemeinschaft, Teilen und Selbstbeschränkung zu erkennen und schätzen zu lernen. Gebaute und gelebte Beispiele davon sind reich an der Zahl. Wirtschaftlich werden wir uns und unser Gemeinwesen dadurch besserstellen.

    Die pauschale Werbung der Politik für das private Wohneigentum als angeblich beste Form der Altersvorsorge und dessen Förderung mit der Gießkanne, bei gleichzeitigem Rückzug des Staates aus der allgemeinen Daseinsvorsorge, sind verantwortungslos. Es gibt bereits viele Orte, in denen Einfamilienhäuser Ladenhüter sind, die nur mit Verlust verkauft werden können.

    Wohneigentum sediert. Eigentümer schätzen den Status quo, er gibt ihnen ein Gefühl von Sicherheit. Deswegen machen Konservative Eigenheimpolitik. Sie und ihre Verbündeten pflegen Illusionen und werfen Nebelkerzen gegen das Neue.

    Doch die Menschen sehnen sich nach ehrlichen Ansagen, und viele ahnen es längst: ohne Wandel weder Sicherheit noch Wohlstand. Verantwortungsvolle Politik schaut nach vorn, führt die Transformation in ein neues Zeitalter an und empfiehlt die zukunftstauglichen Wohn- und Eigentumsformen.

    Mehr: Mit ihrer Immobilien-Politik liegen die Grünen nicht ganz falsch und können damit doch nur verlieren – ein Kommentar.

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    9 Kommentare zu "Gastkommentar – Homo oeconomicus: Die Debatte über Einfamilienhäuser war überfällig"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich bin auch wieder mehr als entsetzt über ein solches Thema, denn auch mehrstöckige Häuser mit großer Deckenhöhe auf 150qm sind nicht die Lösung.
      Besonders vor dem Hintergrund der umfangreichen Ressourcen die für solche Häuser benötigt werden, sollten Sie mitberücksichtigen Herr Kriese. Und wo sollen diese Häuser stehen, wie groß soll ein solches Grundstück sein ? Sie benötigen ja einen Umrechnungsschlüssel (Reihenhaus auf 200qm) is heute fast Standard. Also nach meiner Rechnung geht Ihr Konzept nicht auf Herr Kriese.

    • Zurück in die Steinzeit, auch da hatte jeder Stamm seine eigenen, kuscheligen Höhlen und Bäume. Und wer bestimmt, welche Höhlen wir bewohnen dürfen? Natürlich die linksorientierten Grünen vom Schlag eines Herrn Kriese. Herr Kriese, erhalten Andersdenkende auch dann Platz in der Presse, wenn in der nächsten Bundesregierung Grüne oder Sprecher des Naturschutzbundes in Ministerämter gelangen sollten?

    • Wie schnell doch Vorurteile aktiviert werden, wenn es um die Geschossbauweise geht.
      Statt ein Einfamilienhaus mit 150 qm Wohnfläche meint das Vorurteil automatisch kleine Wohnungen im Block, als trübes, enges Arbeiterschließfach für die Arbeiterklasse. Das ist wohl nicht so gemeint. Es ist gemeint, dass man die 150 qm auch im 7-stöckigen Etagenhaus hat, mit großen Zimmern und erhöhter Raumhöhe. Man stelle sich die Beletage vor , französisch bel étage, das schöne Geschoss. Beletage war das bevorzugte Geschoss eines adligen oder großbürgerlichen Wohnhauses beziehungsweise "die am besten ausgestattete Wohnung". Statt 7 Hänsel-Gretel-Knusperhäuschen mit Gartenzwergen im Vorgarten ist die großzügige Beletage gemeint, heute mit Tiefgarage. Also, bitte Vorurteile über depressive Arbeiterschließfächer in die Tonne treten.

    • Wohneigentum sediert!?
      Und es bedeutet gleichzeitig, dass man Nähe und Begegnung, Vielfalt und Gemeinschaft, Teilen und Selbstbeschränkung nicht erkennt oder schätzt!?

      So eine Cliché-durchsetzte Sichtweise soll dann die Ehrlichkeit sein, nach der sich Leute sehnen?

      Vieleicht ist es an der Zeit für weitere Transformation zusätzlich zu allen technischen Errungenschaften zum ökologischen Bauen, Energieeffizienz, Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen usw.

      Das wird dann mit fundierten Zahlen und Beispielen besser zu unterlegen sein, als mit der Spaltung in
      a) angeblich sedierte, sozial isolierte, zur Selbstbeschränkung unfähige Eigenheimbewohner mit verbündeten Nebelkerzenwerfern
      und
      b) den sich nach Ehrlichkeit, Nähe, Begegnung sowie Teilen sehnenden vermeintlich "anderen Teil der Menschen".
      Wenn diese Sichtweise die Analysen und Empfehlungen prägt, ist das von der dafür notwendigen Neutralität zu weit entfernt.

    • Ich stimme Herrn Leitermann voll und ganz zu, wes Geistes Kind ist Herr Kriese?
      Das aber eigentlich Beängstigende ist, dass dieses Gedankengut sich möglicherweise in einer neu gewählten großen Koalition wiederfindet.

    • Hier ist wieder die linke Denkweise des Sozialismus überdeutlich zu sehen.
      Alles muß gleich sein. Nur die viel Geld haben (auch Politiker) können so leben wie sie wollen. Nur der Rest wird eingezwängt in Etagenwohnung ohne Auslauf mit wenig Freiraum.
      Braucht die Masse ja auch nicht! Siehe DDR und sonstige sozialistische Systeme.
      Ich habe noch niemanden kennengelernt der sehr gern dicht an dicht mit anderen lebt.
      Dabei stellt man fest, dass sich die Leute in den Hochhäusern wenig kennen. Tolles Leben.
      So wie es aussieht freuen sich die linken Parteien schon über die vielen Verbote die man aussprechen will: Auto abschaffen, Reisen mit Flugzeug verbieten, Wohnen wie man möchte, usw. Eine Demokratie der Gängelung ist die Folge. Von wegen persönliche Freiheit. Das ist dann Geschichte!!!

    • Was für ein Unsinn! Jeder Mensch hat das Grundrecht so zu wohnen, wie er es wünscht. Aber nun stellt grüne Ideologie den Energieverbrauch über die Grundrechte. Und denken Sie das Gedankengut weiter, dann ist jeder Mensch nur noch ein Energieverbraucher, den man optimieren muss. Und wann ist der Mensch optimal - d.h. wann verbraucht er am wenigsten? Genau - wenn er tot ist. Und damit sind wir bei den Denkschemen deutscher Diktaturen: was stört muss weg. Deshalb ist diese Denkweise krude und brandgefährlich! Lassen Sie dieses unseligen Reden darüber, wie man wohnen will und wohnen darf! Jeder Demokrat im Land muss unsere Grundrechte wahren und nicht "auf dem Altar der Energieoptimierung opfern". Uns als HB sollten Sie ein wenig besser nachdenken, wen Sie kommentieren lassen!

    • Für Personen mit Normal-Einkommen rechnet sich nur die Etagenwohnung, aber nur als Mieter, schwerlich als Teil-Eigentum. Die Bevölkerung mit Träumen zu versorgen und mit Ängsten zu disziplinieren, ist die Aufgabe der Religionen. Da die Konservativen mit den Religiösen ständig in Bett gehen, wird der Traum vom Eigenheim als Erlösung verkauft und so Wahlen gewonnen. Schöne Welt der Illusionen, die geradewegs in die Altersarmut führt. Im Armuts-Alter ist dann das Beten und Hoffen bezüglich eines schön erfundenen göttlichen Paradieses die letzte Illusion, die verbleibt, während die Mieten steigen.

    • Die gepriesenen "Vorzüge von Nähe und Begegnung" wird so mancher Mieter in Mehrfamilienhäusern als zynisch empfinden.

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