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Gastkommentar – Homo Oeconomicus Die drei wichtigsten Empfehlungen für die Homeoffice-Strategie

Der Wechsel ins Homeoffice ist riskant, kann aber durchaus Vorteile für Unternehmen bieten. Aber nur, wenn man es richtig macht, meint Sarah Spiekermann.
07.04.2021 - 14:21 Uhr Kommentieren
Vorständin des Instituts für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien Quelle: Spiekermann / David Payr
Sarah Spiekermann

Vorständin des Instituts für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien

(Foto: Spiekermann / David Payr )

Seit Ausbruch der Pandemie arbeitet rund ein Drittel aller Europäer von zu Hause aus. Viele Unternehmen überlegen nun, ihre Innenstadtbüros zu verkleinern und mehr Angestellte von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Ist das eine gute Idee?

Ein Blick auf Erfahrungen der IT Branche zeigt, dass das „Homeoffice“ eine riskante Personalstrategie sein kann. So beendete IBM 2017 die lange erprobte Homeoffice-Arbeit für 40 Prozent der Beschäftigten.

Begründet wurde das mit der Erwartung, dass Mitarbeiter Schulter an Schulter kreativer und wirkungsvoller arbeiten. Gute Ideen durch ungeplante Gespräche entstehen nur, wenn Leute physisch zusammenkommen.

Das hatte vor der Pandemie jedoch auch einen Preis: Die Meetings wurden immer länger. Dieser Trend scheint sich bei der Arbeit von zu Hause aus umzukehren.

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    Microsoft fand heraus, dass die Zahl der Sitzungen von über einer Stunde während der Heimarbeit um elf Prozent gesunken ist. Sich länger per Video zu unterhalten ist eben nicht so befriedigend, wie sich persönlich zu sehen. Die Austauscheffizienz steigt im Homeoffice, während die Kreativität leidet.

    Autonomie bei der Homeoffice-Gestaltung

    Wichtig ist für ein Unternehmen beim Nachdenken über die Homeoffice-Strategie daher, welcher dieser beiden Aspekte für den eigenen Betrieb vorrangig ist. Beim Vergleich von Studien zu „Energiegewinn versus Energieverlust durch Digitalisierung“, den wir an der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt haben, fanden wir 18 Untersuchungen zur Erschöpfung von Mitarbeitern durch Arbeitsplatzdigitalisierung.

    Viele Beobachtungen darin zeigen, dass digitalisierte Arbeitsplätze zur Erschöpfung von Mitarbeitern führen können. Problematisch sind danach ständige Unterbrechungen und Erreichbarkeitszwang, sowie Konflikte, die sich durch die Vermengung von privatem und geschäftlichem Bereich ergeben.

    Hilfreich und wichtig ist Autonomie, die eine Firma ihren Mitarbeitern bei der Gestaltung des Homeoffice einräumt. Können diese frei entscheiden, wann sie auf E-Mails antworten, am Rechner sitzen und erreichbar sind, dann sind die Auswirkungen des Homeoffice positiv.

    Nimmt man ihnen diese Autonomie, wie es bei einigen Softwarelösungen für das Personalmanagement geschieht, kann es sich zur schweren Belastung für die Mitarbeitermotivation und den Firmenzusammenhalt entwickeln. Daraus leiten sich Empfehlungen für Homeoffice-Strategien ab:

    • Erreichbarkeitszeiten und -kanäle vereinbaren und einhalten, die einen großzügigen Freizeitbereich einräumen.
    • Von Überwachungs- und Personalbewertungssoftware absehen. Stattdessen den Mitarbeitern vertrauen und ihnen nach Möglichkeit Freiraum geben, sich unbeobachtet selbst zu organisieren.
    • Ausreichend Büroraum erhalten und Regeln vereinbaren, die Mitarbeitern erlauben, regelmäßig ins Büro zu kommen, damit ein gesunder Mix aus Präsenz- und Homeoffice geschaffen wird.


    Mehr: Lesen Sie hier, warum Zur Bewältigung der Coronakrise der Gesundheitssektor verstaatlicht werden sollte

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