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Gastkommentar – Homo oeconomicus Die Inflationsängste von Summers und Sinn sind übertrieben

Es gibt keinen Grund zur Inflationspanik. Die Coronakrise dürfte eher deflationäre Tendenzen fördern, meint Ökonomieprofessor Peter Bofinger.
24.02.2021 - 13:08 Uhr 3 Kommentare
Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
Der Autor

Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

(Foto: SVR)

Spätestens seit den Inflationswarnungen von Larry Summers und Olivier Blanchard geht die Angst vor der Inflation um. „Das Monster kehrt zurück“, titelte eine Tageszeitung. Summers warnte vor Inflationsdruck in einem Ausmaß, „wie wir es seit einer Generation nicht mehr gesehen haben“.

Dabei stellt sich die Frage, was man unter „Inflation“ verstehen soll. Handelt es sich um eine Hyperinflation, die in den 1920er-Jahren Ersparnisse vernichtete und eine Währungsreform erforderte? Hieran scheint Hans-Werner Sinn zu denken: „Es ist zu hoffen, dass es nicht so schlimm kommt wie nach dem Ersten Weltkrieg.“

Unter „Inflation“ kann man Prozesse verstehen, wie sie in den 1970er- und 1980er-Jahren auftraten: In Deutschland erreichte der Preisanstieg Höchstwerte von 7,1 Prozent (1974) und 6,2 Prozent (1981). Oder handelt es sich bereits um „Inflation“, wenn der Anstieg des Verbraucherpreisindexes in diesem Jahr zeitweise über einer Rate von drei Prozent liegen wird? Der von Summers befürchtete Inflationsdruck ist bescheiden: Vor einer Generation, Mitte der 1990er-Jahre, lag die US-Inflation unter drei Prozent.

In Deutschland dürfte die Inflation dieses Jahr temporär die Drei-Prozent-Schwelle überschreiten. Aber das ist weitgehend auf Einmaleffekte zurückzuführen. Die Mehrwertsteuer wurde wieder erhöht, Brennstoffe werden erstmals mit einer CO2-Abgabe belastet, und der Ölpreis hat sich nach dem Einbruch im Frühjahr 2020 deutlich erholt.

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    Können sich daraus Zweitrundeneffekte ergeben, die zu dauerhaft höheren Inflationsraten führen? Dazu müsste es in diesem Jahr zu starken Lohnerhöhungen kommen. Bei der durch die Pandemie bedingt ungünstigen Beschäftigungslage ist dies kaum wahrscheinlich.

    Selbst bei der guten Arbeitsmarktsituation in den 2010er-Jahren war weder in Deutschland noch in anderen großen Volkswirtschaften eine Lohn-Preis-Spirale zu beobachten. Bei den Energiepreisen ist eine anhaltende Verteuerung unwahrscheinlich.

    Die Ölnachfrage dürfte sich aufgrund der Dekarbonisierung und der auch nach der Pandemie reduzierten Mobilität verhalten entwickeln. Die Gefahr, dass es wie in den 1970er- und 1980er-Jahren zu einem Zusammentreffen von Ölpreisschocks und Lohndruck kommt, ist also gering.

    Wie steht es mit der Hyperinflation, vor der Hans-Werner Sinn Ängste schürt? Es sei bereits so viel Zentralbankgeld in Umlauf, dass einem schwindelig werden könne. Relativ zur Wirtschaftsleistung ergebe sich seit 2008 eine Verfünffachung der Geldmenge.

    Doch das Zentralbankgeld ist für die Inflation irrelevant, da es neben dem Bargeld nur das Notenbankguthaben der Banken umfasst. Entscheidend für private Ausgaben sind vielmehr die weitaus höheren Geldbestände privater Haushalte und Unternehmen in Form von Bankeinlagen und Bargeld. Im Euro-Raum ist diese Geldmenge seit 2008 relativ zur Wirtschaftsleistung nur um den Faktor 1,3 gestiegen.

    Also kein Grund zur Inflationspanik. Der von der Pandemie ausgelöste Digitalisierungsschub mit negativen Effekten auf Arbeitsplätze und die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien dürfte eher deflationäre Tendenzen fördern. Das Inflationsmonster ist ein Scheinriese: Je mehr man sich ihm nähert, desto kleiner wird es.
    Mehr: Lesen Sie hier, warum die Inflationsgefahr wächst

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    3 Kommentare zu "Gastkommentar – Homo oeconomicus: Die Inflationsängste von Summers und Sinn sind übertrieben "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich denke, das wir alle aktuell in einem LIVE Experiment leben und es natürlich kein Sinn (LOL) macht, von Inflationspanik zu sprechen. Für mich steht fest, dass die Inflation gerade in anderen Märkten stattfindet und das dem Gesamtsystem wahrscheinlich sogar gut tut. Schauen wir uns nur an, wie die Kryptomärkte gerade laufen und stellen wir uns nur einmal vor, wo dieses Geld hin fließen würde, falls es diese Märkte gar nicht geben würde. Entwicklungsländer, die keine starke Währung haben und nun dem Gelddrucken zu schauen, haben natürlich Angst vor einer Inflation. Diese Länder sind oft Exportländer von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Güter. Hoffen wir mal, dass diese Länder die Preise solcher Güter nicht in die Höhe treiben! Aktuell geht die Rohstoffrallye in eine zweite Phase. Das viele Notenbankgeld wird investiert und wird weiter in diese Märkte fließen. Wie das Experiment ausgeht ist absolut offen. Jeder muss sich aber im klaren darüber sein, dass das viele Geld extreme Konsequenzen haben wird.

    • Sehr guter Kommentar, danke dafür. Natürlich weiß keiner wie es kommen wird und auch die Argumente derjenigen, die einen Nachfrageschub und eine Preisspirale befürchten sind möglich. Aber es ist doch eher wahrscheinlich, dass es nicht ungebremst zu einer das Angebot übersteigenden Nachfrage nach Restaurants, Reisen, Investitionsgütern kommt sondern zu einer etwas verhalteneren Erholung. Und nicht jeder hat viel Geld in der Krise gehortet; im Gegenteil, viele haben auch weniger oder ihr Geld für anderes ausgegeben.

    • Wie wäre es, wenn Herr Bofinger mal selbst einkaufen würde und die Lebensmittelpreisentwicklung in den letzten 12 Monaten vergleichen würde.

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