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Gastkommentar – Homo Oeconomicus Die Sozialpolitik fördert die Ungleichheit, die sie eigentlich bekämpfen will

Höhere Steuern und Vermögensabgaben sind der falsche Weg. Stattdessen sollte es Programme zum Vermögensaufbau in der breiten Bevölkerung geben, meint Daniel Stelter.
20.07.2021 - 10:10 Uhr 2 Kommentare
In der Immobilienpolitik zeigen sich die Widersprüche deutscher Sozialpolitik. Quelle: imago/Christian Mang
Kundgebung gegen Immobilienbesitzer

In der Immobilienpolitik zeigen sich die Widersprüche deutscher Sozialpolitik.

(Foto: imago/Christian Mang)

Die Bundestagswahl naht, und die Parteien des linken Spektrums überbieten sich mit Forderungen nach höheren Abgaben für die „Reichen“. Diese sollten, so die Argumentation, endlich einen höheren Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten. Getragen wird die Argumentation von einem weit verbreiteten Gefühl in der Bevölkerung, dass es in Deutschland immer ungerechter zuginge.

Doch ist dem so? Und vor allem: Was wäre zu tun? Mit Blick auf die Verteilung der Einkommen lässt sich feststellen, dass der Sozialstaat funktioniert. Während sich die Markteinkommen in den vergangenen Jahrzehnten auseinanderentwickelt haben – vor allem, weil es gelungen ist, immer mehr Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren –, blieb die Verteilung der verfügbaren Einkommen nach Abgaben und Transfers stabil.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland eines der Länder mit der geringsten Ungleichheit bei den verfügbaren Einkommen. Ganz anders sieht es bei den Vermögen aus. Hier liegt Deutschland mit einem Gini-Koeffizienten, einem Maß zur Messung der Ungleichheit, von 0,82 in einer Spitzengruppe mit Ländern wie den USA und Russland. Ein Gini-Koeffizient von 1 wird erreicht, wenn eine Person alles hat.

Die große Vermögensungleichheit ist Grund genug für viele Politiker, nach einer höheren Besteuerung zu rufen, bis hin zu Vermögensabgaben. Dies ist jedoch das falsche Rezept.

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    Zunächst können wir feststellen, dass Staaten mit ähnlich gut ausgebautem Sozialsystem wie die Niederlande, Schweden und Dänemark eine noch höhere Vermögenskonzentration aufweisen. Dies ist nachvollziehbar, reduziert der Sozialstaat doch die Notwendigkeit der privaten Vorsorge.

    Deutschland hat weniger Vermögen als andere Länder

    Bezieht man in Deutschland die Renten- und Pensionsansprüche der Bürger bei der Bemessung der Vermögen mit ein, sinkt der Gini-Koeffizient nach Berechnungen des Ifo-Instituts auf einen Wert von 0,53. Damit ist Deutschland auch bei den Vermögen eines der „gleichsten“ Länder der Welt.

    Daniel Stelter, Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums beyond the obvious Quelle: Robert Recker/ Berlin
    Der Autor

    Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums beyond the obvious, Unternehmensberater und Autor. Jeden Sonntag geht auf www.think-bto.com sein Podcast online.

    (Foto: Robert Recker/ Berlin)

    Ein weiterer Aspekt sollte uns zu denken geben. Relativ zur Wirtschaftsleistung haben die deutschen Privathaushalte deutlich weniger Vermögen als die Bürger der meisten anderen Euro-Länder.

    Die Deutschen haben pro Kopf beeindruckende 48.000 bis 83.000 Euro weniger Privatvermögen als Franzosen und Italiener. An diesem Rückstand würde sich auch nichts ändern, wenn wir die Vermögen umverteilen würden.

    Unsere Reichen sind im internationalen Vergleich nicht besonders reich. Nach Erhebungen der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen die Top zehn Prozent der Vermögenden mit 861.500 Euro nur geringfügig vor den Reichen in Spanien und Frankreich.

    Ganz anders die Gruppe der 20 bis 40 Prozent der Ärmsten: Diese haben in Deutschland ein Vermögen von nur 11.900 Euro. In Spanien, Italien und Frankreich verfügt diese Gruppe über ein zwei- bis gut viermal so hohes Vermögen.

    Mehr zum Thema:

    Programm für mehr Vermögensbildung notwendig

    Offensichtlich brauchen wir ein Programm für mehr Vermögensbildung in der breiten Bevölkerung. Das beginnt tatsächlich mit der Qualifikation in Finanzfragen. Solange sich die Bildungslücke darin manifestiert, dass die Mehrzahl der Bürger Sparbuch und Lebensversicherung für die beste Kapitalanlageform hält, werden wir die Vermögenslücke nicht schließen können. Ebenso wichtig ist der Zugang zu kostengünstigen Anlageformen. Hier könnten wir uns ein Beispiel an der schwedischen Aktienrente nehmen.

    Grafik

    Immobilieneigentum ist der statistisch entscheidende Faktor, um den Unterschied im Vermögen zu den Nachbarländern zu erklären. Der Staat sollte den Erwerb von Eigentum erleichtern, zum Beispiel durch die Abschaffung der Grunderwerbsteuer für selbst genutzte Immobilien und finanzielle Förderung für Mieter, die die eigene Wohnung kaufen.

    Leider verfolgt die Politik – getrieben von den Parteien, die die Ungleichheit am lautesten beklagen – genau die gegenteilige Strategie: Immer höhere Abgaben, Überlegungen, auch Selbstständige zur Finanzierung der Renten heranzuziehen, Begrenzung und Verteuerung des Neubaus von Wohnungen durch immer mehr Auflagen, das Verbot, Wohnungen in Eigentumswohnungen umzuwandeln, werden dazu führen, dass wir in einigen Jahren eine noch größere Ungleichheit beklagen. Nicht weil die Reichen so viel reicher geworden sind, sondern weil die breite Masse noch weniger hat als heute.

    Studien zeigen, dass höhere Vermögen mit einer größeren Zufriedenheit der Bürger einhergehen. Auch Menschen mit geringem Einkommen sind zufriedener, sobald sie über Vermögen verfügen. Politik, die sich zum Ziel setzt, dass es allen bessergeht, sollte hier ansetzen: Mehr Vermögen für alle!

    Mehr: Vermögensverteilung in Deutschland: Weniger ungleich als gedacht

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    2 Kommentare zu "Gastkommentar – Homo Oeconomicus: Die Sozialpolitik fördert die Ungleichheit, die sie eigentlich bekämpfen will"

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    • Gift für Vermögensaufbau sind hohe Mieten. Viel mehr Menschen müssen am Immo-Eigentum beteiligt werden. Die EZB könnte nun ins Spiel kommen und den Genossenschaftsbau fördern, ohne die kapitalistischen Marktmechanismen zu verletzen. Sozialismus-Geschrei erübrigt sich. Szenario: Die EZB begibt mit einem Sonder-Programm Kredite an Baugenossenschaften im Euroraum. Es werden damit moderne Wohnungen gebaut, jedoch nur von Genossenschaften, da diese im Normalfall kein Spekulations-Interesse haben. Wichtig, Zinsen Null. Hypothekenlaufzeit 70-80 Jahre, so rechnet ein Gutachter bezüglich der gewöhnlichen Nutzungsdauer einer Wohnimmobilie. Nicht zu verwechseln mit der Dauer der Standzeit der Struktur (Beton, Steine) einer Immobilie, die deutlich länger ist. Sogar mit einer niedrigen Kaltmiete kann man bequem die Hypothek abtragen. Eine milde Inflation von jährlich 2% und eine Einkommenssteigerung von jährlich 2% helfen enorm, die Last einer Nominalen-Hypothek abzutragen. Die gefürchtete Zinseszins-Falle ist ausgeschlossen. Man stelle sich die Graphik dazu vor, eine Linie steigend, die andere fallend. Aufpassen - keine Finanzierung seitens der EZB von "Hänsel-Gretel-Knusperhäuschen", sondern nur modernste preiswerte Geschossbauweise mit sieben Stockwerken und großen Familienwohnungen, den der Großteil der Bevölkerung benötigt. Die "armen" Banken verdienen nun nichts mehr durch das Privileg der Geldschöpfung, da Geldschöpfung durch die EZB erfolgt. Banken bekommen aber etwas Brosamen. Brosamen für die Armen, das steht schon in der Märchen-Bibel, die Brosamen sind diesmal Bearbeitungsgebühren und gelten als sichere Einnahmen für die Banken, womit sich allerdings 14 Monats-Gehälter nicht mehr finanzieren lassen. Kluge Strategien sind gefragt. Die EZB sollte ermächtigt werden, die Finanzierung zu gewährleisten, es ist Geld, das aus dem Nichts geschöpft wird und Wohlstand erzeugt. Die Genossenschafts-Kredite sind mit Hypotheken besichert.

    • Typisches Lobbyistengeschwätz, überflüssig wie ein Kropf.

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