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Gastkommentar – Homo oeconomicus Eine Reform der Minijobs würde gegen den Fachkräftemangel helfen

Viele gut qualifizierte Frauen stecken in der Minijobfalle, die ihnen mit Sonderregelungen bei Steuern und Abgaben gestellt wurde, beklagt Uta Meier-Gräwe.
26.02.2021 - 12:59 Uhr Kommentieren
Soziologin Uta Meier-Gräwe Quelle: Gleichstellungsbüro Freiburg
Uta Meier-Gräwe

Uta Meier-Gräwe war bis 2018 Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Beraterin der Bundesregierung.

(Foto: Gleichstellungsbüro Freiburg)

Von einer „Milchmädchenrechnung“ wird gesprochen, wenn sich eine zunächst naheliegend erscheinende Problemlösung als Eigentor erweist. Der stets rational handelnde, allseits informierte und auf persönliche Nutzenmaximierung setzende „Homo oeconomicus“ ist davor gefeit. Der reale Mensch nicht.

Ein Beispiel: 2003 wurden in Deutschland steuer- und abgabenbefreite Minijobs eingeführt, vor allem, damit Unternehmen auf Auftragsspitzen flexibel reagieren können. Die Mehrheit der 4,7 Millionen Menschen in Deutschland mit einem Minijob sind Frauen.

Nicht erst in der Corona-Pandemie werden die offensichtlichen Nachteile dieser Beschäftigungsform deutlich: Obwohl es sich um legale und staatlich geförderte Jobs handelt, haben die allein in der ersten Corona-Welle entlassenen 850.000 Minijobberinnen und Minijobber keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Doch auch, wenn eine Minijobberin ab ihrem 35. Lebensjahr bis zum Rentenalter durchgängig einen 400-Euro-Job ausübt, erzielt sie darüber einen Rentenanspruch von lediglich 142 Euro.

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    Altersarmut ist im Fall von Trennung und Scheidung vorprogrammiert, obwohl Frauen ja in all diesen Jahren auch noch die unbezahlte Sorgearbeit für ihre Männer und Kinder geschultert haben.

    Insbesondere Zweitverdienerinnen sitzen in der Minijobfalle: Eine verheiratete Mutter mit zwei Kindern und Ehemann mit 48.000 Euro Jahreseinkommen erzielt in einem Minijob mit 10,4 Stunden pro Woche und Bruttoverdienst zehn Euro pro Stunde 5.400 Euro im Jahr.

    Bei einem Wechsel in einen regulären 20-Wochenstunden-Teilzeitjob erhöht sich das Familiennettoeinkommen aufgrund der Steuer- und Abgabenlast um gerade einmal 893 Euro zusätzlich pro Jahr. Dass sich das nicht rechnet, versteht jedes „Milchmädchen“ und bleibt im Minijob.

    Trugschluss Brückenfunktion

    Arbeitgeber klagen über fehlende Fachkräfte, ein Mangel, der sich noch zuspitzen wird, vor allem auch im Bereich Bildung, Gesundheit und Sozialarbeit, in dem 29 Prozent aller Minijobber und Minijobberinnen tätig sind. Die meisten von ihnen sind Mütter, verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder haben ein Studium absolviert.

    Auch im Einzelhandel fehlt Personal. So berichtet ein Familienunternehmer der Rewe-Handelskette, der seine Minijobberinnen zum Umstieg in einen sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjob ermutigte, dass sich viele gern auf dieses Angebot eingelassen haben.

    Die Frauen gewannen an Selbstbewusstsein, einige konnten in ihren Abteilungen sogar leitende Funktionen übernehmen. Als sie aber feststellten, wie wenig zusätzliches Geld durch die aufgestockte Arbeitszeit bei ihnen letztlich ankam, wechselten einige der Frauen zurück in den Minijob.
    Anstatt Frauen also weiter vorzugaukeln, Minijobs hätten eine Brückenfunktion in den ersten Arbeitsmarkt, gibt es dringenden Reformbedarf. Die Sonderstellung von Minijobs bei Steuern und Sozialabgaben sollte fallen, Steuerklasse V sollte abgeschafft werden zugunsten des Modells mit zweimal Steuerklasse IV.

    Mehr: Wenn sich (Mehr-)Arbeit nicht lohnt.

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