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Gastkommentar – Homo oeconomicus Es gibt keinen Grund zur Zinspanik in Europa

In den USA sind die Bedingungen für deutlich steigende Leitzinsen gegeben. Davon ist der Euro-Raum noch weit entfernt, analysiert Peter Bofinger.
18.05.2021 - 14:37 Uhr Kommentieren
Durch ungewöhnlich hohe Anleiheankaufprogramme der Notenbanken wurde es ermöglicht, dass die staatliche Kreditaufnahme nicht zu Finanzierungsengpässen und steigenden Zinsen führte. Quelle: dpa
Europäische Zentralbank (EZB)

Durch ungewöhnlich hohe Anleiheankaufprogramme der Notenbanken wurde es ermöglicht, dass die staatliche Kreditaufnahme nicht zu Finanzierungsengpässen und steigenden Zinsen führte.

(Foto: dpa)

Als vor einigen Jahren die „Modern Monetary Theory“ (MMT) in die öffentliche Diskussion kam, wurde sie von prominenten keynesianischen US-Ökonomen heftig kritisiert. Sie sei das Rezept für ein Desaster, meinte Larry Summers. Kenneth Rogoff sprach von „Modern Monetary Nonsense“.

Worum geht es bei MMT? Die Kernaussage besteht darin, dass es in großen Volkswirtschaften keine finanzielle Restriktion für den Staat gibt. Es ist ein Argument, das so in der traditionellen Makroökonomie nicht zu finden ist. Das heißt aber nicht, dass der Staat frei schalten und walten kann.

Abba Lerner (1903–1982), der gedankliche Vater der MMT, hat deutlich gemacht, dass der Staat immer darauf zu achten hat, dass in der Gesamtwirtschaft Angebot und Nachfrage zusammenpassen. Sonst komme es entweder zu Arbeitslosigkeit oder zu Inflation. In der Form der real verfügbaren Ressourcen besteht also stets eine Restriktion für den Staat.

In der Pandemie lässt sich MMT in Reinkultur beobachten. Mit massiven Hilfsprogrammen haben die Staaten dafür gesorgt, dass eine Deflation vermieden werden konnte. Durch ungewöhnlich hohe Anleiheankaufprogramme der Notenbanken wurde es ermöglicht, dass die staatliche Kreditaufnahme nicht zu Finanzierungsengpässen und steigenden Zinsen führte. Das dies nicht selbstverständlich ist, zeigt das passive Verhalten der EZB in der Finanzkrise, das zur Euro-Krise geführt hat.

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    Dabei ist nicht entscheidend, ob sich der Staat direkt bei der Notenbank verschuldet. Es kommt auf das Gleiche heraus, wenn sich der Staat das Geld durch den Verkauf von Anleihen an Geschäftsbanken beschafft, die diese dann an die Notenbank weiterverkaufen.

    Während MMT in der Krise gut funktioniert hat, stellt sich nun zunehmend die Frage, ob es mit der Normalisierung der Wirtschaft nicht zu den inflationären Tendenzen kommen wird, die Kritiker wie Summers und Rogoff beschworen haben. Bei den enorm hochdosierten Programmen der US-Regierung ist das viel wahrscheinlicher als bei den bescheideneren im Euro-Raum.

    Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
    Der Autor

    Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

    (Foto: SVR)

    Nach der MMT-Logik müsste US-Präsident Joe Biden bei steigender Inflation auf die Bremse treten. Das ist jedoch kaum wahrscheinlich. Es wird also spannend, wie sich die US-Notenbank verhalten wird, wenn die Inflation, die schon jetzt bei 4,2 Prozent liegt, auf diesem Niveau verharrt oder noch weiter ansteigt. Nach ihrer neuen Strategie ist die US-Notenbank bereit, für eine gewisse Zeit eine „moderat“ über zwei Prozent liegende Rate zu tolerieren. Werte von über vier Prozent sind damit nicht vereinbar.

    Die Marktteilnehmer sollten sich daher auf steigende Leitzinsen einstellen. Nach allen Prognosen wird die US-Konjunktur brummen und im Jahr 2022 nahezu Vollbeschäftigung erreicht sein. Dazu würde ein Leitzins von zwei Prozent durchaus passen.
    Davon ist der Euro-Raum noch weit entfernt. Die Erfahrung zeigt zudem, dass sich die Zinsen im Euro-Raum durchaus von den US-Zinsen abkoppeln können. Also kein Grund zur Panik.

    Mehr: Das Ende der Minuszinsen für Bundesanleihen ist absehbar

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