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Gastkommentar – Homo oeconomicus London ist von einer Stadt zu einem spekulativen Vermögenswert geworden

Märkte, die sich selbst überlassen werden, werden von Anlegern gekapert. Ihre Einkommen gehen auf Kosten von Menschen, die arbeiten, mahnt Cory Doctorow.
12.02.2021 - 10:01 Uhr 2 Kommentare
Cory Doctorow ist Science-Fiction-Autor und Journalist. 2019 erschien von ihm „Wie man einen Toaster überlistet“. Quelle: imago/Christian Mang
Cory Doctorow

Cory Doctorow ist Science-Fiction-Autor und Journalist. 2019 erschien von ihm „Wie man einen Toaster überlistet“.

(Foto: imago/Christian Mang)

Wenn Sie den Ausdruck „freier Markt“ hören, denken Sie wahrscheinlich an einen Markt, der frei von Regulierung ist, aber das ist das Gegenteil der ursprünglichen Bedeutung des Ausdrucks. Adam Smith benutzte den Begriff, um einen Markt zu beschreiben, der frei von „ökonomischen Renten“ ist – Geld, das durch den Besitz von Dingen verdient wird anstatt durch das Tun von Dingen. Smith erkannte, dass Märkte Rentiers anziehen, die versuchen, Reichtum abzuschöpfen, indem sie Geld anlegen, anstatt zu bauen und zu tun.

Das bedeutete, dass die Märkte in Abwesenheit von robusten staatlichen Vorgaben immer unfreier wurden – immer abhängiger von den Launen der Anleger, die ihr Geld zu vermehren suchten, indem sie Zollschranken zwischen verschiedenen Teilen der produktiven Wirtschaft errichteten.

Für Smith waren Märkte nur frei, wenn sie reguliert wurden. Aber das ist das Gegenteil von dem, was wir heute über freie Märkte sagen. Heute ist ein freier Markt ein Markt, auf dem man frei ist, Mieten zu kassieren – passives Einkommen aus dem Besitz von Dingen, auf Kosten von Menschen, die Dinge tun.

Das gilt besonders, wenn wir über tatsächliche Mieten für Wohnungen sprechen, die Menschen zum Überleben und Produzieren brauchen. Die primäre Rolle des Wohnraums besteht heute darin, als eine profitable Anlageklasse zu dienen, nicht als ein grundlegendes Menschenrecht.

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    London ist der „Ground Zero“ für die Umwandlung des Wohnraums von einem Menschenrecht in einen spekulativen Vermögenswert, eine Stadt im Krieg mit sich selbst, gefüllt wie mit leeren Schließfächern im Himmel. Währenddessen müssen sich produktive Arbeiter – die „essenziellen Arbeiter“ der Pandemie – in überbelegte Wohnungen minderer Qualität quetschen.

    Die Umwidmung Londons in einen handelbaren Vermögenswert war vorsätzlich

    Die Umwandlung Londons von einer Stadt in einen Vermögenswert war enorm profitabel, vor allem für „Offshore-Investoren“, insbesondere für Kriminelle, die von Londons Schein der Seriosität angezogen wurden. Der ermöglicht es ihnen, ihre Beute durch Immobilienverkäufe in legitime Einnahmen umzuwandeln.

    Die Umwidmung Londons in einen handelbaren Vermögenswert war ein vorsätzliches Projekt. Es begann mit der Zerstörung des öffentlichen sozialen Wohnungsbaus durch Thatchers Recht-zu-kaufen-Programm, das Menschen mit geringem Einkommen den Zugeständnissen privater Vermieter und Bauträger auslieferte.

    Schon vor Thatcher betrieben Tory-Gemeinderäte wie der in Wandsworth eine Gentrifizierung, indem sie Sozialwohnungen zugunsten gewinnorientierter Projekte auflösten, mit dem ausdrücklichen Ziel, die Labour-Wähler unter den Arbeitern durch den Tory-Großgrundbesitzer zu ersetzen.

    Jahrzehnte später sind Londons Immobilienmärkte schlichtweg unfrei, dominiert von Rentiers, die den Markt für Luxusimmobilien massiv überversorgt haben und schließlich in der Täuschung Zuflucht suchten. Sie boten dieselbe Immobilie alle paar Tage neu an, um es so aussehen zu lassen, als würde der Markt florieren.

    Der Autor ist Science-Fiction-Autor und Journalist.

    Mehr: Wir sollten leistungslose Einkommen statt Leistung besteuern

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    2 Kommentare zu "Gastkommentar – Homo oeconomicus: London ist von einer Stadt zu einem spekulativen Vermögenswert geworden"

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    • Home-Office wird für Entspannung sorgen.

    • Den Hohepriestern der Marktwirtschaft sehr zur Lektüre empfohlen.

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