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Gastkommentar - Homo oeconomicus Mehr Frauen in Vorständen: Das neue Gesetz hat nur Symbolcharakter

Mit dem Führungspositionengesetz II will die Bundesregierung für mehr weibliche Macht in Vorständen sorgen. Sie lässt den Unternehmen dafür aber sehr viel Zeit, kritisiert Philine Erfurt Sandhu.
11.06.2021 - 13:50 Uhr 1 Kommentar
Philine Erfurt Sandhu ist Dozentin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Quelle: Pressefoto
Die Autorin

Philine Erfurt Sandhu ist Dozentin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin.

(Foto: Pressefoto)

Der Bundestag hat nach monatelanger Verhandlung das Führungspositionengesetz II verabschiedet. Die Geschlechterquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten von gut 100 Unternehmen bleibt dadurch weitestgehend unverändert.

Die Ausweitung zielt vor allem auf die bisher noch stärker männerdominierten Vorstände ab: In Gremien ab vier Mitgliedern soll zukünftig mindestens eine Frau vertreten sein. Das klingt auf den ersten Blick wie ein Durchbruch. Blickt man jedoch ins Kleingedruckte, zeigt sich, dass das Gesetz nur Symbolcharakter hat.

Zunächst einmal ist festzustellen: Bis 2027 könnte alles beim Alten bleiben. Kein Vorstandsgremium wird bis dahin durch das Gesetz gezwungen, sich für eine Frau zu öffnen. Denn es gilt ab Inkrafttreten zunächst eine Übergangsfrist von 12 Monaten, bis das Gesetz tatsächlich bei Neubesetzungen von Vorstandspositionen berücksichtigt werden muss.

Zudem sind laufende Vorstandsverträge nicht betroffen. Würden also in den nächsten zwölf Monaten alle Verträge um fünf Jahre verlängert, zögen erst in sechs Jahren verstärkt die Frauen in die Vorstände ein.

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    Jedoch lässt sich von einer augenfälligen Verstärkung von Frauen genau genommen ohnehin nicht sprechen. Für die Vorstände gilt eine Mindestbesetzung – keine Quote. Ein größeres Vorstandsgremium von zehn Personen käme mit einer Frau nur auf einen Frauenanteil von schmalen zehn Prozent. Diese eine Frau wird kaum den Kulturveränderungsprozess einleiten, den sich so viele durch das Gesetz erhoffen.

    Männer müssen nicht um ihre Position fürchten

    Hinzu kommt, dass die Mindestbesetzung nur für die 74 Unternehmen in Deutschland gilt, die neben einem größeren Vorstandsgremium auch börsennotiert und paritätisch mitbestimmt sind. Für die kleineren Vorstände ist weiterhin die Zielgröße null zulässig. Diese Unternehmen können weiterhin mit null Frauen in ihren Vorständen planen, was dem aktuellen Women-on-Board-Index zufolge mehr als die Hälfte von ihnen auch tut.

    Die gute Nachricht für alle Männer in Spitzenpositionen ist deshalb: Sie müssen nicht um ihre Position fürchten, sie brauchen ihren Platz nicht für eine Frau zu räumen. Alles darf erst einmal beim Alten bleiben. Same old, same old. Bei genauem Hinschauen zeigt sich, dass das vermeintlich harte Gesetz eigentlich sehr weich ist.

    Deutlichere Vorgaben hätten einem Land wie Deutschland jetzt gutgetan. In unserer regelgeleiteten Kultur sind es eher Gesetze, die den Anstoß zur Veränderung geben. Während in anderen Ländern Selbstverpflichtungen viel besser funktionieren, wird hierzulande zu wenig aus eigenem Antrieb heraus gehandelt. Im Vergleich zu westlichen Industrieländern werden wir in Sachen Gender-Diversity wohl noch weiter zurückfallen.

    Mehr: Was gute Unternehmensführung ist, sollten nicht allein Blackrock und Co. entscheiden.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar - Homo oeconomicus: Mehr Frauen in Vorständen: Das neue Gesetz hat nur Symbolcharakter"

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    • Keine Quote! Nur eine Mindestbesetzung.

      Wann kommt die Mindestbesetzung mit Behinderten?

      Wann kommt die Mindestbesetzung mit Menschen mit Migrationshintergrund?

      Quo vadis alemania?

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