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Gastkommentar – Homo oeconomicus Ohne CO2-Speicherung schaffen wir Klimaneutralität nicht

Claudia Kemfert bezeichnet Klimaneutralität als „Buzzword im fossilen Marketingsumpf“. Dieser Fokus verdeckt aber die viel wichtigeren Perspektiven des Themas, meint Oliver Geden.
19.03.2021 - 12:26 Uhr 1 Kommentar
Was „Klimaneutralität“ regulatorisch bedeutet, ist in Deutschland und in der EU bislang also noch gar nicht festgelegt. Quelle: dpa
Uniper Kraftwerk

Was „Klimaneutralität“ regulatorisch bedeutet, ist in Deutschland und in der EU bislang also noch gar nicht festgelegt.

(Foto: dpa)

„Plötzlich ist alles klimaneutral“, wunderte sich Claudia Kemfert vergangene Woche an dieser Stelle und konstatierte, der einstmals sinnvolle Begriff sei als Buzzword im fossilen Marketingsumpf gelandet.

Wohl wahr. Aber werden mit dem Label Klimaneutralität wirklich nur „Mogelpackungen verkauft, die uns von einer klimagerechten Welt entfernen“ – etwa eine Verlagerung der Probleme durch die Abscheidung und Speicherung von CO2? Keineswegs.

Auf Unternehmensebene ist „Klimaneutralität“ tatsächlich oft nicht mehr als PR, vor allem, wenn sie schon für die 2020er-Jahre angekündigt wird. Geschäftsmodelle und Produktionsmethoden lassen sich nicht einfach über Nacht umstellen.

Meist werden einfach nur „Offsets“ zugekauft, Klimaschutzzertifikate oft fragwürdiger Qualität und zweifelhafter Herkunft. So können sich selbst Billigfluggesellschaften auf dem Papier schon heute klimaneutral rechnen. Der Fokus auf fragwürdige Unternehmenspraktiken verdeckt aber die viel wichtigeren Perspektiven auf Klimaneutralität, die globale und die europäische.

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    Klimawissenschaftlich ist es geboten, den globalen Temperaturanstieg zu stoppen und danach wohl auch wieder umzukehren. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen in der zweiten Jahrhunderthälfte auf „netto null“ gedrückt werden. Klimapolitisch ist dies nicht nur im Pariser Abkommen verankert. Es ist auch der Grund, warum sich die EU-Staats- und -Regierungschefs darauf verständigt haben, Europa bis 2050 klimaneutral machen zu wollen.

    Oliver Geden ist Senior Fellow der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und Leitautor des nächsten IPPC-Berichts. Quelle: Pressefoto
    Der Autor

    Oliver Geden ist Senior Fellow der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und Leitautor des nächsten IPPC-Berichts.

    (Foto: Pressefoto)

    In den kommenden Jahren geht es nun schlichtweg darum, diese politische Vorgabe in EU-Recht zu übersetzen – beim EU-Klimagesetz, beim Emissionshandel, im Verkehr oder in der Land- und Forstwirtschaft.

    Was absehbar das größte Konfliktfeld ist

    Was „Klimaneutralität“ regulatorisch bedeutet, ist in Deutschland und in der EU bislang also noch gar nicht festgelegt. Wenn man die Priorität mit guten Gründen auf Emissionsvermeidung legen und zugleich die Anrechenbarkeit von Offsets oder Aufforstungsmaßnahmen beschränken will, dann muss man Einfluss auf die anstehenden europäischen Verhandlungen nehmen.

    Das absehbar größte Konfliktfeld liegt bei den noch zulässigen „Residualemissionen“. Das betrifft alle Produktionsprozesse, bei denen sich Treibhausgase nach heutigem Wissen nicht komplett eliminieren lassen – etwa Prozessemissionen bei der Herstellung von Zement, aber auch Methan und Lachgas in der Landwirtschaft. Die hierzulande nicht nur von Claudia Kemfert verfochtene Vision einer vollständig auf Erneuerbaren basierenden Energieversorgung geht über diesen Teil des Problems leichtfertig hinweg.

    Die Berichte des Weltklimarats IPCC und alle seriösen Studien gehen davon aus, dass ein großer Teil der Emissionen technisch nicht vermieden und nur dadurch neutralisiert werden kann, dass Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gezogen werden – auch mittels technischer Verfahren und geologischer Speicherung. Das CO2-Speicherung gefährlich und unerprobt sei, stimmt nicht. Weltweit gibt es mehr als zwanzig kommerziell betriebene Anlagen, die einwandfrei funktionieren.
    Mehr: Lesen Sie hier, warum Norwegen um deutschen Kohlendioxid buhlt.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar – Homo oeconomicus: Ohne CO2-Speicherung schaffen wir Klimaneutralität nicht "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Aufforstung von Teilen Afrikas würde, bezüglich CO2-Speicherung, am meisten bringen, denn Bäume arbeiten an der CO2-Speicherung, hauptberuflich, ganztags, 7-Tagewoche, im gnadenlosen Eigen-Interesse (Wachstum). Das wäre auch kapitalistisch betrachtet astrein, denn mit Bäumen würde man massenhaft grüne Klein-Kapitalisten erschaffen, sprich Bäume, die ganz im kapitalistischen Eigeninteresse sich optimieren durch Wachstum an Holz, Blättern und Früchten (Essen) und dabei in Neben-Betrieb noch CO2 binden. Dabei auch noch im Wettbewerb mit anderen Bäumen stehen, also auch noch der heilige Wettbewerb würde in Szene gesetzt werden. Hallo Österreichische Schule der Markt-Radikalen, gefällt euch vermutlich ! ! In nicht wenigen Teilen Afrikas hat leider die einheimische Bevölkerung durch unsinniges Tun jede Menge Bäume abgeholzt, Hölzer exportiert und den Rest überwiegend für Feuerholz verbraucht. Nun droht Versteppung und Hunger und Flucht in den Sozial-Staats-Glas-Palast, genannt Europa. Mit Aufforstung nebst Bewachung könnte Europa in Afrika einiges bewirken und die CO2-Reduktions-Bilanz verbessern. Sogar der Kapitalismus wäre gerettet, das bisher angeblich beste System von Wirtschaft. Nur den Linken, den Jubel-Sozialisten, gefällt das vermutlich gar nicht, denn man kann diese vielen, vielen Klein-Kapitalisten (Bäume) nicht enteignen und zwangsweise in einen Baumsozialismus überführen. Kein bonziger Partei-Sekretär kann die Bäume hinterhältig verführen hin zu einem System-Sturz mit der Folge von Mangelwirtschaft mit angeschlossener Diktatur. Es lebe der Baum-Kapitalismus in Afrika, mit Milliarden von grünen Klein-Kapitalisten in Form von neu zu pflanzenden Bäumen. Und unerwünschte Migranten könnte man grünen Herzens zurück nach Afrika schicken.

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