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Gastkommentar – Homo oeconomicus USA eilen Europa dank mutiger Fiskalpolitik weit voraus

Die USA kümmern sich mit Stabilisierungsprogrammen um die Wiederbelebung der Wirtschaft. In der EU hingegen sorgt man sich um die Gefahren dieser Politik, moniert Peter Bofinger.
23.03.2021 - 13:56 Uhr 1 Kommentar
Die massiven Fiskalimpulse der Vereinigten Staaten spiegeln sich in hohen Haushaltsdefiziten von 17,5 Prozent im Jahr 2020 und 11,8 Prozent im Jahr 2021 wider. Quelle: dpa
Sonnenaufgang in Washington

Die massiven Fiskalimpulse der Vereinigten Staaten spiegeln sich in hohen Haushaltsdefiziten von 17,5 Prozent im Jahr 2020 und 11,8 Prozent im Jahr 2021 wider.

(Foto: dpa)

Nach der jüngsten Prognose des Industrieländerclubs OECD wird die Wirtschaftsleistung der USA 2022 bereits um sechs Prozent über dem Niveau von 2019 liegen. Demgegenüber werde sie im Euro-Raum und in Deutschland nur um ein Prozent über das Vorkrisenniveau hinausgehen. In Spanien und Italien, die besonders stark unter der Pandemie leiden, wird die wirtschaftliche Aktivität dieser Prognose zufolge sogar um rund 1,5 Prozent geringer sein als 2019.

Eine zentrale Ursache für die Diskrepanz ist die Fiskalpolitik. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds, die alle haushaltswirksamen Stabilisierungsmaßnahmen bis Ende 2020 umfassen, liegen die Vereinigten Staaten mit einem Volumen von 16,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Spitzenfeld. Deutschland kommt auf 11,0 Prozent, in Spanien und Italien sind es nur 4,1 Prozent und 6,8 Prozent.

Die massiven Fiskalimpulse der Vereinigten Staaten spiegeln sich in hohen Haushaltsdefiziten von 17,5 Prozent im Jahr 2020 und 11,8 Prozent im Jahr 2021 wider. Das ist das Doppelte der Defizite des Euro-Raums von 8,4 Prozent und 5,9 Prozent.

In diesen Zahlen ist das Programm von Präsident Biden noch nicht einmal enthalten, das ein Volumen von 1.9 Billionen Dollar oder rund neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Ein Kernelement ist dabei eine Einmalzahlung von 1400 Dollar an Alleinstehende und 2.800 an Ehepaare bis zu Einkommen von 75.000 beziehungsweise 150.000 Dollar.

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    In Deutschland macht man sich vor allem Gedanken über die Inflationsgefahren dieser Politik. Aber man stellt nicht die Frage, ob nicht auch die Währungsunion stärkere Fiskalimpulse benötigt und man dabei den Ländern helfen sollte, die sich aufgrund ihrer hohen Verschuldung nicht in der Lage sehen, die heimische Wirtschaft angemessen zu unterstützen.

    Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
    Der Autor

    Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

    (Foto: SVR)

    Zu Beginn der Pandemie wurden viele Vorschläge unterbreitet, gemeinschaftliche Finanzierungsmöglichkeiten zur Krisenbewältigung zu schaffen. Dem hat der Europäische Rat mit dem im Juli 2020 beschlossenen solidarischen Wiederaufbaufonds entsprochen. Allerdings ist das Volumen der direkten Zuschüsse im Vergleich zu den USA mit einem Wert von knapp drei Prozent der Wirtschaftsleistung bescheiden ausgefallen.

    Bei der ungewissen Fortdauer des Lockdowns und der viel geringeren Impfaktivitäten in Europa ist es gefährlich, wenn sich die europäischen Politiker zurücklehnen im Glauben, man habe mit dem Fonds auf der europäischen Ebene bereits alles Notwendige getan.

    Die Entscheidungsprozeduren der EU sind äußerst langsam. Man sollte deshalb die Diskussion über die Notwendigkeit weiterer gemeinsamer Stabilisierungsmaßnahmen und das dafür erforderliche Finanzierungsinstrument so schnell wie möglich beginnen.

    Die Gefahr ist sonst groß, dass wir ähnlich wie bei den Impfstoffen früher oder später erkennen, dass es die Vereinigten Staaten einfach besser können als die EU. Das wäre nicht nur schlecht für die Wirtschaft, politisch würde es das Ansehen Europas noch weiter beschädigen.
    Mehr: Nicht am falschen Ende sparen – das muss Europas Lehre aus der Pandemie sein.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar – Homo oeconomicus: USA eilen Europa dank mutiger Fiskalpolitik weit voraus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Meines Eachtens ist schon erklärungsbedürftig , weshalb ein Mehr an Fiskalpaket ein Mehr an Wirtschaftsleistung bedingt und Inflationsbedenken nicht ins Gewicht fallen sollen. Sicher ist nur, dass die Schulden irgendwann bedient werden müssen und dann stellt sich die Frage, ob der Staat das Geld sinnvoll investiert hat. Wenn zu lesen ist, dass Bidens Hilfspaket zu einem nicht geringen Teil von Privatanlegern an die Wall Street getragen und dort die Kurse von Tech-Aktien weiter treiben wird, muss die Weitsicht dieser "mutigen Fiskalpolitik" zumindest mal beschrieben werden.

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