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Gastkommentar – Homo oeconomicusWarum der digitale Euro unnötig ist

Die Antwort auf die Dominanz von US-Plattformen ist ein mobiles Zahlungssystem, für das man keine besonderen Guthaben braucht. Die Schweiz macht es vor, meint Peter Bofinger. 28.09.2021 - 13:51 Uhr Artikel anhören
Foto: Tetra images/Getty Images

Was macht eigentlich der digitale Euro? Nach einer längeren Vorbereitungsphase hat die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli beschlossen, ein zweijähriges Erkundungsprojekt zu starten. Das bedeute allerdings nicht, dass es danach zwangsläufig zur Einführung des digitalen Euros komme. Bei einer positiven Entscheidung dürften nach Einschätzung von Präsidentin Christine Lagarde noch einmal zwei bis drei Jahre vergehen, bis man mit dem digitalen Euro bezahlen kann.

In der sich schnell wandelnden Welt der digitalen Zahlungssysteme ist das ein halbe Ewigkeit. Hat der langwierige Prozess vielleicht damit zu tun, dass das Ganze einfach eine Fehlkonstruktion ist?

Die EZB will mit dem digitalen Euro ein Notenbankkonto für jedermann schaffen, also so etwas wie digitales Bargeld. Aber das ist unattraktiv wie alkoholfreier Wein. Was den Wein für die meisten mit ausmacht, ist der Alkohol, und was man am Bargeld schätzt, ist seine physische Verfügbarkeit.

Das heißt nicht, dass es kein großes Potenzial für Innovationen im Zahlungsverkehr gibt. Ein Beispiel hierfür bietet die Schweiz mit Twint: Das ist ein Zahlungssystem, bei dem man mit dem Smartphone einkaufen und ganz einfach Zahlungen an Freunde vornehmen kann. Twint ermöglicht auch das Bezahlen von Parkuhren und Onlinetransaktionen. Mit QR-Stickern können Verkäufer auf Wochenmärkten und Wirte auf Berghütten problemlos an dem System teilnehmen.

Abgerechnet werden alle Zahlungen über normale Girokonten. Man braucht also keine Guthaben im Twint-System zu halten. Eigentümer von Twint sind Schweizer Banken und die Postfinance.

Twint dominiert US-Plattformen

Den Erfolg des Systems kann man daran ablesen, dass das „Twinten“, also die Zahlung von einem Smartphone auf ein anderes, Eingang in die Alltagssprache gefunden hat. Mit Twint ist  den Schweizern eine Lösung gelungen, die die amerikanischen Plattformen klar dominiert.

Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

Foto: SVR

Die Zahlungsmittelumfrage 2020 der Schweizerischen Nationalbank ergab einen Marktanteil von Twint bei den Bezahl-Apps von 77 Prozent. Mit 3,5 Millionen Benutzern liegt das System weit vor Paypal, das in der Schweiz auf 1,2 Millionen Nutzer kommt.

Dieser Schweizer Erfolg zeigt, dass man das Vordringen von US-Zahlungsplattformen nicht passiv hinnehmen muss. Die richtige Antwort auf dieses Vordringen ist jedoch kein digitales Bargeld, wie es der EZB vorschwebt, sondern ein benutzerfreundliches und kostengünstiges Zahlungssystem, für das man keine besonderen Guthaben benötigt, weil alle Buchungen über ein bestehendes Bankkonto abgewickelt werden.

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Die deutschen Banken hätten hier eine große Chance für eine eigenständige digitale Plattform, die sie bald nutzen sollten. Das wäre ein wichtiger Beitrag zu mehr Digitalisierung in Deutschland. Den digitalen Euro kann man dann vergessen.

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