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Gastkommentar - Homo oeconomicus Was gute Unternehmensführung ist, sollten nicht allein Blackrock und Co. entscheiden

Vor allem große Investoren machen in Sachen Nachhaltigkeit und Diversität Druck auf die Unternehmen. Der Staat hält sich zu sehr heraus, moniert Philine Erfurt Sandhu.
27.04.2021 - 12:09 Uhr Kommentieren
Philine Erfurt Sandhu ist Dozentin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Quelle: Pressefoto
Die Autorin

Philine Erfurt Sandhu ist Dozentin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin.

(Foto: Pressefoto)

Die Hauptversammlungen 2021 sind in vollem Gange. Durch die Umsetzung der zweiten Aktionärsrichtlinien, ARUG II genannt, ist der Einfluss der Investoren gewachsen. Auch ihre Bedeutung als Meinungsführer bei den Themen Nachhaltigkeit und Diversität nimmt zu, denn sie erhöhen bei den Gesellschaften, deren Anteile sie halten, den Druck zur Sicherung „guter Unternehmensführung“.

Die Diversitätsanforderungen vieler internationaler Investoren sind für Deutschland brisant: Noch Ende 2020 waren fast zwei Drittel aller Vorstände börsennotierter Unternehmen in Deutschland rein männlich besetzt, zudem kamen 81 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder und 76 Prozent der Vorstandsmitglieder im Dax und MDax aus dem deutschsprachigen Raum. Auch angesichts der internationalen Geschäftsfelder vieler deutscher Unternehmen gibt diese Homogenität zu denken.

Die Investoren besetzen zunehmend ein Feld, bei dem der deutsche Gesetzgeber in den letzten Jahren deutlich zu wenig ambitioniert handelte. Wenn es um „gute Unternehmensführung“ geht, sind es die Investoren, die gerade die Diskussionen antreiben. Wenn Larry Fink, CEO von Blackrock, seine bekannten Briefe an die Unternehmen schickt, schafft das teils mehr Bewegung als deutsche Regulatorik.

So ist beim Thema Diversität der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCKG) zurückhaltend: „Der Aufsichtsrat soll auf Diversität achten“, heißt es da schlicht. Bezüglich Frauen in obersten Führungspositionen ist der Anwendungsbereich der Gesetze hierzulande eher schmal angelegt. Die gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote für Aufsichtsräte gilt nur für gut 100 Unternehmen.

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    Die Mindestbesetzung von einer Frau im Vorstand, die noch dieses Jahr gesetzlich verabschiedet werden soll, betrifft de jure nur 74 Unternehmen. Viel Dynamik werden diese Normen in Sachen Diversität – auch über die Dimension Geschlecht hinaus – nicht erzeugen.

    Klarere Positionen vom Gesetzgeber

    Sollten Investoren die Standards „guter Unternehmensführung“ definieren? Sollte eine überschaubare Zahl von Investoren, Vermögensverwaltern, Ratingagenturen und Stimmrechtsberatern die konkreten Kriterien von „Good Governance“ bestimmen?

    Auch wenn ihre Forderungen wichtig sind, sollte der Gesetzgeber, allen voran die Regierungskommission DCKG, selbst eine klarere Position beziehen, statt konkrete Vorgaben dem Kapitalmarkt mit seinen teils kurzfristig angelegten Investitionsstrategien zu überlassen. Was, wenn Investoren die Themen Diversität und Nachhaltigkeit wieder fallen lassen und bei ihren Investitionsstrategien auf neue Schwerpunkte setzen?

    Wer hält dann die Fahnen dafür hoch? Gute Unternehmensführung hat auch ihre gesellschaftliche und politische Seite, in der demokratisch legitimierte Akteure die Akzente setzen sollten.

    Mehr: Vorstandsgehälter: Investoren sind nicht der verlängerte Arm der Gesellschaft.

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