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Gastkommentar – Homo oeconomicus Wasserstoff sollte zuerst in der Chemie- und Stahlindustrie eingesetzt werden

Die deutsche Wasserstoffstrategie muss industriepolitische und technologiepolitische Erfordernisse mit berücksichtigen, fordert Felix Matthes vom Öko-Institut.
05.03.2021 - 09:39 Uhr Kommentieren
Felix Christian Matthes ist Umweltökonom, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik beim Öko-Institut in Freiburg und Mitglied des Nationalen Wasserstoffrates. Quelle: Öko-Institut
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Felix Christian Matthes ist Umweltökonom, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik beim Öko-Institut in Freiburg und Mitglied des Nationalen Wasserstoffrates.

(Foto: Öko-Institut)

Wasserstoff ist die vierte Säule der Energiewende zur Klimaneutralität. Teilweise entgleitet die aktuelle Debatte jedoch in die Richtung, dass Wasserstoff die Basis für fast jeden Sektor und fast jedes Geschäftsmodell bilden soll, weil klimaneutraler Wasserstoff bereits mittelfristig nahezu unbegrenzt und zu attraktiven Kosten verfügbar sei.

Das Gegenteil ist der Fall. Mit den angestrebten Elektrolyseprojekten in Deutschland kann maximal ein Viertel des für 2030 notwendigen klimaneutralen Wasserstoffs erzeugt werden. Wie viel zusätzlichen Wasserstoff wir importieren können, ist ungeklärt.

Zudem bleibt klimaneutraler Wasserstoff für die nächsten zehn bis 15 Jahre selbst bei großen Kostensenkungen relativ teuer. Der Transport über weite Entfernungen nach Deutschland kann in vielen Fällen und bis auf Weiteres die Kostenvorteile ausländischer Produktionsstandorte zunichtemachen.

Ohne deutliche Bepreisung von CO2-Emissionen kann klimaneutraler Wasserstoff auch langfristig nicht wirtschaftlich werden. Auch mit Bepreisung bleibt mittelfristig eine Lücke zwischen den Kosten und dem, was die verschiedenen Branchen tragen können. Die Summen, die erforderlich sind, diese Lücke über Beihilfen, Befreiung von Energiesteuern oder andere Entgelte zu schließen, werden die verfügbaren Mittel weit übersteigen.

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    Wer Wasserstoff ohne solche Förderungen auf den Markt bringen will und kann, soll das tun. Jenseits dessen bedarf es jedoch klarer Priorisierungen. Hier spielen industriepolitische Aspekte eine große Rolle. Die Wertschöpfung vieler Grundstoffindustrien, vor allem die Stahl- und Chemieindustrie, kann unter der Maßgabe von Klimaneutralität nur mit Wasserstoff im Land gehalten werden. Darüber hinaus entwickeln sich auf globaler Ebene neue wasserstoffbasierte Technologiesegmente, die für deutsche Unternehmen wichtige Zukunftsmärkte werden können. Zum Beispiel mit Blick auf die Brennstoffzelle im Schwerlastverkehr.

    Aus dem Zusammenspiel von Emissionsvermeidung und Industriepolitik ergeben sich für die nächsten zehn bis 15 Jahre klare Prioritäten einer robusten Wasserstoffstrategie. Der Einsatz für dezentrale Gebäudeheizung gehört nicht zu den vordringlichen Bereichen. Zu viele Fragen bedürfen hier noch der Klärung: die Konkurrenz zur Wärmepumpe, aber auch die viel größere Frage nach der Zukunft von Gasnetzen. Hier geht es auch um die zukünftige Finanzierung der kommunalen Daseinsvorsorge.

    Deshalb sollte die deutsche Wasserstoffstrategie mit einem sehr klaren Ansatz weiterentwickelt werden. Die schnelle und konsequente Umsetzung der diversen Unterstützungsinstrumente muss mit einem sehr klaren Fokus auf Industrie und Schwerlastverkehr erfolgen. Vor der etwaigen Einführung von Flankierungsinstrumenten für den Einsatz von Wasserstoff im dezentralen Raumwärmemarkt ist zunächst eine sorgfältige Klärung der genannten komplexen Fragen unabdingbar. Diese Klärung braucht Zeit und ist eine Aufgabe für die nächste Legislaturperiode.

    Mehr: Turbo beim grünen Wasserstoff: Der globale Durchbruch für den Energieträger ist in Sicht

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