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Gastkommentar – Homo Oeconomicus Wir spielen klimapolitisch russisches Roulette

Eine Fortsetzung der bisherigen Klimapolitik beinhaltet ein viel zu hohes Risiko, die menschliche Zivilisation zu beenden, warnt Helge Peukert.
18.02.2021 - 13:21 Uhr 2 Kommentare
Helge Peukert ist Professor für Plurale Ökonomik an der Universität Siegen. Quelle: Universität Siegen
Der Autor

Helge Peukert ist Professor für Plurale Ökonomik an der Universität Siegen.

(Foto: Universität Siegen)

Die Berichte des UN-Klimarats IPCC dienen sowohl der Politik als auch sie Kritisierenden wie der Bewegung „Fridays for Future“ als Orientierung. Im Jahr 2018 erschien der Sonderbericht Global Warming of 1.5 C, der von einigen Hundert Klimawissenschaftlern verfasst wurde.

Ein übersichtliches Schaubild auf Seite 108, das in der Kurzversion für politische Entscheidungsträger allerdings fehlt, gibt an, welches CO2-Restbudget die Menschheit noch hat, da sich rund die Hälfte des CO2 über Jahrhunderte in der Atmosphäre ansammelt.

Um mit 67 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Erwärmung im Vergleich zur „vorindustriellen“ Zeit von 1,5 Grad nicht zu überschreiten, bleiben 340 Gigatonnen (Gt) übrig. Die weltweiten Jahresemissionen liegen bei über 40 Gt.
Bei gerechter Verteilung und unter völliger Ausklammerung der historischen Verantwortung für frühere deutsche Emissionen im Gt-Bereich heißt dies für Deutschland mit einem Anteil von 1,1 Prozent an der Weltbevölkerung 3,7 Gt Restbudget. 2019 betrug Deutschlands Treibhausgasausstoß 810 Millionen Tonnen. Es bleiben also vier Jahre bis zur Nettonull.

Bereits 2024 müssten also die anthropogenen Emissionen bei null liegen, nicht erst 2050, wie von der EU vorgesehen. Bei dieser Rechnung sind aber zusätzlich noch fünf Punkte zu beachten:

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    • Mangels vorheriger Daten wird „vorindustriell“ definiert als Zeitraum von 1850-1900.
    • Die Erwärmung bis 2018 wird mit unter einem Grad sehr niedrig angesetzt.
    • Mit 33 Prozent Wahrscheinlichkeit kann die Erwärmung auch über den kritischen 1,5 Grad liegen. Würden Sie in ein Flugzeug steigen, bei dem Sie nur mit 67 Prozent Wahrscheinlichkeit heil ankommen?
    • Verstärkende Rückkopplungseffekte wie das CO2 freisetzende Tauen des Permafrosts werden ausgeklammert.
    • Weitere im Bericht angesprochene Unsicherheiten bergen die Gefahr, dass sich möglicherweise viele Hundert Gt Emissionen zusätzlich bereits in der Atmosphäre befinden.

    1,5 Grad als Maximum ist außerdem zu hoch, wie die bunten Warnampeln des Berichts zu den „Gründen zur Besorgnis“ zeigen, von denen viele schon ab einem Grad vom gelben in den roten Bereich übergehen. In den 1980er-Jahren wurde häufig zu Recht ein Grad als maximal tolerabel angesehen.

    Im Schaubild wird nur CO2 berechnet. Unter Einschluss von weiteren Treibhausgasen führt die Gesamtkonzentration in der Atmosphäre schon heute zu 1,5 Grad. Laut Berechnungen des New Climate Institute laufen die unverbindlichen Zusagen des Pariser Abkommens sehr wahrscheinlich auf hochriskante drei Grad Erderwärmung und mit zehn Prozent Wahrscheinlichkeit auf bis zu vier Grad hinaus.

    Fazit: Wir brauchen ein klimapolitisches Notfallprogramm mit sofort drastisch wirksamen Maßnahmen wie der Schließung der 1000 Kohlekraftwerke mit den höchsten Emissionen und ein Ende des Urlaubsflugverkehrs.

    Mehr: Kampf gegen den Klimawandel: Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem Buch von Bill Gates.

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    2 Kommentare zu "Gastkommentar – Homo Oeconomicus: Wir spielen klimapolitisch russisches Roulette"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Absoluter Blödsinn diese Kaffeesatzleserei, mehr kann man dazu nicht sagen. Das Klima hat sich in der Vergangenheit nicht und wird sich auch in Zukunft nicht nach dem Menschen richten, wer die Klimakurve der Vergangenheit studiert, wird dies schnell erkennen. Der Mensch wäre vielmehr gut beraten sich auf unausweichliche Veränderungen einzustellen, statt sich mit nutzlosen Klimabeeinflussungsmethoden aufzureiben. Aber gerade das passiert nicht. Hier bekommen wir dieselben Schauermärchen aufgetischt wie im aktuellen Corona-Thema. Und die Meisten sind gutgläubig und halten diese haltlosen und an den Haaren herbei gezogenen Forecasts für bare Münze, ohne zu merken, dass es sich nur um einen weiteren Bereich handelt, mit dem man ihnen das Geld aus der Tasche ziehen kann. Das Klima und das Gesundheitswesen sind hervorragende Bereiche, wo man den Menschen Angst machen kann. Soviel Angst, dass sie jeden Blödsinn mit machen :-/

    • Sehr geehrter Herr Professor für Plurale Ökonomik, Sie fordern die Stilllegung von 1000 Kohlekraftwerken mit den höchsten Immissionen, ihnen sollte bekannt sein, dass diese Kraftwerke zum größten Teil in solchen Ländern in solchen Ländern wie Indien, China, Südafrika, Vietnam etc. stehen. eine sofortige Stilllegung würde dort zu unabsehbaren Katastrophen nach dem Zusammenbruch der Stromversorgung führen. Die Drohung mit einer fernen Temperaturerhöhung wird dort zu keine existenzbedrohenden Reaktion führen. Ihre Untergangsfantasien werden dort ohnehin nicht ernst genommen (ob sie nun berechtigt sind oder nicht). Meine Bitte, lassen ihre unrealistischen Forderungen, sondern versuchen von Schlagworten wegzukommen und sich der Macht des Faktischen zu beugen. Wir können mit den Menschen Lösungen erzielen und dies geht nicht, wenn wir fordern ihre Existenzgrundlage zu zerstören.

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